Cebit Sounds Musik aus der Spielkonsole
Was passiert, wenn Musik und IT aufeinandertreffen, wollte die Cebit Sounds zeigen. Offenbar wussten die Veranstalter selbst nicht, was von Chipmusik zu halten sei.
© Getty Images

Die Band Kraftwerk: Als Elektro-Pioniere bahnten sie der Chipmusik den Weg. Auf der Cebit Sounds fehlten sie
"Automat und Telespiel leiten heut’ die Zukunft ein – Computer für den Kleinbetrieb, Computer für das Eigenheim", heißt es im 1981 veröffentlichten Kraftwerk-Song Computerwelt. Die Musiker aus Düsseldorf erkannten die Zeichen der Zeit früh, und sie schufen durch ihr Werk die Grundlage des Genres Elektropop. Eine der Subströmungen dieser Stilrichtung ist die Chipmusik. Ihre Vertreter erstellen Musikstücke am PC und peppen sie auf, indem sie ihnen Töne beimischen, die von den Soundchips älterer Heimcomputer und Videospielkonsolen erzeugt wurden.
Was also wäre besser gewesen, als auf der Cebit Sounds, dem "Music Business Festival" der Cebit, einige der in der Szene aktiven Künstler zusammenzutrommeln, um den Besuchern zu zeigen, wie kreativ Chipmusik ist? Doch weit und breit keine Spur davon. Stattdessen kümmerten sich die Organisatoren der Veranstaltung darum, in mehreren Diskussionen aufzuzeigen, wie sehr die Musikindustrie um ihr Image besorgt ist und wie sehr die Akteure sich immer noch den Kopf über das Internet zerbrechen. Wäre es nicht sinnvoller gewesen aufzuzeigen, wie sehr Computer und Musik bereits zusammengewachsen sind?
Die Halle 22, wo die Cebit Soundsstattfand, wirkte wie ein Fremdkörper im Messebetrieb. Es gab kaum Stände, als Besucher fühlt man sich ein wenig verloren. Zwischen den wenigen Ständen herrschte eigenartiges Treiben. Einige Besucher, vornehmlich Jugendliche, trommelten auf lautlosen Schlagzeugen herum. Ihr Spiel vernahmen nur sie selbst, durch ihre Kopfhörer. Immer wieder blieben Leute stehen. Ihnen stand Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben – man fragte sich, was die Veranstaltung sollte.
Spaß hatten nur Besucher, die sich hinter das Schlagzeug setzten oder aber sich für aktuelle PC-Audioschnittprogramme interessierten. Nur komisch, dass ausgerechnet die Softwarefirma Magix an dieser Stelle fehlte: Bringt das Berliner Unternehmen doch diverse Produkte für die breite Masse auf den Markt, etwa den populären Music Maker. Auch von der Konkurrenzreihe eJay keine Spur. Einzig die Firma Avid Technology war in Hannover präsent. Im kommenden Jahr sollte das Angebot nicht mehr so spartanisch sein.
Auf der Bühne diskutierte man über die Lage der Musikbranche. Einiges war durchaus interessant, etwa die Talkrunde, die sich damit beschäftigte, ob Selbst- oder Fremdvermarktung für Musiker besser sei. Fest steht nämlich, dass Bands viel mehr als früher tun müssen, um auf sich aufmerksam zu machen. Gute Musik allein reicht längst nicht mehr; man muss zumindest noch bloggen und in sozialen Netzwerken präsent sein. Das erfordert genauso kreative Ideen wie es Zeit kostet.
Den besten Teil der Veranstaltung bestritten aber die zahlreichen Musiker, die auf der Bühne auftraten, zum Beispiel die bezaubernde schwedische Songwriterin Siri Svegler, den virtuosen Multiinstrumentalisten Pit Hupperten und das Duo Ira Atari & Rampue. Letztere waren auf der Cebit Soundsdie einzigen Teilnehmer, die zeigen, dass es heutzutage eigentlich nur noch den Computer und eine ausgefallene Stimme braucht, um ordentliche Musik zu produzieren. Ira Atari & Rampue sind zugleich ein Paradebeispiel dafür, dass der gute alte Proberaum obsolet wird. Produziert wird übers Internet.
Ira Göbel alias Ira Atari hat Klavier an der Musikakademie Kassel studiert. Vor ihrem Auftritt auf der Cebit erzählt sie, dass sie neben Bach auch von Björk und Portishead inspiriert sei. Der Sound, den ihr Kollege Rampue beisteuert, entsteht mit dem Computerprogramm Reason, das unter anderem die britischen Ausnahme-DJs Prodigy für ihr vorletztes Album nutzten. Rampue, mit bürgerlichem Namen Daniel Krajnyak, wuchs mit Kraftwerk auf und verwurstet gern Klangfetzen aus der Ära der Heimcomputer. Ein großes Faible hat er für Mikron 64, das Musikprojekt von Marcus Noll. Dennoch zählt sich das Duo aus Hessen nicht zur Chipmusikszene. Elektropop trifft’s besser.
Lange Zeit wurde der Sound aus Computer- und Videospielen als Abfallprodukt, als Trash angesehen. Davon kann allerdings nicht mehr die Rede sein. Zunehmend greifen Künstler auf Klangmuster alter Geräte zurück. La Roux’ Song Bulletproof zum Beispiel hört sich an, als wäre die Melodie dem Produzenten Ben Langmaid nach einem Abend vor der Spielkonsole eingefallen. Selbst Timbaland scheint nicht um denTrend herumzukommen: Im Hintergrund von Ayo Technology läuft Gedudel, wie man es von den Konsolen der frühen 1990er Jahre kennt. Und sicher nimmt dieser Prozess in den nächsten Jahren zu. Fragt sich nur, wie sich die Cebit 2011 dieser Entwicklung nähert. Vielleicht mit einer Ausstellung, die den Einfluss von Kraftwerk dokumentiert?
- Datum 07.03.2010 - 16:14 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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"... dass es heutzutage eigentlich nur noch den Computer und eine ausgefallene Stimme braucht, um ordentliche Musik zu produzieren. Ira Atari & Rampue sind zugleich ein Paradebeispiel dafür, dass der gute alte Proberaum obsolet wird."
Und die letzten Überbleibsel qualitativ hochwertiger Musik, geschrieben und eingespielt von hingebungsvollen Künstlern, geht verloren. Stattdessen nimmt man sich den Magix Music Maker oder jedes x-beliebige ähnliche Programm, drückt auf Zufallszusammenstellung und hat einen potentiellen Charterfolg "geschaffen".
Ob man hingebungsvolle Musik macht hängt nicht vom Instrument, sondern von einem selber ab. In Gegenteil: Am Computer Musik zu machen, ist teilweise schwieriger als in einer normalen "Band". Wenn man dort etwas anders spielen möchte, dann macht man das einfach, am Computer müssen Dinge umarrangiert werden.
Ausserdem: Ich kenne genügend electronische Musik die auch "hingebungsvoll" ist. Nur weil Sie sie nicht kennen heisst das noch lange nicht dass es sie auch nicht gibt...
Ob man hingebungsvolle Musik macht hängt nicht vom Instrument, sondern von einem selber ab. In Gegenteil: Am Computer Musik zu machen, ist teilweise schwieriger als in einer normalen "Band". Wenn man dort etwas anders spielen möchte, dann macht man das einfach, am Computer müssen Dinge umarrangiert werden.
Ausserdem: Ich kenne genügend electronische Musik die auch "hingebungsvoll" ist. Nur weil Sie sie nicht kennen heisst das noch lange nicht dass es sie auch nicht gibt...
Ob man hingebungsvolle Musik macht hängt nicht vom Instrument, sondern von einem selber ab. In Gegenteil: Am Computer Musik zu machen, ist teilweise schwieriger als in einer normalen "Band". Wenn man dort etwas anders spielen möchte, dann macht man das einfach, am Computer müssen Dinge umarrangiert werden.
Ausserdem: Ich kenne genügend electronische Musik die auch "hingebungsvoll" ist. Nur weil Sie sie nicht kennen heisst das noch lange nicht dass es sie auch nicht gibt...
Der Artikel stellt Chipmusik als Zukunftsträchtig dar, ich wüsste allerdings keinen Grund warum Sie aus der Randerscheinung treten, oder vielleicht sogar das Musizieren mit Instrumenten verdrängen sollte.
"... dass es heutzutage eigentlich nur noch den Computer und eine ausgefallene Stimme braucht, um ordentliche Musik zu produzieren..."
http://www.youtube.com/wa...
es genügt auch weniger. Und es kam auch schon weit mehr als nur ordentliche Musik raus.
Keinesfalls wird der Proberaum vom Computer ersetzt werden. Wozu auch, ich sehe da keinen Vorteil.
Auch dass gute Musik allein nicht ausreichen würde wird hier so formuliert, als ob das ein Zukunftsmodell wäre. Aber eigentlich ist doch klar, dass die Blase des Musikmarktes zusammenschrumpft, weil kaum ein junger Mensch noch CD´s kaufen möchte. Ausnahmen sind Fans, weshalb derzeit das bloggen vorteilhaft ist. Das allein wird das Modell CD-Verkauf jedoch nicht (in dem Maße) erhalten.
Dass gute Musik nicht das wichtigste ist, ist der Status. Ich hoffe die Zukunft entwickelt sich wieder mehr zur Musik.
Wahrscheinlich ist das nicht, aber noch unwichtiger als jetzt kann die Qualität der Musik in dieser Branche eigentlich kaum werden. Und wenn Sie mal irgendwann keine Stars mehr finanziert, stehen die Chancen für die Musik gar nicht so schlecht.
ich möchte auch garnicht behaupten, dass man am computer keine hingebungsvolle musik machen kann. aber ob man sich als musiker bezeichnen kann, wenn man eine taste wie "automatische zusammenstellung" oder so drückt (was gerade bei programmen wie dem musikmaker möglich ist) sei mal dahingestellt.
ich weiss auch nicht, ob sie schonmal in einer band gespielt haben. ich habe es und ich weiss deshalb aus erfahrung, wie schwierig es sein kann, einen song zu arrangieren, sodass alle bandmitglieder damit klarkommen. auf jeden fall klappt es nicht so einfach nach dem motto, wie sie es gesagt haben. in einer band oder auch als solokünstler songs zu schreiben ist nicht einfach. und dies zählt sicherlich auch für künstler die für sich das instrument computer entdecken. aber genauso gibt es (gerade derzeit im musikalischen mainstream) "musiker" die billige elemente am pc zusammenbasteln und damit charterfolge feiern oder ähnliches. ich wollte nicht musik mit elektronischen elementen im allgemeinen kritisieren, sondern nur die aussage, dass es ja nicht schwierig sei musik zu machen, solange man einen computer und ne gute stimme hat. und wenns dann mit der stimme nicht so passt, kann man ja auch am pc nachhelfen. ;-)
"Ihre Vertreter erstellen Musikstücke am PC und peppen sie auf, indem sie ihnen Töne beimischen, die von den Soundchips älterer Heimcomputer und Videospielkonsolen erzeugt wurden."
Das ist inhaltlich nicht ganz richtig.
Tracker produzieren ihre Chipmusik meist auch auf den Geräten die den Soundchip beinhalten.
Ich gehe davon aus das Sie sich auf Alben wie "8bit Operators" beziehen. Oft werden dafür 8-bit Soundchips genommen (daher der Name der Platte).
Beliebte Klangerzeuger sind Gameboy (NanoLoop), C64 (SIDchip), AmigaST/500 uvm.
Das ist vielleicht für manche unbekannt, aber bestimmt nicht neu.
Die wohl größte internationale Comunity ist mircomusic.net
Auch ich glaube, dass die CeBit Sounds eine etwas traurige und misslungene Marketingveranstaltung der CeBit gewesen ist, in Deutschland gibt es erstens genug und zweitens bessere Musikmessen und Musikbranchenveranstaltungen.
Allerdings ist ihre herausragend unqualifizierte Kritik dazu auch kaum zu ertragen. Nach dem, was ich eigentlich an Standard bei der Zeit gewöhnt bin, erweist sich Ihr Artikel als nachhaltig enttäuschend. Insgesamt war der Musikteil der Zeit noch nie überragend, aber dieser Artikel übertrifft das noch um einiges.
"Paradebeispiel dafür, dass der gute alte Proberaum obsolet wird. Produziert wird übers Internet." > sehr interessant, der Computer soll also Ihrer werten Meinung nach talentfreien und ungeübten Nerds die Möglichkeit geben doch ganz "ordentliche" Musik zu machen? Von welchem Stern sind Sie denn runter gefallen? Ohne Talent, ohne Übung wird keine Musik und nicht mal ganz ordentliche gemacht. Online wird bislang nur rudimentär produziert, bitte achten Sie doch auf eine exakte und genaue Formulierung. Eine gute Recherche sollte sich in Ihrem Berufsfeld von selbst verstehen.
Zu dem Thema Chipmusik empfehle ich mal den Wikipediaeintrag zu lesen http://en.wikipedia.org/w... Den Quark, den Sie dazu verfassen und die totale Inkompetenz Ihrerseits auf diesem Gebiet ist einfach nur langweilig.
Und sollten Sie bis heute noch keine Kraftwerk Retrosperktive gesehen haben, dann bitte ich dies woanders nachzuholen.
Sonst wünsche ich einen guten Tag
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