Digital-RadioAuf allen Wellen

Analog, digital, über Funk, Kabel oder Internet – Nie zuvor gab es so viele Wege, Radio zu hören von Kurt Sagatz

Im Auto, mit dem Handy, beim Frühstück, das Radio begleitet viele Menschen durch den ganzen Tag. Rund 30 Sender führt die Medienanstalt Berlin-Brandenburg auf ihrer UKW-Frequenzliste für das Berliner Stadtgebiet. Doch dies ist nur ein kleiner Ausschnitt, denn es gibt kein Medium mit so vielen Verbreitungswegen wie das Radio. Ob über Funk, Kabel, Satellit oder Internet, ob analog oder digital, in den meisten Haushalten steht eine Vielzahl von Empfangsmöglichkeiten zur Verfügung. Man muss sie nur einschalten.

Webradio: von Pop bis Country

Das Internetradio kombiniert die Vorzüge des lokalen UKW-Empfangs mit der Reichweite eines Weltempfängers. Kaum ein etablierter Radiosender verzichtet auf den Live-Stream ins Netz. Zugleich ist das Internet ein Spielwiese junger Radiomacher, wobei der Anteil der Wortbeiträge – falls überhaupt vorhanden – sehr gering ist. Die Stiftung Warentest lobt vor allem die Vielfalt des Angebots, das von japanischem Punkrock über brasilianische Samba und Popmusik aus dem Kongo bis zu Country aus den Südstaaten der USA reicht.

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DRadio Wissen - ein Experiment

Seit vier Monaten ist mit DRadio Wissen ein öffentlich-rechtliches Digitalradio auf Sendung. Der eher für jüngere Zielgruppen konzipierte Informationssender ist neben Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur das dritte Vollprogramm des Deutschlandradios und ausschließlich digital über Kabel, Satellit, DAB, Web-Radios oder direkt im Internet zu empfangen.

Programm

Tagsüber bringt DRadio Wissen viertelstündig Nachrichten, abwechselnd aus dem Tagesgeschehen und dem Bereich Wissenschaft. Dazu 15-Minute-Blöcke mit Themen wie "Medien" (Kommunikation und Web) oder "Globus" (Auslandsreportagen.

ZEIT ONLINE kooperiert mit dem Sender und hat eine Sendung zum Thema Internet namens ZEIT ONLINE TALK, die Samstags zwischen 11 und 12 ausgestrahlt wird.

Hörer

Genaue Nutzerzahlen kann das neue Radio laut Redaktionsleiter Ralf Müller-Schmid noch nicht liefern. Ein Digitalradio ist relativ schlecht zu quantifizieren, anders als bei den Mediaanalysen die Verbreitung der analogen Sender. Fest steht: "Wir zählen gut eine Million Stream-Zugriffe im Monat." Wie kann man das lineare Radioprogramm mit interaktiven Medien verknüpfen? Der Sog in die sozialen Netzwerke sei immens, sagt Müller-Schmid. DRadio Wissen ist bei Twitter dabei, demnächst wohl auch bei Facebook. Man geht davon aus, dass die Website wissen.dradio.de der zentrale Verbreitungsweg ist. "Digitale Empfangsgeräte sind eben noch nicht massenhaft in Küchen oder Autos zu finden."

Zum Einstieg reicht ein Internetcomputer mit Breitbandflatrate aus. Webseiten wie Radio.de , Liveradio.de oder Surfmusik.de sortieren das mehrere tausend Sender umfassende Angebot unter anderem nach Genres und Ländern. Für lüfterloses Radiovergnügen eignen sich spezielle Internet-Radioempfänger wie zum Beispiel die Noxon-Serie von Terratec oder Empfänger wie der Muvid IR 815 (auch UKW und DAB/DAB+), der DNT IPdio Tune und vergleichbare Geräte von Philips, Logitech oder Freecom. Die Preise liegen zwischen 100 und 200 Euro.

Radio über den TV-Zungang

Zu wenig Sender? Schlechter Empfang? Über DVB-T, das TV-Kabel oder Satellit wird eine Vielzahl von Radioprogrammen ausgestrahlt. Mit dem digitalen Antennenfernsehen kann in Berlin unter anderem Spreeradio , Radio 104.6 RTL oder Radio horeb gehört werden. Entweder wird das Radioprogramm über den Fernseher abgespielt oder man verbindet den DVB-T-Empfänger mit der Stereoanlage. Astra strahlt über sein Satellitensystem 146 gebührenfreie Radiosender digital aus. Analog sind es allerdings gerade noch 15.

Leserkommentare
  1. Ich denke, die Gründe für die zurückhaltende Nachfrage nach digitalem Hörfunk sind genannt: Dem erforderlichen Aufwand steht ein zu geringer Zusatznutzen gegenüber (ich sehe auch keinen Grund, mir dafür neue Empfänger zuzulegen).

  2. Wenn der Empfang mal schlecht ist, fängt digitales Radio an zu ruckeln und zu springen, während analoges Radio nur rauscht. Letzteres ist mir lieber.

  3. 1.) ach, gäbe es nur einen Standard, für den man sich einigt. Doch konkurieren gleich mehrere Formate um die Vorherrschaft. Solange die Anbieter und Gerätehersteller sich nicht einig sind, kann man beim Hörer/Käufer keine Akzeptanz erwarten.
    2.) digital bedeutet auch: flexibel. Doch bringen derzeitige Empfänger keine Möglichkeit eines Updates mit. Die Angst der Käufer: steigen die Anstalten in wenigen Jahren auf ein anderes Verfahren um, ist ein Neukauf angesagt. Hier trumpft die gute alte Zeit: Grossvaters Dampfradio funktioniert noch heute.
    3.) Radio ist oft Hintergrunddudel in einer lauten Umgebung. Was nutzt kristallklarer Klang aus dem Lautsprecher, wenn auf der rechten Spur ein LKW fährt?
    4.) Bei manchen Verfahren (z.B. DRM) herrschen Ängste vor einer Zensur. Was, wenn in einem Land nur Empfänger zugelassen werden, die das im Nachbarland verwendete Verfahren nicht beherrschen? Die PAL - SECAM Inkompatiblität aus dem kalten Krieg wirken vor diesem Hintergrund wie Sandkastenspielchen.

    Anders als im Hochfrequenzbereich sieht das beim Streaming aus: hier haben sich im Wesentlichen 4 Verfahren etabliert. Die Software ist austauschbar, gehört wird in den (ruhigen) eigenen vier Wänden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
  • Schlagworte Country | DVB-T | Philips | Sender | Stiftung Warentest | Kongo
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