Amazon ist längst mehr als ein Buchhändler. Das meint nicht, dass Amazon inzwischen auch elektrische Zahnbürsten, Sexspielzeug oder Rasenmäher verkauft. Gemeint ist, dass Amazon Bücher neuerdings nicht nur verkauft, sondern sie auch selbst verlegt.

AmazonCrossing heißt das Programm, das seit dem vergangenen Jahr zum Unternehmen gehört. Dabei wählt Amazon Bücher aus dem internationalen Angebot, und lässt sie für den englischsprachigen Markt übersetzen. Bei der Auswahl greift Amazon unter anderem auf die Rezensionen von Nutzern zurück.

Die so entstandenen Bücher gibt es als Paperback bei Amazon, aber auch bei unabhängigen Buchläden im nationalen Handel. Oder gleich als digitale Ausgabe im Kindle-Store .

Bislang wurden acht Bücher verlegt, weitere sind für den späten Frühling beziehungsweise Sommer geplant: Farewell von Eric Raynaud und Sergei Kostin zum Beispiel, Field Work in Ukrainian Sex der ukrainischen Autorin Oksana Zabuzhko und beispielsweise auch The Secret of the Water Knight und This Brave Balance von Rusalka Reh, einer deutschen Autorin. Von ihr erschien im vergangenen Dezember unter dem AmazonCrossing-Label bereits der laut Beschreibung "magische Kinderkrimi" Pizzicato . Offensichtlich war die Zusammenarbeit zufriedenstellend für Verlag, Amazon und Autorin.

Verlage haben offensichtlich kein Problem mit dem neuen Konkurrenten. "Wir sehen AmazonCrossing als ganz normalen Verlag, auch wenn er sich aus einem Online-Buchhändler entwickelt hat. Wir waren und sind sehr froh, daß sich AmazonCrossing so dafür einsetzt, internationaler Literatur auf dem englischen Markt eine Chance zu geben," heißt es dazu aus der Lizenzabteiliung des Deutschen Taschenbuch Verlags (DTV) aus München.

DTV-Autorin Dora Heldt lieferte zum Beispiel die Vorlage für den demnächst erscheinenden Titel: Life After Forty . Auch Bücher von Jutta Profijt und Kristina Dunker hat DTV an Amazon verkauft. Derzeit mache man die Verträge für Thomas Glavinic und Dörthe Binker, heißt es.

"Bekannterweise haben es deutsche Bücher sehr schwer, auf dem englischen Markt Fuß zu fassen, daher haben wir uns über das Angebot und die Möglichkeit sehr gefreut", lautet die Erklärung aus dem deutschen Verlag. Er ist auch nicht allein mit dieser Meinung. Auch die Autorinnen und Autoren, mit denen man darüber gesprochen habe, hätten das so aufgefasst – als Chance, auch in der englischsprachigen Welt wahrgenommen zu werden.

Bis auf eines sind bislang alle Crossing-Bücher in englischer Sprache erschienen, lediglich I'm a Box von Natalia Carrero hat es zu einer spanischen Übersetzung gebracht.