Touch&Travel heißt die App, die in Berlin als Fahrschein für öffentliche Verkehrsmittel gilt. Ein Code aus schwarzen und weißen Feldern auf dem Handybildschirm ersetzt das Papierticket. Entwickelt hat das System die Deutsche Bahn, die es seit 2008 testet . Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind seit Mitte des Jahres Kooperationspartner für den Berliner Nahverkehr. 

In der Hoffnung, mich nie wieder über kaputte Fahrscheinautomaten oder fehlendes Kleingeld ärgern zu müssen, habe ich mich für den Testlauf angemeldet. Jeder, der ein iPhone oder ein Android-Smartphone hat, kann mitmachen. Dazu muss er sich registrieren und die Touch&Travel-App auf seinem Gerät installieren. Anschließend genügen ein paar Knopfdrücke, um den Start- und Endpunkt jeder Fahrt einzugeben. Das System berechnet den Fahrpreis und bucht ihn vom Konto des Nutzers ab.

Selbstverständlich traut die Bahn ihren Kunden nicht und will überprüfen, ob deren Angaben stimmen. Sie sammelt dazu Bewegungsdaten. Das ist datenschutzrechtlich umstritten. Und es kann zu Missverständnissen führen.

Vor ein paar Wochen fuhr ich beispielsweise mit dem Zug vom Berliner Hauptbahnhof nach Luxemburg. Dazu hatte ich mir ganz altmodisch am Schalter ein Ticket gekauft. Für die Fahrt zum Hauptbahnhof verwendete ich jedoch die Touch&Travel-App.

Dummerweise vergesse ich regelmäßig, mich nach dem Ende einer Fahrt über die App wieder auszuloggen und die Fahrt somit offiziell zu beenden. So auch, als ich zum Hauptbahnhof fuhr, um von dort den Zug nach Luxemburg zu nehmen. Als mein ICE gerade Bielefeld passierte, bekam ich eine SMS: "Sehr geehrter Kunde, Sie nutzen Touch&Travel seit 4h. Falls Sie noch unterwegs sind, gute Weiterfahrt. Ansonsten bitte Abmeldung vornehmen."

Normalerweise bestimmt die App mit Hilfe des GPS-Moduls im Handy, wo sich Gerät und Fahrgast befinden, und bietet eine Auswahl der umliegenden Haltestellen an. Da der Berliner Hauptbahnhof schon ein paar hundert Kilometer hinter mir lag und nicht mehr aufgeführt wurde, gab ich ihn manuell als Endhaltestelle ein und holte die Abmeldung somit umgehend nach. Damit hielt ich den Fall für erledigt.

Bis mich eine E-Mail vom Touch&Travel-Kundenservice erreichte: "…die übermittelten Daten der [Fahrt vom 09.08.2011] sind leider noch nicht ganz schlüssig, da die Abmeldung zu spät durchgeführt wurde und Sie offensichtlich weiter bis nach Bielefeld gefahren sind. Wir möchten Sie daher um eine kurze Rückmeldung und Angabe der Fahrdaten bitten. Sollten Sie des Weiteren um ein gültiges Fahrticket für die Reststrecke nach Bielefeld verfügen, so schicken Sie uns dies bitte zu."

Offensichtlich wusste Touch&Travel, wo ich mich befand, als ich mich nachträglich ausloggte. Die App hatte die Position meines Handys an die Bahn übermittelt und den automatisch bestimmten Aufenthaltsort (Bielefeld) mit meiner manuellen Angabe (Berliner Hauptbahnhof) abgeglichen.

Das sind jedoch längst nicht alle Daten, die das Programm von seinen Nutzern sammelt. In den Geschäftsbedingungen steht: "Nach erfolgreich durchgeführter Anmeldung wird bis zur Abmeldung periodisch der Standort des Smartphones ermittelt." Das System verfolgt, mit welchen Funkzellen des Handynetzes sich mein Smartphone verbindet. Und das auch, wenn die Touch&Travel-App gar nicht aktiv ist. Die Bahn speichert also ganze Bewegungsprofile , während ich unterwegs bin.