Internetkriminalität : Kampf gegen die Botnetze

Bots werden auf fremden Computern eingeschleust und übernehmen dort die Kontrolle. Jetzt soll ein von der Regierung unterstütztes Angebot helfen, das zu verhindern.

Jeder siebte Computer mit Internetanschluss ist betroffen: Kriminelle schleusen mithilfe von Internetseiten oder E-Mails Programme auf Rechnern ein, um damit die Kontrolle über die Computer zu übernehmen. Die werden so Teil sogenannter Botnetze und beispielsweise für das Versenden von Spam missbraucht . Die Benutzer merken davon meist nichts.

Nun bietet eine zentrale Anlaufstelle Hilfe. Ein von der Bundesregierung unterstütztes Angebot soll Betroffenen Anleitung geben, um sich gegen die Schadprogramme zu wehren. Das teilte der Internetwirtschaftsverband eco am Mittwoch mit. Das neue Anti-Botnet-Beratungszentrum ist ein neuer Ansatz, um die Zahl der infizierten Rechner zu verringern.

Hinter dem Beratungszentrum stehen die deutsche Internetwirtschaft – darunter Anbieter wie die Telekom und 1&1 sowie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Bundesinnenministerium. Die teilnehmenden Internetunternehmen stehen für 70 Prozent der schnellen Internetanschlüsse in Deutschland oder insgesamt 18 Millionen Kunden.

Botnetze nutzen die geballte Rechenkraft von abertausenden gekaperten Computern etwa zum Versand von Spam-E-Mails oder für Angriffe über das Internet auf Unternehmen oder sogar auf Staaten. Der Wortbestandteil "Bot" kommt von Roboter und soll ausdrücken, dass ein Computer ferngesteuert wird.

Ein wichtiger Teil der Kampagne ist die aktive Suche nach infizierten Rechnern. Das übernehmen die Internetprovider. Sie scannen das Netz nach verdächtigen Websites, von denen aus Attacken gestartet werden und verfolgen dann, welche Computer daran beteiligt waren. Dank der IP-Adressen können sie recherchieren, ob ein solcher Computer einem ihrer Kunden gehört. Und diesen dann darüber informieren. Sind Computer mit einem Botnetz-Programm infiziert, werden Nutzer von ihren Internetanbietern künftig per E-Mail oder auch per Brief informiert.

Vor allem sollen sie so dazu angehalten werden, sich selbst zu helfen. Auf der Internetseite der Beratungsstelle können sich Verbraucher dann informieren und spezielle Software herunterladen, um ihre Computer von den Bots zu befreien. Gelingt das nicht, gibt es eine kostenlose und anonyme telefonische Beratung, oder es wird ihnen ein Datenträger mit Hilfsprogrammen geschickt.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte die bislang nicht teilnehmenden Internetanbietern auf, sich an dem Projekt zu beteiligen. Botnetze seien "aktuell die größte Gefährdung für das Internet", sagte der Minister. Deswegen sei eine "möglichst flächendeckende Beteiligung" der Anbieter nötig. Aber auch betroffene Internetnutzer müssten "ihrem Teil der Verantwortung gerecht werden" und das Hilfsangebot des Beratungszentrums nutzen, forderte de Maizière.

In Australien, Kanada, Japan, Südkorea und den Niederlanden gibt es bereits vergleichbare erfolgreiche Initiativen gegen Botnetze.

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Problem erkannt

Jaja, so ist es meist.
Das Problem sitzt vor der Tastatur. Wer jeden Link, der per Email ankommt, anklicken muß, ist halt selbst Schuld an der Verseuchung.
Am lustigsten ist es immer bei der Virenjagd auf Rechnern von Bekannten und Verwandten die dummen Gesichter zu sehen, wenn man im BrowserCache die vielen PornoSites aufstöbert, die in den letzten Tagen aufgerufen worden sind.

Staat und Telekom

arbeiten Hand in Hand, um unsere Rechner zu schützen. Selbstverständlich werden wird nur nach Schadprogrammen gesucht. Liegt dem Rundumsorglospaket denn auch ein kostenloser Bundestrojaner bei?
Man sehe mir bitte die Ironie nach, aber nach allem was sich Telekom und Bund in Sachen Datenschutz leisten, bin ich eher bereit zu akzeptieren, dass meine Software ein Schadprogramm übersieht, als dass ich diesem "Haufen" auch noch Tür und Tor öffne.

Regierungslösungen...

...im IT Bereich gehen oft am Problem vorbei oder sind am Ende wirkungslos.

Und wenn jetzt Anbieter IP Adressen durchleuchten (dürfen die das Überhaupt? Das wäre für mich wie eine aktive Überwachung meiner Telefonverbindungen) dann werden Botnetze halt Proxies nutzen um bei ihrem Auftraggeber anzufragen.

Es wäre vielleicht sinnvoller wenn Leute vernünftige Antivirensoftware installieren würden - die findet zwar auch nicht alles, aber wäre ein guter Anfang - und yarx in Kommentar 1 hat ein weiteres Problem auch schon angesprochen: Wenn Nutzer jeden Blödsinn anklicken nützt die größte Belehrung nichts.

Und wer sich über Antivirensoftware informieren möchte - auch englisch gibt es hier viele Informationen:
http://www.av-comparative...
Kostenfrei ist Microsoft Security Essentials zu empfehlen.

Wichtiger als Schnickschnack a la Webfilter, Firewall etc. ist die Tatsächliche Detektionsrate der Software - McAffee was gerne bei vielen Computern mitgeliefert wird sollte nach dem aktuellsten Vergleich eher gemieden werden:
http://www.av-comparative...