Das Auswärtige Amt in Berlin © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Das Auswärtige Amt, das einst Vorreiter bei der Linux-Verwendung war, hat eine Kehrtwende verkündet. Der 2002 vollzogene Umstieg der hauseigenen Informationstechnik weg von proprietären Lösungen hin zu den kostenfreien Programmen aus dem Open-Source-Bereich wird rückgängig gemacht. Nach und nach werden noch in diesem Jahr alle Rechner wieder mit Software von Microsoft ausgestattet.

Die Free Software Foundation bewertet die Umkehr als "widersprüchlich " und kritisiert vor allem die Erläuterung der Bundesregierung für das Vorgehen. Die hatte auf eine Kleine Anfrage der Grünen geantwortet, dass das Auswärtigen Amt nicht von seiner bisherigen IT-Strategie abweiche . Quelloffene Software werde auch weiter dort eingesetzt, "wo dies technologisch und wirtschaftlich sinnvoll ist", hatte die Bundesregierung geschrieben. Lediglich die Arbeitsplatzrechner würden nun auf Windows 7 umgestellt. Im Übrigen habe eine interne Studie des Amtes ergeben, dass keine Strategie "(Microsoft, Mischform, Open Source)" überlegen sei.

Als Ursache der Umstellung nennt die Bundesregierung "erhebliche Beschwerden der Nutzer hinsichtlich Bedienbarkeit, Anwenderfreundlichkeit, fehlender Integration und mangelhafter Interoperabilität". Diese Probleme hätten mit quelloffener Software "nicht zufriedenstellend gelöst werden können".

Die Antwort zeige, erklärte daraufhin Matthias Kirschner, Deutschlandkoordinator der Free Software Foundation Europe (FSFE), "dass die Bundesregierung entweder wichtige Aspekte Freier Software nicht verstanden hat, oder dass die Regierung hier bewusst Freie Software im Allgemeinen und Freie Software-Unternehmen attackiert".

Auch die Grünen, die die Anfrage gestartet hatten, zeigten sich von der Antwort verwirrt. Konstantin von Notz, Medienpolitischer Sprecher der Grünen, schreibt in einem Blogpost dazu : "Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Antworten der Bundesregierung auf die von uns gestellten Fragen muten teilweise bizarr an." So sei nicht nachvollziehbar, warum das Auswärtige Amt weiterhin für alle umgestellten Rechner die Microsoft-Lizenzen bezahlt und die Schulungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unverändert durchgeführt habe, schreibt von Notz.

Die Bundesregierung hatte dazu erklärt, dass Dual-Boot-Lösungen nötig gewesen seien. Daher habe man die Windows-Lizenzkosten nicht einsparen können. Insgesamt seien außerdem die Kosten beim Einsatz quelloffener Software deutlich höher, heißt es in dem Bericht. Das liege vor allem daran, dass auch bei den Open-Source-Programmen regelmäßige Updates notwendig seien. Daneben verursache Windows deutlich weniger Schulungs- und Entwicklungsaufwand.

Der Journalist Markus Feilner merkt im Linux Magazin zu den kritisierten Kosten unter anderem an: "Warum allerdings die neuen Windows-7-Lizenzen kostenlos sein sollen, erschließt sich dem Leser nicht. Das Argument, Hardware für Linux sei teurer, klingt nach der Frühzeit von Linux, nicht nach dem derzeitigen technischen Stand."

Schon im Februar diesen Jahres hatte die Süddeutsche Zeitung von einem hausinternen Rundschreiben des IT-Chefs des Auswärtigen Amtes, Michael Groß, erfahren. Darin soll es unter anderem geheißen haben, das Außenministerium sei mit seiner Software-Strategie in der Bundesregierung allein geblieben. "Die Hausleitung hat daher im August 2010 die Entscheidung getroffen, dass wir bei den Arbeitsplatzrechnern wieder zu einem Microsoft-Windows-Ansatz schwenken." Es würden daher "2011 jene Arbeitseinheiten der Zentrale und Auslandsvertretungen, die derzeit mit Linux arbeiten, wieder auf das vertraute Windows-XP-Betriebssystem" umgestellt.