Weltweit beschäftigt die Apple-Jünger heute nur eine Frage: was wird das Unternehmen auf seiner Veranstaltung "It’s only rock and roll, but we like it" im Yerba Buena Center in San Fransisco verkünden? Viele Technik-Seiten bloggen live von der Veranstaltung. Einige bieten im Vorfeld sogar einen Erinnerungs-Service an, damit man das Event auf keinen Fall verpennt.

Der Titel der Veranstaltung - ein Zitat der Rolling Stones - lässt vermuten, dass Apple wie so oft zu dieser Jahreszeit wieder mit News rund um seine Musiksoftware und seine Mp3-Player aufwartet. Die Gerüchteküche kocht. Überzeugt sind die Apple-Jünger, dass es bald einen iPod mit eingebauter Kamera und größerem Speicher geben wird. Mutmaßungen gibt es auch darüber, dass das Musikprogramm iTunes demnächst mit neuer Software daherkommt. Apple wird wohl künftig das neue Blu-ray-Format unterstützen. Außerdem sollen soziale Netzwerke wie Facebook integriert werden. Vielleicht präsentiert Apple sogar eine eigene Antwort auf den anhaltenden Boom bei den Mini-Notebooks. Und die digitalisierten Beatles-Aufnahmen könnten Eingang in den iTunes-Shop finden.

Beeindruckend ist der Eifer, mit dem Blogger und Tech-Journalisten regelmäßig im Vorfeld versuchen, den Neuerungen auf die Spur zu kommen – in der Wirtschaftsspionage dürfte es kaum detektivischer zugehen. So gelingt es trotz akribischer Sicherheitsvorkehrungen und Apples Blogverbot für Mitarbeiter anscheinend immer wieder, Bilder von Prototypen ins Netz zu schmuggeln. Häufig liefern die Hersteller von Zubehör nützliche Hinweise – so tauchten im Zusammenhang mit den Kameragerüchten chinesische Prototypen für Schutzhüllen auf – mit einem verdächtigen Loch auf der Rückseite. Die investigativen Blogger schlossen daraus: das kann nur für das künftige Kameraobjektiv gedacht sein. Als Adelsschlag in Tech-Blogger-Kreisen gilt die Einladung zu einer Apple-Presseveranstaltungen wie der heutigen.

Immer wieder keimt der Verdacht auf, Apple halte seine Entwicklungen nicht nur aus strategischen Erwägungen unter Verschluss, sondern auch, um die Gerüchteküche beständig unter Dampf zu halten. Den Tech-Journalismus macht das spannend. Und Apple erreicht maximale PR mit minimalem Kommunikations-Aufwand.

Einigen geht der Gerüchtebrei aber inzwischen gehörig auf die Nerven, und nicht nur, weil inzwischen zu viele Köche darin herumrühren. Laut dem ZDNet-Autor Sam Diaz hat Apple die Kontrolle über die eigene Maschinerie verloren. Viel Aufsehen hat der Fall eines Mitarbeiters des Zulieferers Foxconn erregt, der Selbstmord begangen haben soll, als er feststellen musste, das einer der 16 iPhone-Prototypen fehlte, für die er verantwortlich war. Apple selbst geht harsch gegen Plappermäuler vor, zwingt Webseiten, ihre Quellen offen zu legen, oder lässt schon mal eine Webseite wie "Think Secret" schließen, weil dort angeblich echte Insider-Informationen kursierten.

Am Ende hat es Apple mit seiner Anhängerschaft aber ganz gut getroffen. Ohne Gemaule geht es zwar auch hier selten ab, dennoch fällt die Kritik meistens freundlich aus. Ein Maccianer wird sein identitätsstiftendes Gerät nur ungern in den Schmutz ziehen. Das Unternehmen hat es geschafft, dass sich viele Menschen nicht mehr über die Musik definieren, die sie hören, sondern über die Geräte und die Software, mit der sie das tun.