Facebook und MySpaceNetzwerke outen schwule Mitglieder

Selbst wer mit eigenen Daten sorgsam umgeht, verrät mehr als er will – über seine Freunde. Über diese lässt eine Software auf die eigene sexuelle Orientierung schließen.

Was die beiden Studenten des Massachusetts Instituts of Technology (MIT) auf die Idee gebracht hat, ein Programm zu entwickeln, das treffsicher Homosexuelle outet, haben sie dem "Boston Globe" zwar nicht verraten. Aber im Interview mit der amerikanischen Zeitung erläuterten sie dafür umso ausführlicher, wie der von ihnen entwickelte "Gaydar" funktioniert, ein Radar zur Ermittlung homosexueller Facebook-Freunde. Denn funktionieren tut er tatsächlich.

Dazu fütterten sie die Software mit Informationen über Facebook-Mitglieder, deren sexuellen Präferenzen bereits bekannt waren, und zwar mit Daten aus den Rubriken: "Geschlecht", "Freunde" und "Interessiert an". Dann ließen sie das Programm auf Kommilitonen los, deren sexuellen Vorlieben noch unbekannt waren, um es auf der Grundlage statistischer Korrelationen eigenmächtig Vermutungen über deren sexuelle Orientierung anstellen zu lassen. Mit dem überraschenden Ergebnis, dass das Programm in allen Fällen die richtigen Ergebnisse ausspuckte. Allerdings nur, wenn es sich um schwule Männer handelte. Bei Bisexuellen oder lesbischen Frauen verursachte das Programm bislang höchstens ein paar Achtungserfolge.

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Die beiden jungen Forscher haben sich bei ihrem Versuch an alle Regeln des Datenschutzes gehalten und nur in einem vorher abgesprochenen Rahmen experimentiert. Doch damit gezeigt, wie riskant soziale Netzwerke sein können - zumindest für jene, die etwas verbergen wollen. Immerhin ließe sich die Software problemlos auch für ungefragte Outing-Aktionen einsetzen. Das stellt die Frage nach der Datenschutzproblematik bei sozialen Netzwerken noch einmal völlig neu. Schließlich könnte jeder so ein Programm entwickeln und wäre auch bei anderen Themen potenziell erfolgreich, wenn er die Software nur mit genügend Informationen fütterte: politische Einstellungen, religiöse Überzeugungen. Auch Steuersünder haben sich bereits über Facebook- und MySpace-Postings verraten.

Der Boston Globe ließ den Facebook-Sprecher Simon Axten zu Wort kommen, der die Gefahren relativierte: Schließlich erlaube die Wahl der Freunde immer Rückschlüsse auf die Person, das sei im wahren Leben nicht anders. Man kann auch jemanden beobachten, der mit einem Aufkleber auf seinem Auto herumfährt, der eine politische Botschaft enthält, und wenn man dann einen Freund mit ihm aus dem Kino kommen sieht, über diesen Freund folgern, er habe ähnliche Einstellungen.

So betrachtet ist das ganze Leben ein permanenter Verstoß gegen den Datenschutz. Allein die komplizierte Konstruktion der von Axten gezogenen Parallele zeigt: Der Unterschied zwischen analoger und digitaler Welt mag ein rein quantitativer, kein qualitativer sein. Er ist dennoch erheblich. Allein die Masse der vorhandenen Informationen und die Tatsache, dass sie dauerhaft gespeichert werden, erhöht die damit verbundenen Risiken. Anscheinend reicht es also nicht, nur auf seine eigenen Daten achtzugeben. Man sollte auch gelegentlich im Auge behalten, was die über einen verraten, mit denen man noch so verlinkt ist.

 
Leserkommentare
  1. Den genau das hier ist der Punkt:
    "Allein die komplizierte Konstruktion der von Axten gezogenen Parallele zeigt: Der Unterschied zwischen analoger und digitaler Welt mag ein rein quantitativer, kein qualitativer sein. Er ist dennoch erheblich. Allein die Masse der vorhandenen Informationen und die Tatsache, dass sie dauerhaft gespeichert werden, erhöht die damit verbundenen Risiken."

    Dinge, die in der physischen Welt aus Aufwandsgründen unmöglich sind, werden in der digitalen Welt kinderleicht.

    DESWEGEN sind Datensammlungen per se abzulehnen, es sei denn, es gibt GUTE Gründe für sie

    Wer an einem Netzwerk a'la Facebook, MySpace, StudiVZ teilnimmt verkauft wortwörtlich seine Seele an den Betreiber (und bekommt noch nichtmal einen Teller Linsensuppe dafür)

  2. 2.

    "Man kann auch jemanden beobachten, der mit einem Aufkleber auf seinem Auto herumfährt, der eine politische Botschaft enthält, und wenn man dann einen Freund mit ihm aus dem Kino kommen sieht, über diesen Freund folgern, er habe ähnliche Einstellungen"

    Sehr naiv argumentiert. Über die Internet-Netzwerke kann z.B. jeder Arbeitgeber SYSTEMATISCH seine Mitarbeiter ausspionieren, jede Bank ihre Kunden, jeder Staat seine Bürger. Es geht nicht darum, dass eine Person zufällig beobachtet wird, es geht darum, dass jeder IMMER beobachtet werden kann. Das ist die Gefahr.

  3. ...genauergesagt an deren Abwesenheit sieht, ist es den Leuten egal.

  4. Es ist doch eigentlich logisch, dass man auspioniert wird. Was erwarten wir denn? Gut so, denn genau das kann man ausnutzen. Man kann ein Profil bewusst mit dem Hintergedanken erstellen, dass Arbeitgeber, Arbeitsamt, Bank oder wer auch immer, nachschaut. Das sollte man auch tun. Denn dann ist die 'Spionage' voellig sinnlos ... oder es wird etwas leichter einen Kredit zu bekommen.
    Mehr sorgen mache ich mir ueber den Schutz der Daten, die man bereitstellen muss.

  5. hier wird immer ohne weitere Erklärung behauptet, dass ein Arbeitgeber, eine Bank oder wer auch immer mein ganzes, bei Facebook dargebotenes Privatleben einsehen kann.
    Das stimmt so einfach nicht. Es gibt die vielfältigsten Einstellungen zum Schutz meiner Privatsphäre. Ich bin nur einfach dafür verantwortlich diese Einstellungen entsprechend zu nutzen. Nur meine "Freunde" können bei mir sehen was ich mache, zu sagen habe und mit wem ich befreundet bin. Und ich habe mir auch schon den Luxus erlaubt "Freunde" nicht als solche zu akzeptieren, genau weil ich nicht möchte, dass sie über all das Bescheid wissen. Wen ich auf Facebook als meine Freund zulasse, der hat auch keine Zweifel über meine sexuelle Orientierung.
    Statt ewig die selben Studien über investigative Arbeitgeber zu zitieren, sollte vielleicht auch die ZEIT die Leser genau auf die Eigenverantwortung und Möglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre hinweisen. Mein Facebook-Profil findet man jedenfalls nicht mehr über Google.

  6. Zeige mir, mit wem du rumhängst, und ich sage dir, wer du bist: Simple soziale Netzwerk-Theorie. Man muss aber den Netzwerken zugute halten, dass die Einstellungen es auch ermöglichen, auch geheim zu halten, welche Beziehungen man zu anderen hat. Wer das nicht einstellt, ist selber mitverantwortlich.

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    dass die Einstellungen nicht zu umgehen wären.

    dass die Einstellungen nicht zu umgehen wären.

  7. dass die Einstellungen nicht zu umgehen wären.

    Antwort auf "Ist eigentlich bekannt"
  8. 8.

    Rätselhaft, daß das mit Lesbierinnen nicht klappt. Und bedauerlich. Wo ich doch garantiert lesbisch wäre, wenn ich eine Frau wäre.

    Aber es geht ja, wie so vieles im Leben, auch ohne EDV (oder ADV, wie Staatsdiener sagen); singt doch der Volksmund, wohl zu Recht: "Vivent les pharmaciennes, ma mère, vivent les pharmaciennes! Elles sont des putains ou bien des lesbiennes."

    Bedauerlich auch, daß der link zu "Steuersünder" nicht klappt. Er versucht vergeblich, mit Herrn Microsoft zu verbinden. Das hätte ich ja nun doch nicht von ihm gedacht.

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