Kontrolleure können mit der App nichts anfangen
Dieser Umgang mit Kundendaten ist aus Sicht des Berliner Landesdatenschutzbeauftragten "verbesserungswürdig". Dem Kunden müsse eine Option eingeräumt werden, das Programm und die Bezahlung spurlos nutzen zu können, sagt Alexander Dix. Das schreibe das Telemediengesetz vor. Die Bahn müsse also die Möglichkeit schaffen, dass Kunden Fahrscheine auch im Prepaid-Verfahren und mit einem Pseudonym kaufen können.
"Datenschutzrechtlich machen wir alles, was man machen muss", heißt es dagegen bei der Bahn. Schließlich stimme der Kunde den Geschäftsbedingungen zu und damit auch der Erfassung der Bewegungsdaten, sagt Birgit Wirth, die bei der Bahn als Projektleiterin für das Verfahren zuständig ist. Die Positionsbestimmung diene dazu, den korrekten Fahrpreis in Rechnung zu stellen und dem Kunden mit der monatlichen Mobilitätsrechnung einen Nachweis über seine Fahrten zu bieten, sagt Wirth.
Ein weiterer Grund für die Datenerfassung dürfte aber sein, dass die Bahn Betrugsversuche unterbinden will. Denn sich einen billigen Fahrpreis für teure Strecken zu erschleichen, ist mit dem System kein Problem. Ich könnte mich zum Beispiel ordnungsgemäß an einem Berliner U-Bahnhof einloggen und mich in den ICE nach Bielefeld setzen. Nach Ende der Fahrt würde ich dann manuell als Endhaltestelle Berlin Hauptbahnhof angeben und würde für die Reise insgesamt nur 2,30 Euro (Einzelfahrschein Bereich AB in Berlin) bezahlen. Das ist möglich, weil BVG und Bahn beide das System nutzen.
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Während der Fahrt könnte ich mit der App jederzeit einen gültigen Fahrschein vorzeigen. Beziehungsweise einen sogenannten Aztec-Code, jenes schwarz-weiße Muster, das auch auf ausgedruckten Onlinetickets der Bahn abgebildet ist. Dieser Aztec-Code ist verschlüsselt, enthält aber wohl vor allem Namen, Kundennummer, Uhrzeit und Startpunkt der Fahrt.
Kontrolleure kennen die App noch nicht
Interessanterweise können die Kontrolleure der BVG weder mit der App noch mit dem Aztec-Code etwas anfangen. So gibt es Busfahrer, die mir das Handy aus der Hand nehmen, es mit vorgetäuschter Fachkenntnis von allen Seiten inspizieren und es dann nickend zurückreichen. Und es gibt Kontrolleure, die ihre Überforderung eingestehen, die sagen: "Damit kann ich nichts anfangen". Und einfach grummelnd weitergehen. Überprüfen, ob der Code nun zur Fahrt berechtigt oder nicht, kann keiner von ihnen, die dazu notwendigen Scanner haben sie nicht dabei. Aufgehalten wurde ich trotzdem nie.
Nur das Touch&Travel-System hegt im Zweifel einen Verdacht. Eben wenn eine Abweichung zwischen den automatisch ermittelten Positionsdaten und dem vom Kunden eingegebenem Ziel auftritt. "Es gibt eine gewisse Toleranzschwelle", sagt Wirth. "Wenn diese Toleranzschwelle überschritten wird, dann meldet das System die Abweichung und wir wenden uns an den Kunden."
Wie in meinem Fall. Ich versicherte dem Kundenservice telefonisch, dass ich die Abmeldung vergessen und für die Weiterfahrt ein Ticket am Schalter gelöst hatte. Als Nachweis mailte ich eine Liste meiner Bahncardfahrten, auf der die Reise über Bielefeld verzeichnet war. Damit gab sich der Kundenservice zufrieden.
Daten werden zehn Monate lang gespeichert
"Im Moment gehen wir eher kulant mit solchen Abweichungen um, solange uns der Kunde eine plausible Erklärung liefern kann", sagt Wirth. Die Bahn werde auch niemandem Betrug unterstellen, aber: "Wenn bei Ihnen jeden Tag Abweichungen auftreten würden, dann würden wir Sie irgendwann fragen, ob das Verfahren noch das richtige für Sie ist."
Auf die Erhebung der Bewegungsdaten will die Bahn auch in Zukunft nicht verzichten. Nutzer der App müssen also damit rechnen, dass ihr Bewegungsprofil zehn Monate lang von der Bahn gespeichert wird. Denn erst danach werden die Daten gelöscht. So steht es zumindest in den Geschäftsbedingungen.
Haben Sie auch schon Erfahrungen mit dem System gemacht? Dann schildern Sie uns doch Ihre Eindrücke in den Kommentaren.
- Datum 27.09.2011 - 15:14 Uhr
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Thx für den Artikel! Gut zu wissen
Hoffentlich nutzt das System einfach kaum jemand (und die Bahn lernt daraus).
Ich find' es allgemein bedauerlich, dass die Bahn dem Kunden vielfach personalisierte Tickets aufdrängt.
Meine Erwartung an öffentliche Verkehrsmittel ist, dass nach Ende der Fahrt keine Nutzungsdaten mehr von mir vorliegen. Technisch wäre das auch bei Tickets mit Vorausbestellung und Bahncard-Nutzung durchaus möglich.
In der Praxis ist dies leider nur zu erreichen indem man Tickets am Automaten kauft. Eine Datenschutzfreundliche Regelung dazu wäre eine Aufgabe für die Politik (da es den Landesdatenschutzbeauftragten derzeit entweder an den Mitteln oder am Willen fehlt, da konsequenz durchzugreifen).
Hoffentlich nutzt das System einfach kaum jemand (und die Bahn lernt daraus).
Ich find' es allgemein bedauerlich, dass die Bahn dem Kunden vielfach personalisierte Tickets aufdrängt.
Meine Erwartung an öffentliche Verkehrsmittel ist, dass nach Ende der Fahrt keine Nutzungsdaten mehr von mir vorliegen. Technisch wäre das auch bei Tickets mit Vorausbestellung und Bahncard-Nutzung durchaus möglich.
In der Praxis ist dies leider nur zu erreichen indem man Tickets am Automaten kauft. Eine Datenschutzfreundliche Regelung dazu wäre eine Aufgabe für die Politik (da es den Landesdatenschutzbeauftragten derzeit entweder an den Mitteln oder am Willen fehlt, da konsequenz durchzugreifen).
Von mir auch Dank für den interessanten Artikel. In meinen Augen ist das Problem des Systems dass man sozusagen eine onDemand-Fahrkarte generiert durch die Dauer, die man mit der App eingelogged ist. Daher muss die Bahn die ganze Zeit die Position aufzeichnen und die Applikation daraus Rückschlüsse ziehen. Und wenn man sich zu spät auslogged, dann kann das entweder ein Versehen sein oder halt auch Absicht. Ich würde ein klassisches System bevorzugen, bei dem man sich die Karte vorher kauft und sie dann einem Kontrolleur zeigen kann. Das würde die Positionsaufzeichnung erübrigen. Und natürlich viele Diskussionen wenn man wieder mal vergessen hat, sich auszuloggen. Man muss halt nur noch daran denken, einen Fahrschein zu kaufen ;-)
Neben dem Anmelden/Abmelden Modell, welches die Bahn nutzt, gibt es noch Handy-Tickets, welche neben dem Code als Schutzfaktor über eine menschenlesbare Maske verfügen. Auf diese Weise wird das Handyticket zum mobilen Bruder des Papierfahrscheins. Allerdings ist der Umstieg auf ein deutschlandweit ähnliches eTicket geplant und dessen Möglichekeiten kommt die Applikation der Bahn durch das An/Abmeldeverfahren näher.
Ihr Vorschlag geht in die richtige Richtung.
Grundsätzlich wären mir möglichst pauschale Tickets mit Netzwirkung lieber als für jede einzelne Fahrt einen Bezahlvorgang auszulösen und ein Stück Papier zu drucken.
Leider gibt's von der Bahn in der Richtung nicht so viel (Bahncard100 ist extrem teuer...)
Neben dem Anmelden/Abmelden Modell, welches die Bahn nutzt, gibt es noch Handy-Tickets, welche neben dem Code als Schutzfaktor über eine menschenlesbare Maske verfügen. Auf diese Weise wird das Handyticket zum mobilen Bruder des Papierfahrscheins. Allerdings ist der Umstieg auf ein deutschlandweit ähnliches eTicket geplant und dessen Möglichekeiten kommt die Applikation der Bahn durch das An/Abmeldeverfahren näher.
Ihr Vorschlag geht in die richtige Richtung.
Grundsätzlich wären mir möglichst pauschale Tickets mit Netzwirkung lieber als für jede einzelne Fahrt einen Bezahlvorgang auszulösen und ein Stück Papier zu drucken.
Leider gibt's von der Bahn in der Richtung nicht so viel (Bahncard100 ist extrem teuer...)
Fahrkarte aus Papier, anonym gekauft, und selbst ein muffiger Fahrkartenverkäufer ist mir allemal lieber, als ein Apparat der meine Gewohnheiten im öpnv aufzeichnet. Der Artikel liest sich im Übrigen so als ob Mehdorn noch Chef wär.... Nun ja, Kundenorientierung geht anders, wenn ich für eine Bahnfahrt auch noch E-mail-anlaber ertragen muss.
was selbstverständlich die Schuld der Äpfel ist. Und wenn jemand etwas nicht versteht, liegt das selbstverständlich nicht an ihm selbst. Das System stellt meine Bewegung fest und berechnet mir den dafür zu zahlenden Bereich. Das ist das Kernstück. Wenn mir das nicht passt, muss ich mich anderweitig um die Bezahlung kümmern. Dann ist das System eben nichts für mich. Wer aber schon mal an allen Automaten und Schaltern vorbei rennend einen Zug gerade noch so erwischt hat und sich dann einfach hinsetzen darf, weil er die App schnell starten kann und somit einen gültigen Fahrschein hat - wohin auch immer - der wird merken, dass dieses System für ihn gemacht ist.
...dass Sicherheit so einfach ist. Oder auch nicht.
Nichts gibt es umsonst. Mit Touch&Travel kann man jederzeit ein Ticket lösen - dafür muss die Bahn es aber eben auch anders prüfen. Mir wäre es Recht, denn verpasste Züge sind so gestern. ODer überbezahlte Tickets.
Sinnvoll wäre, aber das wird die Bahn noch merken, wenn der T'n'T-Account mit der Bahncard verknüpft wird. So weiß es immer Bescheid, für welche (Teil-)Strecke das Ticket gültig ist.
Wer aber nun, wie die Datenschützer, im Gegenteil ein anonymes Digitalticket fordert, der lebt fernab der Realität. Damit man schnell das Handy weitergibt? Und über die Route täuscht? Ach ne, es sind ja alle so ehhhhhhrlich.
was selbstverständlich die Schuld der Äpfel ist. Und wenn jemand etwas nicht versteht, liegt das selbstverständlich nicht an ihm selbst. Das System stellt meine Bewegung fest und berechnet mir den dafür zu zahlenden Bereich. Das ist das Kernstück. Wenn mir das nicht passt, muss ich mich anderweitig um die Bezahlung kümmern. Dann ist das System eben nichts für mich. Wer aber schon mal an allen Automaten und Schaltern vorbei rennend einen Zug gerade noch so erwischt hat und sich dann einfach hinsetzen darf, weil er die App schnell starten kann und somit einen gültigen Fahrschein hat - wohin auch immer - der wird merken, dass dieses System für ihn gemacht ist.
...dass Sicherheit so einfach ist. Oder auch nicht.
Nichts gibt es umsonst. Mit Touch&Travel kann man jederzeit ein Ticket lösen - dafür muss die Bahn es aber eben auch anders prüfen. Mir wäre es Recht, denn verpasste Züge sind so gestern. ODer überbezahlte Tickets.
Sinnvoll wäre, aber das wird die Bahn noch merken, wenn der T'n'T-Account mit der Bahncard verknüpft wird. So weiß es immer Bescheid, für welche (Teil-)Strecke das Ticket gültig ist.
Wer aber nun, wie die Datenschützer, im Gegenteil ein anonymes Digitalticket fordert, der lebt fernab der Realität. Damit man schnell das Handy weitergibt? Und über die Route täuscht? Ach ne, es sind ja alle so ehhhhhhrlich.
Ein normales Handyticket existiert bei der Bahn schon lange. Man kann es entweder über die mobile Seite oder auch über die Desktopversion von bahn.de kaufen und bekommt es als MMs zugeschickt. Schade finde ich da nur, dass das Angebot noch eingeschränkt ist und z.B. keine Sparpreise und Ländertickets erworben werden können.
Ich bin eigentlich auch immer kritisch wenn es um den Datenschutz geht, aber bei Touch and Travel ist es unumgänglich die Route aufzuzeichnen für die Abrechnung. Ich frage mich eh wie die App sicher zwischen den verschiedenen Zugkategorien unterscheiden kann. Und wenn man eben vergisst sich auszuloggen, dann denkt die app eben man ist noch unterwegs und braucht sie noch. Wenn man dann auch tatsächlich noch im ICE sitzt ist doch logisch, dass das nach Betrug richt. Das Programm kann ja nicht wissen, dass man bereits eine Papierkarte erworben hat.
Ich kann beim besten Willen da nichts anstößiges finden. Wo ist die angesprochene Tücke im System? Ich kannte das Touch&Travel vorher nicht. Aber die Bahn macht gar keinen Hehl daraus, dass sie zwischen Anmelden und Abmelden einer Fahrt Positionsdaten sammeln. Steht auch nicht irgendwo in den AGB's sondern ist Punkt Nummer eins auf der FQA auf der Bahnseite. Jetzt einen Artikel "Böse Bahn sammelt Daten" zu schreiben finde ich reißerisch und unseriös.
Niemand ist gezwungen das System zu nutzen. Anonyme Fahrscheine kaufen ist immer noch möglich. Das die Bahn die Augenbrauen hochzieht, wenn jemand eine Fahrt in Bielefeld ausloggt und "vorgibt" in Berlin zu sein finde ich auch OK.
Das Programm sammelt Bewegunsdaten, auch wenn Touch and Travel NICHT aktiv ist.
Und das steht nirgendwo! Und ist auch alles andere als "kein Problem".
Das Programm sammelt Bewegunsdaten, auch wenn Touch and Travel NICHT aktiv ist.
Und das steht nirgendwo! Und ist auch alles andere als "kein Problem".
Auf manuelle An- und Abmeldung zu setzen und das Ganze per GPS zu überwachen scheint kein wirklich praxistauglicher Ansatz zu sein. Besser wäre es vielleicht, auf eine weitere Verbreitung von RFID Technik wie NFC in Smartphones zu setzen und ein System ähnlich dem in London (Oyster Card) zu installieren. Hier wird am Anfang und Ende der Fahrt im Vorbeigehen eine Prepaid Karte über einen Sensor (z.B. an Drehkreuzen) gezogen und das System ermittelt automatisch den günstigsten Tarif für die Fahrt, der dann abgebucht wird.
So erübrigt sich die Kontrolle und es kommt nicht zu Missverständnissen durch vergessenes Ausloggen. Leider ist NFC noch nicht weit genug verbreitet, doch solange die manuelle Lösung mit GPS die einzige ist, würde ich das Papierticket nicht gegen eine App tauschen.
Warum brauchen Sie eigentlich eine Karte für die Fahrt zum und vom Hbf. Ist doch beim Besitzer einer Bahncard bei Fernreisen in der Regel mit inbegriffen (City-Option).
Ansonsten stimme ich dem Vorredner zu - man muß ja nicht mitmachen und sich lückenlos kontrollieren lassen. Die Informationsfreizügigkeit moderner Handys ist eh schon obszön.
Das City-Ticket gibt es nur für den Zielort, nicht für den Abfahrtsort.
Das City-Ticket gibt es nur für den Zielort, nicht für den Abfahrtsort.
Unverständlich, weswegen man mit der App nicht einfach mit den vorliegenden Sparoptionen im besten Fall analog zu Automaten ein Ticket zu einem bestimmte Ziel kaufen kann und fertig. Zum einen würde ich einem automatisch ermittelten Fahrpreis eh nicht trauen, zum anderen ist es ja mit Dilettantismus alleine schon beinahe nicht mehr zu erklären, weswegen das Ticket von Schaffnern nicht kontrolliert werden kann. Aber gut zu wissen, dann brauche ich mir in Zukunft nur noch das Handy von Bahncard100-Besitzern und Schwerbehinderten zu leihen, um zu sensationell günstigen Preisen durch die Lande zu fahren.
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