Eine Szene aus dem Computerspiel "God of War", das als erste Spieleserie grafisch überarbeitet wurde. ©Sony Computer Entertainment

Bei der E3 im Juni hat der Publisher Konami angekündigt, gleich mehrere seiner Klassiker zu recyceln. Noch in diesem Jahr sollen HD Collections von Metal Gear Solid und Silent Hill erscheinen: Sie enthalten frühe Folgen der erfolgreichen Spieleserien, grafisch aufgehübscht und mit diversen Dreingaben.

Da zeichnet sich ein Trend ab: Den Anfang der Remake-Offensive machte Sony mit der God of War Collection , die Ende 2009 in den USA und Mitte 2010 in Deutschland erschien. Ubisoft steuerte die Prince of Persia Trilogy 3D bei, Square Enix veröffentlichte die Tomb Raider Trilogy . Auch in den kommenden Monaten geht der Remake-Trend munter weiter: Neben den Konami-Titeln trudeln unter anderem Halo , Splinter Cell , Ico und Shadow of the Colossus in HD auf den Markt zu, ein Ende ist nicht abzusehen.



Nun gibt es Remakes nicht erst seit der HD-Ära. Schon in den 1980er und 1990er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden Klassiker neu aufgelegt, man denke nur an die Remakes von King's Quest , Space Quest oder Leisure Suit Larry . Rudolf Inderst, Ressortleiter Digitale Spiele beim TITEL Kulturmagazin , erinnert sich gerne an Metal Gear Solid : The Twin Snakes (2004) auf dem GameCube. "Das Spiel war ein Remake des PlayStation-Klassikers Metal Gear Solid und hat mich durch und durch begeistert."

Inderst hält den Nostalgiefaktor für einen wichtigen Kaufgrund: "Der Reiz liegt in der Möglichkeit, die geliebten Welten der eigenen Spielerbiographie erneut zu besuchen, ohne die Enttäuschung erleben zu müssen, mit einer veralteten Grafik-Engine oder anderen überkommenen technischen Grenzen konfrontiert zu werden."

Zu den Remake-Kandidaten zählen auch Spiele, die beim Release nicht die verdiente Aufmerksamkeit erhielten. So lässt sich der kommerzielle Misserfolg von Beyond Good & Evil (2003) auf fehlendes Marketing und eine erdrückende Konkurrenz im Vorweihnachtsgeschäft zurückführen. Bei der Neuauflage in HD dürften dann auch einige Gamer zugegriffen haben, die das Originalspiel verschmäht hatten.



Neben Nostalgikern und "Nachholern" haben die Publisher noch eine weitere, etwas schwierigere Zielgruppe im Blick: die jungen Käufer. Diese sind an bildgewaltige Spiele gewöhnt und nicht ohne weiteres bereit, Geld für einen grafisch bescheidenen Klassiker auszugeben. HD-Auflösung, Bonus-Inhalte und Trophy-Anbindung sind schon fast Pflicht, will man diese Käuferschicht erreichen.

Traditionalisten kritisieren allerdings, dass Änderungen an Steuerung, Kameraführung und Inhalten das ursprüngliche Spielerlebnis verfälschen.