Die ICANN ist eine der mächtigsten Organisationen des Internets. Schon lange fordern andere Länder ein Ende der US-Dominanz. Jetzt hat US-Präsident Barak Obama angekündigt, dass er zu Zugeständnissen bereit ist.

Zum einen wacht die ICANN über die Top Level Domains wie zum Beispiel "de" oder "com". Mit neuen Adress-Endungen kann sie somit Platz und Bedeutung im Netz schaffen. Außerdem kontrollieren die USA durch ein Abkommen innerhalb der Organisation die sogenannten Root Server. Diese Server leiten den weltweiten Internet-Traffic. In letzter Konsequenz stünde es daher sogar in der Macht der USA, ganze Länder vom Netz ausschließen. Vertraglich ist die ICANN zudem verpflichtet, dem amerikanischen Handelsministerium regelmäßig Bericht zu erstatten.

Die Dominanz der USA in dieser Organisation geht auf die Entstehungsgeschichte des Internets zurück. Von der US-Forschungsbehörde finanziert, vernetzten sich Ende der sechziger Jahre die ersten wissenschaftlichen Großrechner miteinander. Als immer mehr private und industrielle Partner hinzustießen, brauchte es eine Art Verkehrsleitsystem. Einfach gefasst kann man sagen, dass die ICANN allen verbundenen Rechnern Namen gibt und sie weltweit miteinander verbindet. Inzwischen ist die ICANN privatisiert. Internet-Wirtschaft und Nutzer dürfen mitreden, die USA behielten aber ihre Sonderrechte. 

Immer wieder macht es der direktere Draht zur ICANN den USA möglich, auch politisch Einfluss zu nehmen. Ein Beispiel ist der Versuch eines Unternehmens, die Endung "xxx" für Pornos zu beantragen. Die konservative Rechte lief daraufhin Sturm. "Die Lobbyisten haben ihren Einfluss in Washington genutzt, und Washington hat seinen Einfluss bei der ICANN genutzt", sagt die ICANN-Expertin Jeanette Hofmann vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Der Rotlichtbezirk fürs Internet scheiterte.

Andere Länder fordern seit Jahren ein Ende der US-Dominanz. China etwa will eine Art Internet-UN einrichten, während die EU auf eine komplett privatisierte Organisation setzt, in der Regierungen nur eine beratende Funktion haben.

Laut einem Bericht des britischen Magazins Economist plant Obama, die Aufgaben der ICANN auf vier Gremien zu verteilen – sogenannte Oversight panels. In allen Gruppen säßen Vertreter anderer Regierungen, schreibt das Magazin.

Die ICANN-Expertin Jeanette Hofmann ist dennoch vorsichtig optimistisch: "Das neue Regime ist multilateral ausgerichtet", sagt die Politologin vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Trotzdem glaubt sie nicht, dass Obama das Gremium komplett öffnet: "Die Kontrolle über die Root-Server werden sich die Amerikaner so schnell nicht entreißen lassen."