Es liegt gut in der Hand, der Bildschirm ist gestochen scharf, Filme und Spiele laufen wie geschmiert, Dokumente und Präsentationen lassen sich auch ohne physische Tastatur anfertigen und auf dem Tisch herumreichen wie auf einem edlen Notizblock. Aber selbst nach der wie immer grandios inszenierten Vorstellung von Apples neuestem Streich, dem Tablet-Computer namens iPad, gibt es reichlich offene Fragen, was das rund 700 Gramm schwere Ding nun alles kann.

Zum Beispiel: Zwei Wochen hatte Spielehersteller Electronic Arts Zeit, um sein iPhone-Autorennen Need for Speed für einen doppelt so großen Bildschirm und den A4-Prozessor von Apple umzustricken. Entsandte das Unternehmen dazu ein Team nach Cupertino? Wie viele Leute arbeiteten an dem neuen Format? Werden Spiele für die hauchdünne Konsole mehr kosten? Werden alle bestehenden EA-Spiele auf dem iPad laufen?

"Kein Kommentar." "Daran arbeiten wir." Oder: "Das dürfen wir laut unserer Vertraulichkeitsvereinbarung mit Apple nicht sagen" waren die Standard-Antworten von Travis Boatman, der bei EA die weltweite Entwicklungsarbeit leitet. Nur so viel verriet er, während sich um ihn herum die Fachpresse um die neuen Tablets drängte: "Ein neues Gerät mit so viel berührungsempfindlicher Oberfläche und so viel Rechenpower erlaubt völlig neue Spiel-Erfahrungen."

Welche neuen Anwendungen und Märkte sich mit dem Alu-Tablet mit seinem 9,7 Zoll Bildschirm auftun, das werden Verlage, Medienhäuser und Spiele-Entwickler in den kommenden Wochen ausloten. Zum Start in San Francisco gab Apple nur ein Entwicklerkit (SDK) heraus und holte eine Handvoll externer Partner auf die Bühne, die vorführen durften, was sie in 14 Tagen Akkordarbeit gebastelt hatten.

Stellvertretend für die um ihre Online-Umsätze bangenden Zeitungsverlage etwa demonstrierte die New York Times eine App, bei der sich die Spalten einer Seite nach Belieben verschieben lassen und Multimedia-Dateien in einem Artikel zum Leben erwachen. Das passt gut zur Ankündigung, ab kommendem Jahr für die Online-Ausgabe Geld zu verlangen. Auf eine komplett neue Magazin-Erfahrung wie von Sports Illustrated angedacht wartete das Publikum vergeblich.

Auch sonst lagen die Spekulierer in vielen Punkten daneben. Flash-Dateien funktionieren nach wie vor nicht auf Apples überdimensionalem iPod Touch (was sich mit HTML5 umschiffen lässt). Das Tablet hat weder eine Kamera für Videokonferenzen noch futuristische Gesten-Steuerung. "Das iPad ist zwischen mehreren Kategorien mobiler Internetgeräte angesiedelt und appelliert an Leute, die alles Neue gleich ausprobieren", urteilt der Analyst Jeff Orr von ABI Research. "Ich sehe das iPad zumindest für dieses Jahr als eine reine Luxus-Anschaffung."

Dennoch attestiert er Steve Jobs, zum genau richtigen Zeitpunkt ein Tablet auf den Markt gebracht zu haben. Seit dem vierten Quartel 2009 haben große Marken von Lenovo bis HP sowie relativ unbekannte Schrauber aus Fernost jede Menge Tablets angekündigt, so Orr. Aber vergangenes Jahr verkauften sich weltweit gerade einmal 100.000 Stück. Dieses Jahr rechnet er mit vier Millionen Geräten, von denen sich Apple einen gehörigen Anteil holen dürfte. Zum Vergleich: Der Absatz von Netbooks wird 2010 von 35 auf 55 Millionen steigen.