Die schwedische Staatsanwaltschaft will den Gründer von Wikileaks, der Internetplattform für Enthüllungen , Julian Assange, wegen Verdachts auf Vergewaltigung festnehmen lassen. Nach der Entscheidung der Gerichtskammer in Stockholm muss der Australier jetzt auch mit der Festnahme in anderen Ländern rechnen: Die zuständige Staatsanwältin Marianne Ny kündigte eine internationale Fahndung an. Assanges derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt.

Die Vorwürfe gegen Assange waren erstmals im August laut geworden. Zwei Frauen hatten sich bei der schwedischen Polizei gemeldet und ihn der Vergewaltigung und Belästigung beschuldigt. Daraufhin beantragte am 20. August ein Staatsanwalt Haftbefehl gegen Assange, zog den Antrag aber nur wenige Stunden später zurück .

Am 1. September eröffnete Ny ein neues Ermittlungsverfahren gegen Assange. Die Staatsanwältin verzichtete zunächst auf einen Haftbefehl und gestattete es dem Australier, Schweden zu verlassen. Im Oktober verweigerten die schwedischen Behörden Assange eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.

Sein schwedischer Anwalt Björn Hurtig sagte zu dem neuen Haftbefehl in der Zeitung Expressen : "Das ist vernichtend für ihn und seine Aktivitäten. Dieser Mann arbeitet global und wird hier fälschlich einer Vergewaltigung bezichtigt. Das schadet ihm und seinem Namen gewaltig." In einer schriftlichen Erklärung aus London warf sein britischer Anwalt Mark Stephens den schwedischen Behörden vor, nicht ein einziges Mal Kontakt zu Assange aufgenommen zu haben. Dieser habe mehrfach seine Bereitschaft zu Verhören in Schweden sowie in Großbritannien bekundet.

Nach Bekanntwerden der Anschuldigungen hatten Wikileaks-Mitarbeiter Assange den Rückzug aus der Organisation nahegelegt, bis die Vorwürfe ausgeräumt seien. Assange wies alle Vorwürfe zurück und bezeichnete sie als Teil eines vom US-Verteidigungsministerium gesteuerten Komplotts gegen ihn.

Wikileaks versteht sich als Plattform für die anonyme Veröffentlichung brisanter Geheimdokumente im Internet , um auf diese Weise Missstände aufzudecken. Ende Juli hatte Wikileaks Zehntausende Geheimdokumente zum Nato-Einsatz in Afghanistan öffentlich gemacht. Ende Oktober sorgte Wikileaks weltweit für Aufsehen, als es fast 400.000 Geheimdokumente zum Irak-Krieg veröffentlichte. Aus ihnen geht unter anderem hervor, dass die US-Armee von Folterungen von Gefangenen durch irakische Sicherheitskräfte wusste, aber nicht einschritt.