Cebit 2010 Das intelligente Haus
Eine drahtlose Verbindung zur Familie oder zum Arzt soll älteren Menschen das Leben erleichtern. Doch mehr Sicherheit bedeutet zugleich weniger Freiheit.
Wer kennt das nicht: Eben mal einen Topf Wasser auf die Herdplatte gestellt, dann aber vergessen, dass man sich einen Tee aufbrühen wollte; wenige Minuten später ist die Küche voller Dampf. Oder die Waschmaschine im Keller, die schon seit drei Stunden fertig ist und unentwegt piepst. Oder die Angst, nicht da zu sein, wenn der herzkranken Mutter, die Hunderte Kilometer weit weg wohnt, mal etwas passieren sollte.
Gegen derartige Alltagssorgen sollen künftig Bewegungssensoren, drahtlose Verbindungen in der Wohnung und Mobilgeräte helfen. Damit könne der Mensch sein Umfeld besser im Blick behalten, versprechen die Hersteller auf der Fachmesse Cebit.
Was einst der utopischen Literatur den Beigeschmack des Science-Fiction-Genres verlieh, ist längst Wirklichkeit geworden. Dieser Eindruck schleicht sich zumindest am Stand des Fraunhofer-Instituts in Hannover ein. Unter dem Titel Ambient Assisted Living präsentieren die Forscher des in Darmstadt und Rostock ansässigen Teams für graphische Datenverarbeitung (IGD), wie Technik älteren Menschen in ihrem Alltag hilft: In einer intelligenten, mit Sensoren ausgestatteten Wohnung lässt sich das Licht zum Beispiel ganz einfach vom Sofa aus mit einer bloßen Geste anschalten. Gleichzeitig überwacht das Handy oder ein mit einem Messsystem ausgestatteter Handschuh die körperliche Verfassung.
Ein Bildschirm visualisiert die Daten und Ereignisse des Tages, wobei zusätzlich Bilder von Verwandten und Freunden auf einen digitalen Bilderrahmen überspielt werden. Oma und Opa können also zum Beispiel aktuelle Fotos vom Enkel auf dem Fußballplatz sehen, während dessen Mutter wiederum im Blick hat, wie es den eigenen Eltern geht. Die Idee dahinter fußt auf dem Gedanken sozialer Netzwerke, wie Christian Peter vom Fraunhofer-Institut erläutert: "Wir sind Teil eines europäischen Projekts, in dem es in erster Line darum geht, das soziale Web generationenübergreifend zur Verfügung zu stellen". Der Clou: Man braucht nicht zwingend einen PC.
Es stellt sich allerdings die Frage, ob ein älterer Mensch dazu bereit ist, den ganzen Tag mit einem Datenhandschuh in der Wohnung herumzulaufen. Die meisten Leute dürften das eher als störend empfinden. Andererseits lassen sich Sinn und Zweck der Technologie nicht abstreiten, vor allem nicht vor dem Hintergrund lebensrettender Maßnahmen. Das beweist auch die Unternehmenssparte Robert Bosch Healthcare mit der Kommunikationsplattform Telemedizin Plus: Sie erfasst Vitalparameter, wie Blutdruck, Puls, Gewicht und Sauerstoffsättigung, unterwegs oder in den eigenen vier Wänden, und leitet die Daten per Funk an den behandelnden Arzt weiter.
Um die alltägliche Vernetzung in der Wohnung anzutreiben, haben Hersteller, Energieversorger und Forschungseinrichtungen im Juni 2009 den Verein Connected Living mit Sitz in Berlin gegründet. Dazu gehören unter anderem Cisco, die Deutsche Telekom, Miele und Vattenfall. Weitere Firmen sollen hinzukommen.
Connected-Living-Geschäftsführer Yusuf Özcelik sagte in Hannover: "Wir wurden mit acht Partnern gegründet. Der Anstieg auf 26 Firmen zeigt, wie relevant heute das Thema Heimvernetzung für die Industrie ist." Wichtig ist ein Verbund vor allem daher, um sich auf einen gemeinsamen Standard zu einigen. Denn bis dato existieren überwiegend Insellösungen. Ziel des Vereins ist es demnach, branchenübergreifende Lösungen zu entwickeln.
In Hannover zeigt der Verein zum Beispiel, wie das Haus der Zukunft aussehen könnte. Herzstück ist – anders als zu erwarten – kein Betriebssystem, sondern eine Schaltzentrale, die die Hausbewohner über den Fernsehbildschirm bedienen. Die optisch an eine übersichtlich gestaltete Website erinnernde Plattform verwaltet sämtliche Geräte. "Dabei unterstützen digitale Assistenten den Nutzer in jedem Lebensbereich", erklärt Özcelik. So gehört etwa zum Fitnessraum ein Gesundheitsassistent, der den Trainingsfortschritt aufzeichnet und gegebenenfalls zusätzlich Ernährungstipps gibt. Diese Daten werden dann an die Applikation in der Küche übermittelt.
Einen ähnlichen Ansatz verfolgt derweil Microsoft. Auf der Cebit hat das Unternehmen ein digitales Klassenzimmer innerhalb eines Glaspavillons aufgebaut. "Wir zeigen, wie moderne Technologien dazu beitragen, die Grenzen des herkömmlichen Klassenzimmers zu überwinden", sagt Henrik Tesch, der bei Microsoft das gesellschaftliche Engagement verantwortet. Im Rahmen des Physikunterrichts, in dem ein Lehrer gerade das Thema Astronomie behandelt, ist zum Beispiel eine Schaltung zur Sternwarte auf der kanarischen Insel La Palma möglich. Der dortige Astronom hält dann die Unterrichtsstunde via Videokonferenz.
Anwendungsbeispiele gibt es folglich allerhand. Wie sehr die Ansätze unser Leben in diesem Jahrzehnt durchdringen werden, bleibt allerdings abzuwarten. Von Spielereien sollte man dennoch nicht sprechen. Schon allein deshalb nicht, weil die Technik bereits darauf ausgelegt ist, dem Menschen zusätzlich aufzuzeigen, wo er Strom sparen kann. Und das kommt allen zugute – auch der Umwelt. Oder wollen wir auch damit warten, bis das intelligente Haus von der Stange kommt?
- Datum 06.03.2010 - 15:40 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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25% unserer Mitbürger haben kein DSL oder ähnliches, das ist die Realität. Außerdem ist vieles im Datenverkehr so unsicher, daß man sich gut überlegen sollte, ob man wirklich noch mehr Daten aus dem Leben übertragen sollte. Wo ein Angebot ist, ist der Dieb nicht weit.
Eine weitere Realität ist: ca. 30% der Surfer sind mit veralteten Browsern unterwegs, Internet Explorer 6 z.B. der 10 Jahre alt ist und seit vielen Jahren nicht mehr Sicherheits-unterstützt wird. Es ist nicht weit her mit der allgemeinen Technisierung, von den Freaks abgesehen. Die meisten Menschen wollen es einfacher, nicht komplizierter.
Ich denke, es kommt darauf an, wie einfach und intuitiv die Loesung ist, dann kann auch ein intelligentes Haus eine Hilfe sein.
Die ersten horrorfilme zum thema "Computer-Haus macht sich selbstständig und tötet Bewohner" gab es schon vor jahren. Also ich fönd sowas gruselig und garnicht wünschenswert.
Auf der einen Seite gibt es nicht genug Kita Plätze und auf der anderen Seite wird von ViKo-Anlagen in Klassenzimmern berichtet, die in der Anschaffung weit über 50.000 Euro kosten.
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