Android-Handys Apple fühlt sich von der Konkurrenz beklaut
Der Handyhersteller HTC soll gegen 20 iPhone-Patente verstoßen haben. Apples Klage richtet sich vor allem gegen die wachsende Konkurrenz von Google im mobilen Internet.
© Stephane de Sakutin/AFP/Getty Images

Ein Kernpunkt in Apples Anklage ist die "Multitouch"-Funktion. Der optische Touchscreen ermöglicht zum Beispiel das Vergrößern und Drehen von Bildern mit zwei Fingern
Apple geht gleich an zwei Stellen gegen den taiwanesischen Handy-Produzenten HTC vor: Mit einer Patentklage an einem Bezirksgericht in Delaware und mit einer Beschwerde vor der Internationalen Handelskommission (ITC). Die Maßnahme zielt aber noch auf einen weitaus größeren Wettbewerber: Schaut man sich die Details der Klage an, wird deutlich, dass sich Apple vor allem gegen das Handy-Betriebssystem Android wehrt, das maßgeblich von Google entwickelt wurde.
Dabei kooperierten die Konzerne bislang auf verschiedenen Ebenen. Marktkenner sprachen bislang gar von einem strategischen Bündnis gegen Microsoft: Als Großabnehmer von Laptops mit dem Apfel-Logo dürfte Google der weltweit größte Unternehmenskunde von Apple sein. Und auf Apple-Produkten wie dem Betriebssystem Mac OS X und dem iPhone sind wiederum die Suchdienste von Google voreingestellt.
Das ist nun vorbei. Mit der Klage gegen den weltweit wichtigsten Hersteller von Android-Smartphones, der unter anderem das Google-Handy Nexus One fertigte, hat sich das Verhältnis zwischen Apple und Google in einen zunehmend schärfer ausgetragenen Wettbewerb um die Zukunft des mobilen Internets verwandelt.
So geht es in dem Rechtsstreit um insgesamt 20 Einzelpatente. Sie betreffen die Benutzeroberfläche, die zugrundeliegende Architektur und die Hardware. Eine Kernfunktion, um die es dabei geht, ist "Multitouch". Es ist die Fähigkeit eines berührungsempfindlichen Eingabegeräts, mehr als nur einen Finger zu erkennen. Dadurch lassen sich zum Beispiel Bilder mit zwei Fingern vergrößern oder drehen.*
Googles Smartphone Nexus One kam im Januar 2010 zunächst ohne die Fähigkeit auf den Markt, mit zwei Fingern auf dem Display in ein Dokument hineinzuzoomen. Doch im Februar schaltete Google eine Funktion frei, die der Methode nahezu entspricht. Damit brach Google ein Gentlemen's agreement, mit dem der Konzern Apple zugesagt hatte, die Funktion bei ihren Smartphones nicht zu verwenden.
"Wir können hier sitzen und dabei zusehen, wie die Konkurrenz unsere Produkte stiehlt oder wir tun etwas dagegen. Wir haben uns für Letzteres entschieden", sagt Apple-Chef Steve Jobs. "Konkurrenz ist sicherlich gesund, aber diese sollte ihre eigene Technologie entwickeln, anstatt unsere zu stehlen." Apple hatte das iPhone-Patent beim US-Patentamt am 11. April 2008 eingereicht. Als Erfinder sind Steve Jobs und 24 weitere Personen eingetragen. Im Januar 2009 wurde Apple das Patent von der Behörde zugesprochen.
Das Gericht könnte mit einer Verfügung theoretisch leicht veranlassen, dass HTC gewisse Funktionen und Features aus seinen Smartphones entfernen oder den Verkauf einstellen muss, meint der Harvard Law School-Professor Jonathan Zittrain gegenüber New York Times-Blogger Nick Bilton. Dass das Unternehmen ein Smartphone vollkommen vom Markt nehmen müsse, sei aber unwahrscheinlich.
"Wahrscheinlicher ist, dass das Gericht extrem vorsichtig sein wird, hier einen Unterlassungsbefehl anzustreben", zitiert Bilton den Anwalt Stephen Lieb. "Und noch bevor das geschieht, ist es wahrscheinlicher, dass HTC, oder sogar Google, eine Gegenklage einreichen."
Da Google in der Klage nicht namentlich genannt wird, gibt der Konzern sich – zumindest offiziell – nicht gezielt angegriffen. Gegenüber TechCrunch erklärte ein Sprecher des Konzerns, dass man nicht in den Rechtsstreit zwischen Apple und HTC involviert sei. Gleichzeitig jedoch würde man sich voll und ganz hinter das Android-Betriebssystem und jene Partner stellen, die an der Entwicklung beteiligt waren.
Bei HTC scheint man sich auf rechtliche Probleme bereits eingestellt zu haben. Der Handy-Hersteller hat auf seiner Webseite eine Stelle als Patentanwalt ausgeschrieben – mit Kenntnissen in Mobilfunktechnologie.
Apple selbst steht zurzeit übrigens unter ähnlicher Anklage: Der finnische Handy-Hersteller Nokia wirft Apple vor, insgesamt sieben seiner Patente zu verletzen und fordert einen Verkaufsstopp von Apple-Produkten. Ende Januar hat die ITC entschieden, Nokias Vorwürfen nachzugehen und mit einer Untersuchung begonnen, wie eWeek berichtete.
* Formulierung von der Redaktion geändert
- Datum 04.03.2010 - 10:43 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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"Die Funktion ermöglicht eine Bedienung allein mit den Fingern und somit ohne Eingabestift."
Das ist sachlich nicht richtig.
Multitouch ist das gleichzeitige Bedienen mit 2 Fingern, etwa die Geste zum Vergrößern der Schrift durch auseinander Spreizen zweier Finger auf dem Bildschirm - erstmals auf dem iPhone gezeigt. HTC hat das z.B. auf seinem HD2 implementiert.
Andere Hersteller ermöglichen dieselbe Funktion etwa durch Doppelklick mit einem Finger.
Hat nicht Microsoft mit dem Surfacetable vor Apple Multitouch benutzt? Klagen!
Es mag gut sein, dass Microsoft diese geste vorher verwendet hat, aber Microsofts Surface und Apples Iphone besieren auf unterschiedlichen Technologiene.
Apples Iphone nimmt Fingerbewegungen über Wärme wahr, während Surface Bewegungen optisch wahrnimmt.
Es mag gut sein, dass Microsoft diese geste vorher verwendet hat, aber Microsofts Surface und Apples Iphone besieren auf unterschiedlichen Technologiene.
Apples Iphone nimmt Fingerbewegungen über Wärme wahr, während Surface Bewegungen optisch wahrnimmt.
...Apple glaubt alle sollen sich ihnen beugen.
Zwei Finger zoom finde ich nicht originell genug damit es überhaupt ein Patent wert ist - der Code dahinter vielleicht - nicht die Idee.
Und wenn man ein Fenster per Mausklick vergrößert - das ist doch das gleiche.
Weiterhin patentiert Apple alles nur um nachher klagen zu können...
Oder es werden Produkte gleich mit falschem Marketing verkauft wie das "Chiclet keyboard" - das gab es schon lange vor Apple bei Sony, und noch früher bei einem anderen Hersteller.
Patente dienen immer mehr der Verhinderung von Fortschritt und immer weniger als Innovationsanreiz.
Das krebsartige Wachstum von "geistigen Eigentumsrechten" erschaft und erhält in letzter Instant eben jene Oligopole und Monopole, die an anderer Stelle immer kritisiert werden.
Apple ist da zwar penetranter und rücksichtsloser als die meisten, aber nicht viel.
Google fällt meist eher positiv (oder als unablässiges Ziel neidischer Konkurenten) auf.
Android als eher offene Platform, genau wie Wave sind der richtige Weg im 21. Jahrhundert. Die goldenen Käfige von Apple hingegen sind Venusfliegenfallen für Modemotten.
Daher liebe Frau Aigner, warum nicht mal Apple aufs Korn nehmen? Aber gut, Apple hat, ganz im Gegensatz zu Google, sich nie für ein freies Netz eigesetzt oder ausgesprochen. Apple ist also brav und Google der Feind.
Apples iPhone und das iPad sind eine Vorschau auf das TV 2.0, dass sich viele Firmen und Staaten als Nachfolger des Internets wünschen. Wer weiß denn besser, was die Nutzer sehen und tun dürfen als wohlmeinende multinationale Konzerne? Siche nicht die Nutzer selbst. Das wäre ja ... demokratisch.
Es liegt doch nun mal an der menschlichen Anatomie. Man kann sich doch nicht hinsetzten und prüfen, wie man etwas am effektivsten leistet (Multitouch) und danach sagen, es sei einem als einziger erlaubt, diese Technik zu verwenden? Es hat doch nichts mit der eigentlichen Technik zu tun! Folgendes Beispiel untermauert vielleicht meine These:
Jemand findet heraus, dass der beste Weg, sein Getränk zu verzehren, durch die Bewegung von einem Gefäß zu Munde erfolgt. Nun meldet er ein Patent an. Plötzlich darf keiner mehr Tassen, Gläser oder irgendein anderes Gefäß herstellen, welches dazu verwendet werden kann, Flüssigkeit aufzunehmen. Und das nur, weil jemand das zumundeführen eines Gefäßes patentieren hat lassen.
Ich hoffe ich konnte das Dilemma deutlich da stellen. Es ist etwas schwer das in Worte zu fassen.
Schön wäre mal eine Auflistung der 20 Patentverletzungen.
Wenn man sie sich zum Teil anschaut, weis man, das nur das US Geschäft darunter Fällt. In Deutschland wäre so etwas als Patent nie genehmigt worden. z.B. das Entsperren des Bildschirmes durch wischen mit dem Finger.
Der eigentliche Grund für die klage liegt darin begründet, das Apple Android schlecht machen will, da es dem OSX auf dem iphone bei weitem in Resourcenverbrauch und Leistung hinterherhinkt. Und über dieses kann man nicht nur mit einer einfachen Benutzeroberfläche wie OSX hinwegtäuschen. Android ist ein ernstes Problem für Apple!
Richtig muss es heißen, dass das OSX Android in sachen Leistung, Resourcenverbrauc usw. hinterherhinkt...
Es mag gut sein, dass Microsoft diese geste vorher verwendet hat, aber Microsofts Surface und Apples Iphone besieren auf unterschiedlichen Technologiene.
Apples Iphone nimmt Fingerbewegungen über Wärme wahr, während Surface Bewegungen optisch wahrnimmt.
...heißen diese Bildschirme im Englischen "Capacitive touchscreens" - das hat was mit "Kapazität" zu tun, meines Wissen nach ist das auch so dokumentiert.
Es geht nicht um Wärme oder Druck sonder über dem Bildschirm wird ein elektrisches Feld erzeugt - der Finger stört dieses und darauf "spricht der Bildschirm an".
...heißen diese Bildschirme im Englischen "Capacitive touchscreens" - das hat was mit "Kapazität" zu tun, meines Wissen nach ist das auch so dokumentiert.
Es geht nicht um Wärme oder Druck sonder über dem Bildschirm wird ein elektrisches Feld erzeugt - der Finger stört dieses und darauf "spricht der Bildschirm an".
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