Cyberangriff : Hacker vergreifen sich an Pentagon-Daten

Das US-Verteidigungsministerium hat zugegeben, dass Tausende sensibler Dokumente von Hackern gestohlen wurden. Eine neue Strategie soll das künftig verhindern.
Blick auf das US-Verteidigungsministerium, Pentagon genannt wegen seiner Form © USAf/Getty Images

Auf das US-Verteidigungsministerium hat es jüngst einen schweren Hackerangriff gegeben. Der stellvertretende Pentagonchef William Lynn teilte mit, im März seien 24.000 sensible Dokumente in den Besitz von Eindringlingen gelangt. Das Ministerium geht davon aus, dass ein ausländischer Geheimdienst die Attacke angeordnet hat. "Mit anderen Worten: Es hat ein Staat dahinter gesteckt", sagte Lynn. Er wollt sich jedoch nicht konkret zu den Verdächtigen äußern.

Der Diebstahl von den Computern eines Unternehmens der Rüstungsindustrie sei "erheblich" und einer der größten in der Geschichte des Pentagons, sagte Lynn. Die betroffenen Daten seien Informationen über Baupläne für militärische Ausrüstung. Manche der gestohlenen Daten seien "banal". Er nannte als Beispiele dafür kleine Bauteile von Panzern, Flugzeugen und U-Booten. Ein "großer Teil" betreffe jedoch "empfindliche Systeme" wie Flugzeugelektronik, Überwachungstechnik, Systeme zur Satellitenkommunikation und Netzwerkprotokolle.

Das Pentagon sieht durch den Vorfall seine neuen Sicherheitsregeln für den Datenverkehr als bestätigt an. Diese sehen vor, dass die USA im Kampf gegen Computerhacker künftig auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Ausland setzen. Das Verteidigungsministerium werde "zunehmend robuste internationale Beziehungen" aufbauen, um eine "kollektive Selbstverteidigung" zu ermöglichen, heißt es in der Erklärung.

Nur mit einem gemeinsamen Bewusstsein und gegenseitigen Warnungen auf globaler Ebene könnten solche Angreifer im Internet unschädlich gemacht werden. Das Pentagon wolle dazu mit einer wachsenden Zahl internationaler Partner unter anderem gemeinsame Warnsysteme und Trainingsprogramme aufbauen. Jedes Land solle Verantwortung für Bereiche übernehmen, in denen es bereits heute seine Stärken und speziellen Kapazitäten hat.

Spezialeinheit "Cyber Command" soll neue Strategie umsetzen

Allein beim US-Militär müssten 15.000 Netzwerke und rund sieben Millionen Computer vor millionenfachen Hackerangriffen pro Tag beschützt werden, sagte Lynn. "Die Cyberbedrohung ist akut und potenziell verheerend. Gegner suchen konstant nach Schwachstellen."

Pro Jahr würden so viele Informationen von den Festplatten amerikanischer Unternehmen, Universitäten und Behörden gestohlen, wie die Kongressbibliothek in Washington fasst. Dort stehen 147 Millionen Datenträger – davon allein 33 Millionen Bücher. Täglich würden mehr als 60.000 neue Computerschädlinge als Bedrohung identifiziert.

Das Strategiepapier war seit Monaten erwartet worden. Es soll verdeutlichen, wie das Pentagon die Verteidigung der USA zu Luft, Land, Wasser und im Weltall auf die virtuelle Welt ausdehnen will.

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Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Die USA vergreifen sich an den Daten der Europäer,

die EU vergreift sich auch an den Daten ihrer Bürger, ´Hacker´ vergreifen sich an den Daten der Datensammler.

Und dann hätten wir da ja noch den ZENSUS 2011 der EU; nicht das es noch Bürger-Daten gibt, die keiner kennt.

http://de.wikipedia.org/w...

Jeder bedient sich, wie er es braucht, keiner achtet irgendwelche vormals gültigen Regeln.

Und darüber wacht dann das ´Cyber Command´.

Läuft ja richtig gut in der neuen Welt der Informationstechnik.

Wie glaubwürdig…

kann denn eine solche Information sein, die vom Pentagon über die Medien groß in die Welt posaunt wird? Möglichkeiten den Wahrheitsgehalt der Aussagen zu überprüfen gibt es selbstverständlich nicht, wenn ein Geheimdienst sensible militärische Daten kopiert, also müsste man der PR-Abteilung des Pentagon einfach glauben. Dem Pentagon glauben?!

Spannender als der „Datenklau“ selbst, wäre es sich Gedanken zur Intention dieser medialen Aktion zu machen. Warum sollte ein Verteidigungsministerium so ausführlich über seine Schwachstellen und den Schaden informieren?

Als erstes könnte es die neue Sicherheitsstrategie und die Ausweitung der Überwachung im Internet unter Einbeziehung anderer Länder und Regionen der Welt untermauern.
In der EU wird daher auch fleißig an einem Überwachungsprojekt gearbeitet: INDECT. Natürlich alles nur zum Wohl und zum Schutz der Bürger. Und als nächstes würde man, wie bei SWIFT, die Daten den US-Behörden zur Verfügung stellen, da die Bedrohung international ist.

Noch spannender ist aber diese Vermutung: Da es sich beim dem Cyber-Angriff angeblich um einen nicht nominierten Staat handeln sollte, kann es durchaus passieren, dass früher oder später "der Gewinner" namentlich genannt wird und relativ bald dann auch Maßnahmen zur Verteidigung getroffen werden. Und die sind bekanntlich meist militärischer Natur, im Sinne eines präventiven Angriffes, wie schon mehrfach bereits geschehen.

Mal schauen ob meine Glaskugel vom Flohmarkt was taugt…

Cyberangriff

Erst die Attacke vom Geheimdienst eines Staates und dann will man eine "kollektive Selbstverteidigung" mit anderen Staaten ermöglichen.

Aha...ja, genau. Ich dachte immer sowas zählt unter Spionage, wenn Daten geklaut werden. Was macht den die National Security Agency? War wohl gerade mit der Central Intelligence Agency Kaffee trinken.

Wenn man eine böse Zunge hätte, dann würde man behaupten, dass die Attacke fingiert ist und nur als Legitimationsgrund für das Cyber Command dient, damit man eine totale Überwachung im Internet durchführen kann. Aber sowas würde niemand sagen, geschweige denn denken.