Apple-Tablet Enthüllung in San Francisco
Apple schweigt eisern. Fachleuten blieb vor der Präsentation des Apple-Tablets nur die Spekulation. Nun will Steve Jobs Klarheit schaffen.
© Justin Sullivan/Getty Images

Vorbereitung für die Enthüllung: Apple-Werbung in San Francisco
Raven Zachary hat den Tag schon verplant. Ab 10 Uhr Westküstenzeit wird der Chef der Firma Small Society, die große Unternehmen bei der Planung und Programmierung von iPhone Apps berät, erst einmal zwei Stunden lang Apple-Boss Steve Jobs zuhören, der nach einhelliger Meinung in San Francisco einen neuen Tablet-Computer enthüllen wird.
Danach, erzählt der kreative Kopf, wird er ein paar Stunden in sich gehen und die technischen Details des Jobs-Zirkus in San Francisco auswerten. Anschließend steht eine dreistündige Strategiesitzung mit seinem Team auf dem Plan. "Wir müssen unseren Kunden mit Rat und Tat zur Seite stehen: Müssen sie ihre Apps neu schreiben, auf einen größeren Bildschirm und andere Details umstellen?", fragt er. "Bislang arbeiten wir mit zu vielen Unbekannten, um zu wissen, wie es weiter geht."
So geht es nicht nur Zachary, sondern Tausenden von Programmierern und Anbietern multimedialer Inhalte von Verlagen bis Fernsehsendern, die auf diesen Tag seit Monaten warten. Kann Apple nach dem Game Changer iPhone, mit dem Jobs vor drei Jahren an gleicher Stelle überraschte, noch eins drauf setzen und eine seit Jahren scheintote Produktkategorie mit technischer Finesse und Nutzerfreundlichkeit in den Massenmarkt katapultieren? Und wie steckt Apple im nächsten mobilen Goldrausch am besten seinen Claim ab?
Steve Jobs, in dessen Gegenwart sich die Wirklichkeit wie Wachs formen und biegen lässt, hat sich in gewohnter Manier mit keinem Wort zum neuen Gerät geäußert, während Fachpresse und Blogger spekulieren. Zur Bekanntgabe der Quartalszahlen am Montag legte ihm die PR-Maschinerie des Unternehmens immerhin soviel in den Mund: "Wir sind diese Woche ganz aus dem Häuschen über unser jüngstes bedeutendes Produkt."
Und so hat sich die Gemeinde aus Apple-Fanboys, Wall Street Analysten und Technologen aus Hinweisen und sicherlich ebenso vielen falschen Fährten einen Steckbrief des neuen Tablets gebastelt, von dem noch nicht einmal der Name verlässlich durchgesickert ist: iSlate, iPad, iTablet oder etwas völlig Anderes?
Rund zehn Zoll soll der Farbbildschirm messen, Musik und Video soll es abspielen, e-Books darstellen und selbstverständlich den Netzzugang per Wlan und 3G-Netz erlauben, um es mit Gigabytes kostenpflichtiger Inhalte zu füllen und Videokonferenzen abzuhalten. Irgendwo zwischen 600 und 1200 Dollar soll der Preis liegen. Verträge mit angeblichen Mobilpartnern wie Verizon oder Orange könnten diesen Preis deutlich senken.
App-Berater Zachary ist nicht der einzige, der zumindest für den Anfang auf eine aufgebohrte Version des iPhones setzt. "Das hätte den großen Vorteil, dass sich die mehr als 125.000 Programme fürs iPhone übertragen lassen, ohne dass man alles neu schreiben muss", sagt er. Denn all diese Programme, die zu einem Milliardengeschäft geworden sind, sind bislang auf einen kleinen Bildschirm zugeschnitten, der sich mit maximal fünf Fingern manipulieren lässt. "Bestehende Programme wären wie bei einem großen Rechner in einem Dock aufgereiht und starten dann in einem kleinen Fenster", sagt Zachary, der das Entwicklertreffen iPhone DevCamp gründete.
Viel spannender ist, was sich mit dem Tablet anstellen lässt, wenn es um Konsum und Kreation multimedialer Inhalte in Schrift, Bild und Ton geht, die man bislang auf speziellen Spielkonsolen, e-Readern oder dem Fernseher konsumierte. Im Vergleich zu Apple lecken große Verlage und Medienhäuser weitaus stärker, wenn es um Verhandlungen rund um ihr geistiges Eigentum geht, das fürs Tablet umformatiert und optimiert wird.
So rutschte dem Chef des Verlages McGraw-Hill einen Tag vor der Enthüllung in einem TV-Interview heraus: "Wir arbeiten schon eine ganze Weile mit Apple zusammen. Das Tablet wird auf dem iPhone-Betriebssystem basieren, so dass sich (Inhalte) übertragen lassen."
Mit dem neuen Gerät, prahlte Terry McGraw, lassen sich 95 Prozent seines Buch-Katalogs elektronisch konsumieren. "Damit öffnen wir den Markt für höhere Bildung und Geschäftsleute." Sprich die richtig teuren Titel, die nicht wie Romane auf Amazons Kindle für 9,99 verramscht werden.
Parallel dazu hat Apple dem Vernehmen nach TV-Sender, Zeitungs- und Zeitschriftenverlage umworben. Die New York Times etwa hat bereits vor Wochen ein Geheimteam nach Cupertino geschickt und eine eigene Abteilung für e-Editionen geschaffen. Medienhäuser hoffen so auf einen Schlag, ihr vergoogeltes Gratisproblem zu lösen: Was im Web kostenfrei verpufft, kann sich jetzt dank iTunes-Modell gegen Gebühren verkaufen lassen. Dazu fehlte allerdings bislang eine überzeugende und handliche Alternative.
Kunden mögen zwar den scharfen Bildschirm von Schwarz-weiß-Geräten wie dem Kindle, ergab eine Studie der Universität Georgia, aber für die tagesaktuelle Lektüre auf eReadern können sie sich nicht erwärmen. Gerade junge Leser bemängeln schwarz-weiß als "altbacken" und bevorzugen trotz Augenpfeffer-Effekt ein Smartphone. Die Erwartungen der Net-Generation ist denn auch die Marktlücke, in die Steve Jobs heute vorstoßen wird. Schulen und Colleges waren schon immer der Nährboden für Apples Erfolg, und Medienhäuser wollen Trittbrett fahren.
"Ein Tablet ist die letzte Chance für Verlage: tragbar, leistungsstarker Prozessor, jede Menge Bonbons für Augen und Ohren, bequemes Einkaufen. Wenn sie nicht so dumm wären, hätten die Verlage selber ein solches Modell aus einem Guss aufgebaut, immerhin ist das Web 15 Jahre alt", spottet der ehemalige Journalist und Verlagsberater Alan Mutter, dessen Blog Reflections of a Newsosaur als inoffizielle Bibel für Medienverzagte gilt. "So dürfen sie wohl 30 Prozent ihres Umsatzes an Steve Jobs zahlen."
Dafür müssen Medienhäuser aber in die Gänge kommen, um Inhalte zu schaffen, die Abogebühren rechtfertigen: von völlig neuartigen Magazinformaten bis zu Anwendungen, bei denen Lesen, Schreiben und Spielen ineinander übergehen."Die meisten Verlage haben schnell viel nachzuholen”, warnt Mutter.
Steve Jobs wird ihnen und Spieleherstellern sicher ein paar erstaunliche Fingerzeige geben: Vor fünf Jahren kaufte Apple die Firma FingerWorks, die den ganzen Bildschirm zu einer Spielwiese für die Hände macht – gerade recht für ein überdimensionales iPhone, das möglicherweise bald Millionen von Schülern im Ranzen stecken haben.
Hier gibt es noch einen Blogeintrag mit weiteren Links zum Thema, und hier wird unser Autor heute Abend von der Keynote twittern.
- Datum 27.01.2010 - 07:52 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Macht doch nicht so ein Gedöns.
Ich und ein par Millionen andere haben doch schon ein super Tablet: Nennt sich iPhone.
10“? zu groß für die Hosentasche, zu klein, um damit arbeiten zu können / wollen.
Vie Interessanter wäre ein iPhone das Licht zum Laden nutzt, oder endlich einen Mac mit Bluray-Laufwerk.
...dass sich wirklich nahezu alle (Qualitäts-?)Medien als Werbeträger für den Apfelkonzern verdingen.
Was würde man im Hause von Herrn Jobs nur machen wenn die Journalisten nicht in vorderster Front der vermeintlich so modernen und abgeklärten Apple-Jünger stünden...
Moin,
siehe Artikel
http://www.zeit.de/digita...
Warum alle immer wieder gerne auf Apple hereinfallen
Ich denke mal, dass die richtigen Apple-Jünger gelinde gesagt nicht glückllich darüber sind, dass nun nahezu jeder ein I-Phone sein Eigen nennt. Die Elite war mal. Die hohe Qualität wohl leider auch....
Ich finde es auch sehr bedenklich, dass alle größeren Medien derart intensiv über die Apfel-Produkte berichten.
Die WAMS beispielsweise hat Apple in der letzten Ausgabe den Aufmacher im Wirtschaftsteil "geschenkt". Und das für ein Produkt, das es erstens noch nicht gibt und zweitens voraussichtlich in den kommenden Jahren erst einmal ein Produkt sein wird, das sich ein sehr geringer Teil der Bevölkerung leisten kann - ganz davon abgesehen, ob man das Teil überhaupt braucht.
Meine These: Viele Journalisten mögen die Apfelprodukte. Das ist ihr gutes Recht. Leider wirkt sich das auch auf ihre Themenauswahl aus. Deshalb ist Apple in allen Medien dermaßen prominent präsent.
Moin,
siehe Artikel
http://www.zeit.de/digita...
Warum alle immer wieder gerne auf Apple hereinfallen
Ich denke mal, dass die richtigen Apple-Jünger gelinde gesagt nicht glückllich darüber sind, dass nun nahezu jeder ein I-Phone sein Eigen nennt. Die Elite war mal. Die hohe Qualität wohl leider auch....
Ich finde es auch sehr bedenklich, dass alle größeren Medien derart intensiv über die Apfel-Produkte berichten.
Die WAMS beispielsweise hat Apple in der letzten Ausgabe den Aufmacher im Wirtschaftsteil "geschenkt". Und das für ein Produkt, das es erstens noch nicht gibt und zweitens voraussichtlich in den kommenden Jahren erst einmal ein Produkt sein wird, das sich ein sehr geringer Teil der Bevölkerung leisten kann - ganz davon abgesehen, ob man das Teil überhaupt braucht.
Meine These: Viele Journalisten mögen die Apfelprodukte. Das ist ihr gutes Recht. Leider wirkt sich das auch auf ihre Themenauswahl aus. Deshalb ist Apple in allen Medien dermaßen prominent präsent.
Moin,
siehe Artikel
http://www.zeit.de/digita...
Warum alle immer wieder gerne auf Apple hereinfallen
Ich denke mal, dass die richtigen Apple-Jünger gelinde gesagt nicht glückllich darüber sind, dass nun nahezu jeder ein I-Phone sein Eigen nennt. Die Elite war mal. Die hohe Qualität wohl leider auch....
Apple-Tablet: Revolution oder Spielzeug? Was meinen Sie?
Hier geht's zur Leserdebatte:
http://www.zeit.de/digita...
Ich finde es auch sehr bedenklich, dass alle größeren Medien derart intensiv über die Apfel-Produkte berichten.
Die WAMS beispielsweise hat Apple in der letzten Ausgabe den Aufmacher im Wirtschaftsteil "geschenkt". Und das für ein Produkt, das es erstens noch nicht gibt und zweitens voraussichtlich in den kommenden Jahren erst einmal ein Produkt sein wird, das sich ein sehr geringer Teil der Bevölkerung leisten kann - ganz davon abgesehen, ob man das Teil überhaupt braucht.
Meine These: Viele Journalisten mögen die Apfelprodukte. Das ist ihr gutes Recht. Leider wirkt sich das auch auf ihre Themenauswahl aus. Deshalb ist Apple in allen Medien dermaßen prominent präsent.