FernsehenInternet jagt Sendern Zuschauer ab

Das Ende des klassischen TV-Geräts habe schon viele vorhergesagt. Aktuelle Zahlen aus Deutschland belegen allerdings: Abgeschrieben ist der Fernseher noch lange nicht.

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Eine Menge Fernsehgeräte auf dem Schrottplatz  |  © Junko Kimura/Getty Images

"Der klassische Fernseher ist tot, er weiß es nur noch nicht", hat Microsoft-Deutschland-Chef Achim Berg unlängst in einem Interview mit dem Tagesspiegel gesagt. Wie aktuelle Zahlen belegen, ist der Fernseher in deutschen Stuben allerdings noch lange kein Auslaufmodell. So hat etwa nur jeder fünfte Deutsche schon einmal eine Fernsehsendung im Internet angeschaut, wie die Programmzeitschrift TV Guide jetzt in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden hat. Bei den 14- bis 29-Jährigen war es allerdings schon mehr als jeder Dritte.

Auch 2012 soll über 70 Prozent der TV-Nutzung in Deutschland auf klassisches Fernsehen entfallen – allerdings werden Pay-TV und Video-on-Demand (VoD) deutlich zulegen, das hatte im August die Delphie-Studie "Fernsehen 2012" der Beratungsgesellschaft Mediarise ergeben. Grund sei die sinkende Attraktivität der Free-TV-Sender. Die müssen am Programm sparen, weil die Werbeeinnahmen zurückgehen. Ein Teufelskreis, denn so wenden sich immer mehr Zuschauer ab.

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Die Free-TV-Sender leiden vor allem darunter, dass die Werbeindustrie immer größere Teile ihres Budgets ins Internet verlagert. So werden der Studie zufolge bis 2012 rund fünf Prozent der TV-Budgets in Webvideo-Formate verschoben. Diese rund 200 Millionen Euro verzwanzigfachen den Markt für Webvideo-Werbung.

Die Fernseher werden immer interaktiver und immer mehr zu einem PC, hatte Microsoft-Chef Achim Berg prognostiziert. "Das Gerät ohne Internetanschluss und Betriebssystem, wird es in fünf Jahren nicht mehr geben." Laut der Mediarise-Studie werden bis Ende 2012 immerhin rund 31 Prozent der TV-Haushalte über Fernsehgeräte oder Set-Top-Boxen mit Internetanschluss verfügen, über die zum Beispiel Spielfilme aus Online-Videotheken bezogen werden können.

Nachrichten und aktuelle Informationen lesen bereits immer mehr Menschen im Internet, ergab eine Studie von MediaResearch. So sind es bei den 30- bis 49-Jährigen Usern heute schon 55 Prozent, die sich mindestens einmal monatlich im Web informieren. Dennoch könne von einer Kannibalisierung klassischer Medien wie dem Fernsehen keine Rede sein, heißt es in der Erhebung. Im Vergleich zum Vorjahr ist die TV-Nutzung in sämtlichen Altersgruppen stabil geblieben und das Fernsehen nach wie vor das unangefochtene Leitmedium.

"Die klassischen Medien hätten bereits in hohem Maße auf die Konvergenz-Entwicklung reagiert", sagt Wolfgang Werres, Geschäftsführer TNS Infratest MediaResearch. "Sie haben Angebote unter ihrer bisherigen Marke oder mit neuer Marke im Web aufgebaut oder interessante Web-Angebote gekauft". Das sei natürlich eine "lebensnotwendige" Strategie, oft aber noch kein kostendeckendes Zusatzgeschäft. "Es zeigt sich insbesondere jetzt in der Wirtschaftskrise, dass die klassischen Medien dadurch zum Teil geschwächt sind und nicht mehr so souverän wie früher damit umgehen können", sagt Werres.

Aktuelle Hindernisse der weiteren Verschmelzung von Fernsehen und Internet sind vor allem die Angst vor der technischen Überforderung und fehlende Kenntnisse über die tatsächlichen Möglichkeiten des Internet-Fernsehens. Für die Konsumenten sei eine einfache Inbetriebnahme und Bedienung wichtig. "Sie wollen mehr Freiheit und Vielfalt bei der Mediennutzung, ohne dafür großen Aufwand betreiben zu müssen", erklärt Werres. Transparente Preise ohne versteckte Kosten seien ebenfalls eine selbstverständliche Voraussetzung.

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Leserkommentare
  1. geschadet hat es mir nicht. Im Gegenteil, es blieb viel Zeit für andere Aktivitäten. Wenn ich schreibe ohne Fernseher ist nicht gemeint das TV-Gerät wurde durch eine Empfangskarte im PC ersetzt!
    Allerdings muss ich sagen, dass ich bei den letzten Wahlen dann doch mal auf tagesschau.de die Sendungen zur Wahl schaute. Als Parteimitgleid interessiert man sich ja wie es um die Wunsch zu ändern steht.

    Fernsehen ist so ..... dort gibt es einfach nichts interessantes! Mit einem IQ oberhalb der Zimmertemperatur gehöre ich scheinbar nicht zur Zielgruppe. Dazu kommt eine ausgeprägte Werbeallergie.

    Allerdings fürchte ich, dass sich die Niveauspirale im TV weiter nach unten dreht. Je mehr Zuschauer genervt das Gerät ausser Betrieb nehmen umso flacher wird man das Programm gestalten. Das Fernsehen ist fertig, doch die Macher begreifen sich noch als Elite der Nation. Ob sie eine Vorstellung von ihren Zuschauern haben?

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    traue mir aber trotzdem nicht zu Prognosen darüber anzustellen die so klingen als hätte man das komplette Programm durchrezensiert. Woher nehmen Sie diese Fähigkeit? ;)

  2. traue mir aber trotzdem nicht zu Prognosen darüber anzustellen die so klingen als hätte man das komplette Programm durchrezensiert. Woher nehmen Sie diese Fähigkeit? ;)

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    nun, schreibe ich wie der Blinde von der Farbe? Einige meiner Kollegen haben einen TV. Und unterhalten sich hin und wieder über das Programm des Vortages. Allerdings frage ich mich: wenn es so schlimm ist wie sie sagen: warum tun sie sich das dann an?

    • mark13
    • 30. September 2009 18:40 Uhr

    Sie schreiben:

    "Die [Fernsehsender] müssen am Programm sparen, weil die Werbeeinnahmen zurückgehen. Ein Teufelskreis, denn so wenden sich immer mehr Zuschauer ab."

    Nein. Gutes Fernsehen muss nicht teuer sein, es muss intelligent sein. Serien von "Ein Herz und eine Seele" bis "IT Crowd" sind nun wirklich nicht teuer in der Produktion. Und gerade das grandiose Scheitern der deutschen Fassung von "IT Crowd" zeigte doch, woran es mangelt: Am Können. Da wurde selbst ein gutes Skript hoffnungslos versenkt. Da lachte man nur noch über das hiesige Fernsehen. Hinterher, auf Youtube.

    Anstatt mit teuren Produktionen die Muskeln spielen zu lassen, sollten sich die Fernsehmacher mal eine Weile das benutzen, was dem Menschen gegenüber dem Rest der Welt einen Vorteil verschafft hat: Das Gehirn.

    P.S.: Ich habe auch keinen Fernseher mehr und ich beneide die Briten um ihre BBC und das ZDF ist so ein Rentnersender, also ein Sender bei dem alle Mitarbeiter zu glauben scheinen, sie seien schon auf Rente, und jetzt hör ich lieber auf. :)

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    wo immer sich Menschen abwenden verändert sich etwas. Selten zum Guten. Wir hier, die ohne TV, verstärken diesen Prozess noch. Die Verflachung im Fernsehen, die Verselbstständigung der Parteien oder die Finanznöte der Gesetzlichen Krankenversicherung, wenn die Besserverdienenden (oder die, denen man einredet sie seien es) zu den Privaten wechseln ....
    Das weitere Entwicklung und das Ende ist absehbar: TV besteht dann aus 9Live und RTL2!

    • Gerry10
    • 30. September 2009 19:45 Uhr
    4.

    Außer "Die Sendung mit der Maus" gibt es nichts im deutschesprachigem Fernsehen das es wert wäre anzusehen.

  3. Ein Blick in die Zukunft des Fernsehens sieht man in Asien: Da hat der Fernseher eher die Funktion einer "Musikdusche", die einfach pausenlos nebenher läuft. Das gezielte Ansehen einer Sendung gibt es fast nicht. Das Internet hingegen ist gänzlich anders, es erfordert aktives Durchforsten der Inhalte. Eine Konvergenz beider Medien halte ich daher schlicht für Unsinn.

    In jedem Fall dürfte das Fernsehen seine Bedeutung als Informationsmedium verlieren - und damit wird auch unser gutes altes Gebührensystem hinfällig. Das Internet kommt ohne aus.

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    das mit den Gebühren haben auch die Sender erkannt. Nur so lässt sich der Versuch erklären ein Multifunktionswerkzeug den den Computer zum TV-Gerät zu erklären.
    Was die Sender leugnen: während ein Broadcastmedium wie TV keinen Zugriffsschutz bieten kann liese sich Fernsehen im Internet durchaus mit Logindaten (Name und Passwort) für zahlende Klientel aufbereiten. Es gibt also keine Not jeden Computerbesitzer zum Fernsehkonsument zu erklären!

  4. nun, schreibe ich wie der Blinde von der Farbe? Einige meiner Kollegen haben einen TV. Und unterhalten sich hin und wieder über das Programm des Vortages. Allerdings frage ich mich: wenn es so schlimm ist wie sie sagen: warum tun sie sich das dann an?

  5. wo immer sich Menschen abwenden verändert sich etwas. Selten zum Guten. Wir hier, die ohne TV, verstärken diesen Prozess noch. Die Verflachung im Fernsehen, die Verselbstständigung der Parteien oder die Finanznöte der Gesetzlichen Krankenversicherung, wenn die Besserverdienenden (oder die, denen man einredet sie seien es) zu den Privaten wechseln ....
    Das weitere Entwicklung und das Ende ist absehbar: TV besteht dann aus 9Live und RTL2!

    Antwort auf "Teufelskreis?"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Fernsehen | Internet | Achim Berg | Medien | Infratest | Spielfilm
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