Anti-BP-Kampagnen Die Sprache der Ölpest

Satire und Fakten gegen aggressive PR: In Blogs und sozialen Netzwerken stellen Nutzer und Umweltschützer BP an den Pranger. Ein Abbild der Ölpest im Netz.

Bilder, wie sie BP ganz gerne herausgibt: ein weißer Strand, der lediglich von ein paar braunen Klumpen gereinigt werden muss. Alles halb so schlimm

Bilder, wie sie BP ganz gerne herausgibt: ein weißer Strand, der lediglich von ein paar braunen Klumpen gereinigt werden muss. Alles halb so schlimm

Es hat Jahre gedauert bis sich BP ein Image als grüner Konzern verpasst hatte. Beyond petroleum lautete der Werbeslogan vor einigen Jahren, "über Erdöl hinaus". Das grüne Sonnenrad wurde zum Logo und symbolisierte ein Unternehmen, das sich für Wind- und Solarenergie stark macht. In Comic-Werbespots schickte die Marketingabteilung Kinder mit Schnuller und Teddybär im Arm in Autos durch eine grüngelb eingefärbte Wohlfühllandschaft . Halt machten die Kleinen nur an BP-Tankstellen, wo eine pfeifende Zapfsäule Sprit spendete, damit die Fahrt dem einladenden Sonnenlogo am Horizont entgegen nicht vorzeitig endete.

Dieses trügerische Selbstbild ist nun endgültig dahin, die Ölpest im Golf von Mexiko ist ein Desaster für Natur und Umwelt und nicht zuletzt für das Unternehmen BP . Das Image des gierigen und rücksichtslosen Ölmultis wird nach dem heftig kritisierten Katastrophenmanagement am Konzern haften bleiben. Wer glaubt noch dem BP-Chef Tony Hayward, dem man nachsagt, er zitiere gerne Winston Churchill, jenen britischen Staatsmann, der sein Land eisern durch den zweiten Weltkrieg führte? Hayward selbst befindet sich seit dem 20. April 2010 in einem "Krieg", nicht nur gegen das Öl, das man ja im Griff habe und von dem man "jeden Tropfen" beseitigen werde. Haywards Kampf gilt den Medien, den Umweltschützern und womöglich der Wahrheit.

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Dieser fiktive Werbespot stammtaus der Schmiede der Sketch-Comedians des Second City Networks

Kein Wunder also, dass sich auch in zahlreichen Blogs, in Foren, sozialen Netzwerken und Social Media-Plattformen Tausende Nutzer zu Wort melden. Auf Facebook gibt es Boykottaufrufe gegen BP . Auch in Deutschland kommen immer mehr Leute dahinter, dass der Konzern mit der Marke Aral auch hierzulande vertreten ist.

Satire auf Twitter
Der Account von BPGlobalPR

Der Account von BPGlobalPR

Das bislang berühmteste Beispiel für eine Anti-BP-Kampagne ist die Satire-Aktion einer Person, die sich selbst Leroy Stick nennt . Mit dem Kurzmitteilungsdienst Twitter verschickt Stick Meldungen über den Account BPGlobalPR . Hier ahmt er die PR-Sprache von BP nach und macht makabere Scherze über die Ölpest. Noch hat sich BP juristisch nicht dagegen gewehrt.

Mehr als 140.000 Twitter-Nutzer verfolgen die Nachrichten des Satirikers inzwischen – ein enormer Erfolg. Der offizielle Twitterfeed von BP hat dagegen nur knapp 12.500 Follower. Über diesen Kanal setzt das Unternehmen vor allem good news ab und meldet etwa den Besuch von Reportern des US-Senders CNN in der Ölpest-Kommandozentrale: " Take a look inside the Command Center as this diverse team works together 24/7 to respond to the oil spill ."

Leser-Kommentare
  1. natürlich primär mal wohin die Mrd. an Profiten hingeschoben werden und warum davon beinahe nicht's in den Förderländern (speziell in der dritten Welt) übrigbleibt. Aber was noch wesentlicher ist, ist die Tatsache das es sich schleichend etabliert das gewisse Proteste in den Sozialen Netzwerken als eine Art Demokratieersatz angesehen werden und dies durch die Mediena uch noch gefördert wird. Es geht hier also darum der konstanten eliminierung Demokratischer Strukturen zu Gunsten einiger weniger regelbefreiter Individuen und damit auch Konzernen mehr oder weniger passiv hinzunehmen. Anstatt dessen verlagert sich die Demokratie angeblich in's Internet wo man am Ende doch nur Bittsteller ist und sich in grundsätzlich Regel- und Verpflichungsfreien Räumen orientiert. Das gleiche gilt grundsätzlich f Konsumentscheidungen welche die Unternehmen zu irgend welchen Handlungen zwingen sollen und mit diesem neuen Selbstverständis eine Art von Demokratie vorgeben wo eben keine mehr ist. Sozialen Bewegungen die sich aus dem Internet ergeben fehlt die konsequente Anbindung an vorhandene Demokratische System komplett. Dies könnte u.a. damit erbracht werden indem für jedes EU Land offizielle Portale aufgebaut werden (wie üblich in alle Sprachen übersetzt werden) in welchen Initiativen publiziert werden mit der gleichzeitigen Möglichkeit der Europaweiten aber mindestens Nationalen Stimmabgabe. Dies einhergehend mit für die Politik bindenden Massnahmen die in Gesetze gewandelt werden müssen.

  2. 2. ...

    Aufgrund eines Doppelpostings gelöscht. Die Redaktion/fk.

    • iawdw
    • 09.06.2010 um 20:00 Uhr

    Vielen Dank fuer den spannenden Beitrag.
    Gleich werde ich ein wenig durch den braunen Schlick surfen.

    Aber Sie haben beim Ubersetzen auf der zweiten Seite leider den Witz des Greenpeace-Plakats kaputt gemacht, es fehlt naemlich ein "nicht" in der Satzmitte.

  3. ...in der Vergangenheit durch überzogene Reaktionen ein Glaubwürdigkeitsproblem eingehandelt hätten, könnten sie in dieser tatsächlichen Krise mehr bewegen und wären nicht so leicht als Spinner abzutun.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Buh
    • 10.06.2010 um 2:11 Uhr

    ...Beispiele für ihre arrogante Aussage? Greanpeace ist eine unglaublich wichtige Organisation der wir alle viel zu verdanken haben.

    Aufgeblasen, arrogant und bürokratisch dient sie den Interessen weniger Priviligierter. Das gutgläubige Zahlvolk finanziert mit ihren Beiträgen absurde Kampangnen und die Egotrips von Berufsumweltschützern.

    Alles ist ähnelt der deutschen Parteienlandschaft mit ihren Wahlversprechen, der Postenschieberei, ihren von der Wirklichkeit abgekoppelten Berufspolitikern usw. usf.

    • Buh
    • 10.06.2010 um 2:11 Uhr

    ...Beispiele für ihre arrogante Aussage? Greanpeace ist eine unglaublich wichtige Organisation der wir alle viel zu verdanken haben.

    Aufgeblasen, arrogant und bürokratisch dient sie den Interessen weniger Priviligierter. Das gutgläubige Zahlvolk finanziert mit ihren Beiträgen absurde Kampangnen und die Egotrips von Berufsumweltschützern.

    Alles ist ähnelt der deutschen Parteienlandschaft mit ihren Wahlversprechen, der Postenschieberei, ihren von der Wirklichkeit abgekoppelten Berufspolitikern usw. usf.

    • Buh
    • 10.06.2010 um 2:11 Uhr

    damit andere Dreckssäcke wie betreiber von Atomkraftwerken verstehen, dass Sicherheitslücken zugunsten von Profit auch ihre eigene finanzielle Existenz bedroht.

    Ich finde die ganzena Aktionen prima und bin froh dass sich die meisten Menschen nicht von der Rethorik dieser Profiteure udn Umweltverpester sowie Massenmörder der Tiere beeindrucken lassen.

    • Buh
    • 10.06.2010 um 2:11 Uhr

    ...Beispiele für ihre arrogante Aussage? Greanpeace ist eine unglaublich wichtige Organisation der wir alle viel zu verdanken haben.

    • tasat
    • 11.06.2010 um 0:50 Uhr

    ... muss ich meinerseits zugeben, dass ich Greenpeace fuer eine fragwuerdige Organisation halte. Und zwar ganz klar wegen der Prioritaetensetzung. Waehrend in Afrika Menschen verhungern, investieren diese Leute mehrere Wochen Planung und Arbeit, nur um ein paar Huehner aus den Legestaetten zu befreien. Jetzt in der "Oelkrise" ist es natuerlich klar, dass die mitziehen, wenn auch meiner Meinung nach viel zu spaet, um Ernst genommen zu werden.
    Desweiteren sind die Sicherheitsstandarts fuer das Betreiben von Atomkraftwerken in Deutschland sicher nicht zu Vergleichen mit dem Vorfall bei BP. Bevor jetzt wieder Tschernobyl herausgekramt wird, moechte ich darauf hinweisen, dass selbst in Tschernobyl nicht viel passiert waere, wenn die Russen nicht so geil nach waffenfaehigem Plutonium gewesen waeren und das Graphit weggelassen haetten. Dadurch wurde es sehr schwer beim Brand das Feuer zu loeschen, sodass sich die radioaktiv versuchte Rauchwolke ueber Europa ausbreiten konnte. Das einzig wirklich problematische bei Atomkraft ist die Entsorgung. Die erneuerbaren Energien sind momentan von dem Wirkungsgrad her ein Witz. Bevor ganz Deutschland nicht von Windkraftwerken zugepflastert wird, oder man wieder komplett auf Kohlekraft umsteigt wird der Atomausstieg noch ne Weile auf sich warten lassen. Und selbst da werden sich wohl mehr als 50% der Bevoelkerung beschweren.

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