Meine Art zu Schreiben und mein Stil haben sich in den letzten Jahren sehr geändert. Habe ich früher Notizen in Kladden gemacht, zum Teil in sehr kleinen Formaten für unterwegs, so schreibe ich heute, falls möglich, direkt am Computer. Das müsste ja nicht zwingend ein großer Unterschied sein. Für mich ist es aber ein gewaltiger Unterschied.

Die handgeschriebenen Zeilen sind quasi kontemplativer Herkunft, konnten in Ruhe nachgelesen und x-mal korrigiert werden und wurden nicht selten über Nacht stark gekürzt oder verändert, zuweilen auch eliminiert. Am Morgen lesen sich Texte unter Umständen anders als am Abend zuvor. Natürlich ist das jetzt noch möglich. Es soll ja auch noch einige Schriftsteller geben, die auf einer Olympia tippen, den Bogen aus der Schreibmaschine ziehen und ihn zusammengeknüllt in den realen Papierkorb werfen.

Im Netz gibt es Blogs und geschriebene Gedanken, Lichtblicke und Geistesblitze von großer literarischer Qualität. Wem es ernst damit ist, die Welt verstehen zu wollen, dem dürfte keiner dieser Blogs entgehen; jeder einzelne wäre es wert, Aufmerksamkeit zu bekommen.
Frank Schirrmacher, "Payback", S. 61

Mein Schreiben am Computer ist anders, zum Beispiel wenn ich einen Leserkommentar verfasse. Reflexartig schreibe ich meine Überlegungen und Gedanken direkt am Bildschirm. Nicht kontemplativ, sondern schnell – manchmal vielleicht zu schnell. Kein anderer User soll meine Ideen antizipieren können. Hinterher bereue ich manchmal, nicht noch einmal Korrektur gelesen zu haben oder an der einen oder anderen Stelle nicht doch noch einmal nachgedacht zu haben. Zu spät; ein Kommentar lässt sich nicht mehr korrigieren. Und die Redaktion immer wieder um entsprechende Korrekturen zu bitten, wird den Online-Redakteuren lästig. Mir wäre es jedenfalls peinlich.

Schreibe ich einen Artikel am Computer, geschieht dies spontaner als früher. Auch hier habe ich das Gefühl, mein Schreiben habe sich verändert. Kaum noch schlage ich im Duden oder im Lexikon nach. Schnell bei Wikipedia nachgeschaut oder gegoogelt – das muss reichen. Aber reicht das wirklich? Oder bemerken die Leser meine Flüchtigkeit?