Hacker-Angriff Tatort Anrufbeantworter
Telefonate nach Estland, Somalia, Malediven – Hacker haben sich in Telefonanlagen deutscher Firmen geschlichen und Hunderttausende Euro vertelefoniert. Auch Privatpersonen können Angriffe drohen.
Eine Telefonrechnung in Höhe von 18.000 Euro ist eine böse Überraschung, selbst für ein großes Unternehmen. Eine Firma im Landkreis Neu-Ulm bekam eine solch hohe Rechnung und wunderte sich ziemlich, vor allem weil unter den Einzelverbindungen Telefonate nach Sierra Leone, Simbabwe und Mauritius gelistet waren. Der Betrieb im Schwabenland ist nicht allein – Telefonhacker haben in den vergangenen Wochen mehrere Unternehmen in Süddeutschland angegriffen und teure Telefonate in alle Welt geführt. Der Schaden geht laut Polizeidirektion Bayern in die Hunderttausende.
Die Hacker gehen immer nach der gleichen Methode vor: Sie suchen nach Unternehmen, deren Telefonanlage eine sogenannte integrierte Voicemail-Funktion besitzen, also einen Anrufbeantworter. Da viele Besitzer solcher Anlagen die Standard-PIN des Anrufbeantworters nicht ändern, diese PINs gleichzeitig aber im Netz kursieren, sind sie wie eine offene Tür. Über das Gerät haben die Hacker Zugriff auf das Telefonsystem, können die PIN ändern, Anrufweiterleitungen einrichten und danach aus der Ferne über diese Anlage telefonieren. Zumindest bis das Unternehmen die nächste Telefonrechnung bekommt und den Betrug entdeckt.
In den bekannt gewordenen Fällen haben die Täter Hunderte von Telefonaten weltweit geführt, darunter auch zu kostenpflichtigen Diensten. In mehreren Landkreisen in Süddeutschland sind bereits Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.
"Wenn Firmen das Standardpasswort des Herstellers nicht ändern, ist es ein Kinderspiel für Hacker, in die Telefonanlagen zu gelangen", sagt Thorsten Ewald von der Ulmer Akademie für Datenschutz und IT-Sicherheit. Unternehmen rät er, sich mit der eigenen Telefonanlage vertraut zu machen und ein möglichst langes und komplexes Passwort zu vergeben. Denn wenn ein Hacker erst einmal in der Anlage ist, hat er freie Bahn. Dann bringe es auch nichts, kostenpflichtige Mehrwertdienste gesperrt zu haben, sagt Ewald: "Der Hacker programmiert die Anlage einfach wieder um."
Betroffen sind deutschlandweit nicht nur Unternehmen, Hacker haben sich auch schon in Telefone von Privatpersonen und Behörden eingeschleust. Die Täter hätten dabei zum Teil automatisiert über Computer telefoniert, eine Rückverfolgung sei bislang nicht gelungen, sagt Alexander Resch vom Polizeipräsidium Schwaben Süd/West. "Die Ermittlungen gestalten sich schwierig."
Zumindest in einigen Fällen mussten die Unternehmen die Telefonrechnung tatsächlich bezahlen, trotz des offensichtlichen Betruges. Denn die Hersteller der Telefonanlagen lehnen eine Verantwortung ab und verweisen auf die Bedienungsanleitung. Dort sei schließlich empfohlen, die PIN zu ändern. "Grundsätzlich können wir die Forderungen ausländischer Dienstleister gegenüber unseren Kunden nicht übernehmen", sagt auch ein Sprecher der Deutschen Telekom.
Die Idee, Telefone zu hacken, ist alt. In den sechziger Jahren beschäftigte sich der Amerikaner Josef Carl Engressia wohl als erster damit. Von Geburt an blind, hatte er eine Schwäche für Telefonate und entdeckte durch Zufall, dass die damaligen Anlagen Töne von 2.600 Herz nutzten, um Verbindungen zu steuern. Engressia konnte in dieser Frequenz pfeifen und schaffte es so, weltweit kostenlos zu telefonieren. Die sogenannten Phreaks waren geboren, die Phone Freaks, die Telefonleitungen hackten.
- Datum 29.06.2011 - 11:09 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...warum muss ein Telefon von außen zugänglich sein?
Alles wird immer weiter vernetzt, öffentlich gemacht, und dann wird gejammert dass die unzureichende Sicherheitsvorrichtungen von Hackern oder auch nur interessierten Jugendlichen ohne großen Aufwand umgangen werden.
Und wer ist Schuld? Nicht jene die die Sicherheit der Geräte vernachlässigt haben, sondern die "Angreifer"...
Frei nach dem Motto - wenn ich meine Wohnung mit einer offenen Tür stehen lasse und mir was gestohlen wird ist der Dieb daran Schuld - auch wenn ich ihn dazu eingeladen habe.
Und zumindest bei unserem Telefon mit Anrufbeantworter kann diesen ihn von außen nicht abhören -> darum ist er (soweit ich es sehen kann) in dieser Hinsicht sicher.
Wer sonst als der Dieb wäre schuld am Diebstahl?
Diebe machen es notwendig, dass man Türen verschließt, aber offene Türen sind dennoch keine Erlaubnis. Das ist wie mit den Äußerungen, die zum "Bitch Day" geführt haben: aufreizend gekleidete Frauen sind doch wohl nicht selbst schuld, wenn sie Opfer sexueller Übergriffe werden.
Natürlich haben die Hersteller auch eine *Verantwortung*, wenn sie von der Gefahr wissen, so wie man für seine verriegelte Haustür verantwortlich ist. Aber das ist nicht neu und hat nichts mit dem Netz zu tun. Den AB per Fernbedienung auch aus dem Urlaub abhören kann man schon seit Jahrzehnten.
Wer sonst als der Dieb wäre schuld am Diebstahl?
Diebe machen es notwendig, dass man Türen verschließt, aber offene Türen sind dennoch keine Erlaubnis. Das ist wie mit den Äußerungen, die zum "Bitch Day" geführt haben: aufreizend gekleidete Frauen sind doch wohl nicht selbst schuld, wenn sie Opfer sexueller Übergriffe werden.
Natürlich haben die Hersteller auch eine *Verantwortung*, wenn sie von der Gefahr wissen, so wie man für seine verriegelte Haustür verantwortlich ist. Aber das ist nicht neu und hat nichts mit dem Netz zu tun. Den AB per Fernbedienung auch aus dem Urlaub abhören kann man schon seit Jahrzehnten.
Z.B. wenn man sich selbst anruft und merkt, dass man nach Afrika oder sonst wo weitergeleitet wird?
Wenn ich mich selbst anrufe geht nie jemand ran...
:-(
wird die Weiterleitung für nicht benutzte Durchwahlen eingerichtet. D.h. sie müssten schon regelmäßig alle (i.d.R. 1000) Durchwahlen durchprobieren.
Viele Anrufbeantworter kann man auch so einstellen, dass nur Anrufer von bestimmten Nummern oder aus bestimmten Nummernbereichen oder zu bestimmten Zeiten weitergeleitet werden. Da müsste der Anlagenbesitzer schon Glück haben, um zeitnah dahinter zu kommen.
Wenn ich mich selbst anrufe geht nie jemand ran...
:-(
wird die Weiterleitung für nicht benutzte Durchwahlen eingerichtet. D.h. sie müssten schon regelmäßig alle (i.d.R. 1000) Durchwahlen durchprobieren.
Viele Anrufbeantworter kann man auch so einstellen, dass nur Anrufer von bestimmten Nummern oder aus bestimmten Nummernbereichen oder zu bestimmten Zeiten weitergeleitet werden. Da müsste der Anlagenbesitzer schon Glück haben, um zeitnah dahinter zu kommen.
wenn man die Telefone ERST in Betrieb nehmen könnte, nachdem man die PIN geändert hat, genauso wie zB bei Windows manche User als ersten Schritt ihr Passwort ändern müssen und das nicht mit dem vorherigen übereinstimmen darf.
Wenn ich mich selbst anrufe geht nie jemand ran...
:-(
wird die Weiterleitung für nicht benutzte Durchwahlen eingerichtet. D.h. sie müssten schon regelmäßig alle (i.d.R. 1000) Durchwahlen durchprobieren.
Viele Anrufbeantworter kann man auch so einstellen, dass nur Anrufer von bestimmten Nummern oder aus bestimmten Nummernbereichen oder zu bestimmten Zeiten weitergeleitet werden. Da müsste der Anlagenbesitzer schon Glück haben, um zeitnah dahinter zu kommen.
Wenn man sich in eine Voicemailbox "hackt", heißt das aber noch lange nicht das man die Anlage umkonfigurieren kann. DIe Täter können eine abgehende Sperre für Mehrwertdienste so nicht umgehen.
Mag sein, aber wenn eine Telefonanlage so schlampig eingerichtet wurde, dass noch die Standard-PINs des Herstellers gelten, ist es recht wahrscheinlich, dass die meisten sonstigen Werkseinstellungen nicht geändert wurden. Und dann kann es gut sein, dass man sich dann aus der Mailbox weiter in die Tiefen der Anlage hacken und die Einstellungen dort nach eigenem Gusto ändern kann.
Mag sein, aber wenn eine Telefonanlage so schlampig eingerichtet wurde, dass noch die Standard-PINs des Herstellers gelten, ist es recht wahrscheinlich, dass die meisten sonstigen Werkseinstellungen nicht geändert wurden. Und dann kann es gut sein, dass man sich dann aus der Mailbox weiter in die Tiefen der Anlage hacken und die Einstellungen dort nach eigenem Gusto ändern kann.
Mag sein, aber wenn eine Telefonanlage so schlampig eingerichtet wurde, dass noch die Standard-PINs des Herstellers gelten, ist es recht wahrscheinlich, dass die meisten sonstigen Werkseinstellungen nicht geändert wurden. Und dann kann es gut sein, dass man sich dann aus der Mailbox weiter in die Tiefen der Anlage hacken und die Einstellungen dort nach eigenem Gusto ändern kann.
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