Netzpolitik Friedrich plant Nichtangriffspakt für das Internet
Netzneutralität durch Wettbewerb, Datenschutz durch mündige Nutzer, Sicherheit durch Vorratsdaten. Innenminister Friedrich erläutert im Interview seine Netzpolitik.
ZEIT ONLINE: Herr Friedrich, das Internet beeinflusst unser Leben immer stärker. Was können wir in der zweiten Hälfte der Wahlperiode von Ihnen als Bundesinnenminister erwarten, was die Nutzung des Netzes angeht, aber auch, was den Kampf gegen Risiken betrifft?
Hans-Peter Friedrich: Das Netz schafft Produktivität, es ermöglicht neue Formen der Kommunikation und Vernetzung, es erleichtert Geschäfte – von unseren rechtstreuen Bürgern, aber auch von Kriminellen. Unsere gesamte Daseinsvorsorge ist überdies mittlerweile vom Internet abhängig: Stromnetze, Wasserversorgung, Kommunikation, Finanzwesen, bis hin zur Logistik, um unsere Supermärkte zu füllen. Große Teile unserer Produktivitätsfortschritte beruhen heute auf dem Netz. Das zeigt, wie viele Chancen und Möglichkeiten das Internet uns bietet. Das bedeutet aber im Gegenzug: Eine Gefährdung des Netzes gefährdet unseren Wohlstand.
Ich muss mich als Bundesinnenminister all diesen Themen widmen. Diese kritische Infrastruktur Internet und die damit verbundenen Systeme gegen Angriffe zu schützen, wird daher ein Schwerpunkt meiner Arbeit in den kommenden zwei Jahren sein. Genau wie das Verhindern und Verfolgen von Kriminalität und Datenmissbrauch im Netz. Ebenso wichtig ist es mir, die Kommunikation zu sichern und damit die Teilhabe der Menschen an demokratischen Prozessen zu schützen, an der Meinungsbildung im Netz.
ZEIT ONLINE: Wie nutzen sie selbst das Internet?
Friedrich: Twitter nutze ich nicht, da müsste man ständig dranbleiben, dazu habe ich keine Zeit. Aber ich hatte immer Webseiten, etwa als Abgeordneter. Ich bin auch bei den sozialen Netzwerken: Ich sortiere gerade meine Kreise bei Google+, ich bin bei Facebook, im VZ-Netzwerk …
ZEIT ONLINE: … persönlich, oder als Parteipolitiker und Minister?
Friedrich: Ja, sind wir denn nicht befreundet? Aber im Ernst: Ich habe eine Mitarbeiterin, die meine Aktivitäten, Presseartikel und Termine in die sozialen Netzwerke einstellt. Kommentare schreiben und Nachrichten beantworten mache ich natürlich selbst. Leider habe ich wenig Zeit und kann mich daher viel zu selten darum kümmern. Ich schaue mir sehr häufig an, wie die Nutzer das kommentieren. Wobei das Meinungsbild natürlich subjektiv ist, denn dort kommentieren ja meine von mir ausgewählten Freunde. Ich schaue mir Blogs an, ich lese Nachrichten, ich beobachte, was sich im Netz tut. Denn Meinungsäußerungen im Netz sind für mich eine Ergänzung von Begegnungen in der analogen Welt.
ZEIT ONLINE: Hatten sie schon mal Probleme, beispielsweise mit Schadsoftware, einem Virus?
Friedrich: Es gab mehrere Fake-Accounts unter meinem Namen bei Twitter und Facebook, sonst aber hatte ich bislang keine Probleme. Doch die angesprochene Gefahr ist real: Wir haben eine komplette Untergrundwirtschaft im Netz – ein Warenhaus, in dem sich jeder sein Verbrecherwerkzeug zusammenkaufen kann, wo sie PINs oder Schadsoftware bekommen. Früher benötigten Sie tieferes kriminelles Know-how und hohe kriminelle Energie. Heute kann jeder durchschnittlich begabte Kriminelle Baukästen für Schadsoftware kaufen.
ZEIT ONLINE: Auch früher konnte man schon problemlos Einbruchswerkzeug kaufen. Sehen Sie da wirklich einen Unterschied?
Friedrich: Nein, die Gesetze im Netz sind dieselben wie in der realen Welt: Diebstahl oder üble Nachrede sind hier wie da gleichermaßen rechtswidrig. Das Problem ist die Strafverfolgung, die Durchsetzung der Gesetze. Im Netz bleiben Täter viel leichter unentdeckt, der Ausgangspunkt eines Angriffs lässt sich leicht verschleiern.
- Datum 25.10.2011 - 13:48 Uhr
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Hr. Friedrich interessiert sich solange für die Regulierung des Netzes, wie es den eigenen Sicherheitsinteressen nutzt.
Da Datenschutz keinen "Sicherheitsgewinn" bietet kann man dies wiederum den Nutzern und der Privatwirtschaft überlassen, gleiches gilt für die Netzneutralität.
Wenn es um Facebook und co geht hat der Bürger sicher eine Wahl aber immer mehr Daten werden von Unternehmen in die Cloud ausgelagert, darauf hat der Bürger gar keinen Einfluss mehr. Diese Daten sind prinzipiell über das Internet verfügbar, abhängig von vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen der Anbieter.
Wettbewerb funktioniert auch nur solange, wie es Alternativen gibt. DSL-Anbieter wird man nicht mal ebenso, da man auf die Infrastruktur der Mitbewerber angewiesen ist, denn Anfangsinvestitionen in dieser Höhe kann man nicht mehr stemmen.
Anders ausgedrückt: Selbst wenn sich ein neuer Anbieter findet, könnte dieser lediglich auf die bereits vorhandenen Leitungen aufsetzen, mehr auch nicht.
Bliebe noch das Thema Sicherheit:
Hier will man dem Bürger suggerieren, dass es Sicherheit gäbe, wenn der Bürger dafür nur auf seine Freiheit verzichte.
Absolute Sicherheit ist eine Illusion und rein statistisch gesehen gäbe es viel dringendere Probleme, die man priorisiert behandeln müsste, um den Menschen einen wahrhaftigen (nicht nur gefühlten) Sicherheitsgewinn zu verschaffen.
Aber wie immer wird mit der Angst der Menschen gespielt, denn Menschen überschätzen unbekannte Risiken maßlos.
erinnert das noch jemanden an "günstigen Strom durch Wettbewerb"?
Die Artikelüberschrift lautet
"Friedrich plant Nichtangriffspakt für das Internet
Netzneutralität durch Wettbewerb, Datenschutz durch mündige Nutzer, Sicherheit durch Vorratsdaten. Innenminister Friedrich erläutert im Interview seine Netzpolitik."
Herr Friedrich will also auch einen "Nichtangriffspakt" mit Providern (keine Vorschriften zur Netzneutralität) und mit Fimen wie Goolge oder Facebook (keine klaren Datenschutzvorschriften und Maßnahmen zur Durchsetzung) schließen. Bloß mit dem Nutzer möchte er keinen Waffenstillstand sondern immer weiter gegen ihn vorrücken (Vorratsdatenspeicherung, Trojaner etc.).
Die Artikelüberschrift lautet
"Friedrich plant Nichtangriffspakt für das Internet
Netzneutralität durch Wettbewerb, Datenschutz durch mündige Nutzer, Sicherheit durch Vorratsdaten. Innenminister Friedrich erläutert im Interview seine Netzpolitik."
Herr Friedrich will also auch einen "Nichtangriffspakt" mit Providern (keine Vorschriften zur Netzneutralität) und mit Fimen wie Goolge oder Facebook (keine klaren Datenschutzvorschriften und Maßnahmen zur Durchsetzung) schließen. Bloß mit dem Nutzer möchte er keinen Waffenstillstand sondern immer weiter gegen ihn vorrücken (Vorratsdatenspeicherung, Trojaner etc.).
Wenn ich mir die "kritischen" Fragen anschaue, sehe ich auch, wo der deutsche "Qualitätsjournalismus" gelandet ist.
Wo lernt man solches Handwerk, keine kritischen Fragen, kein hinterherhaken bei abstrusen Worthülsen, alles nur brav brav.
wer als Journalist allzu kritische Fragen stellt, wird nie wieder zu Ministerinterviews eingeladen.
Es gab mal eine schöne Doku zu diesem Dilemma eines Journalisten, lief unter Frontal21. Das genaue Datum habe ich leider nicht mehr im Kopf, müßte aber auf jeden Fall noch online sein.
wer als Journalist allzu kritische Fragen stellt, wird nie wieder zu Ministerinterviews eingeladen.
Es gab mal eine schöne Doku zu diesem Dilemma eines Journalisten, lief unter Frontal21. Das genaue Datum habe ich leider nicht mehr im Kopf, müßte aber auf jeden Fall noch online sein.
Das Bundesverfassungsgericht hat ganz klare Beschränkungen in Punkto Staatstrojaner und Vorratsdatenspeicherung gesetzt - und dennoch sagt Friedrich, "ich will aber, ich will, ich will, ich will!" und versucht alles, um sich irgendwie damit durchzuwurschtelt - von Verfassungsänderungsvorschlägen (!) über weich formulierte Gesetze bis hin zu Straftaten, anstatt einfach mal innezuhalten und zu überlegen, ob unsere Verfassung nicht vielleicht doch etwas wert sein könnte und das es wichtigeres geben könnte, als die Kriminalisierung und Verfolgung von Musikdownloadern, nur weil er von der entsprechenden Lobby bedrängt wird.
Auch mag ich seine Paradoxien - den Datenschutz dem Bürger aufbürden und zeitgleich mit Überwachung vernichten; die Kommunikation im Netz fördern um Wirtschaft zu unterstützen, andererseits Trojaner einsetzen, durch die Industriespionage möglich wird; den Rechtsstaat schützen, aber der Polizei (und privaten Dienstleistern!) Mittel in die Hand geben, mit denen man jedem Menschen "Beweismittel" unterschieben kann.
wer als Journalist allzu kritische Fragen stellt, wird nie wieder zu Ministerinterviews eingeladen.
Es gab mal eine schöne Doku zu diesem Dilemma eines Journalisten, lief unter Frontal21. Das genaue Datum habe ich leider nicht mehr im Kopf, müßte aber auf jeden Fall noch online sein.
Wann treten Sie zurück?
http://blog.fefe.de/?ts=b... http://www.golem.de/1110/... https://netzpolitik.org/2... http://www.bundestag.de/d... http://twitpic.com/72pp3w und, ganz am Rande http://www.focus.de/polit...
http://blog.fefe.de/?ts=b... http://www.golem.de/1110/... https://netzpolitik.org/2... http://www.bundestag.de/d... http://twitpic.com/72pp3w und, ganz am Rande http://www.focus.de/polit...
...und informatives Interview - was will man mehr? :-/
Hier ein kleiner Einblick, der klar macht, dass so mancher Innenminister in Europa wohl weniger an Skype, denn an einer eigenen Trojaner-Software interessiert ist.
Zitat aus dem Text vom Feb. 2009: Da organisierte Kriminelle etwa in Italien zunehmend VoIP-Dienste wie Skype nutzten, verhindere dies die Kriminalitätsbekämpfung. Gegenüber US-Medien hatte die eBay-Tochter [Anm.: Skype] dem allerdings heftig widersprochen. Vielmehr habe man Eurojust längst eine Mitarbeit angeboten. Dieser Darstellung haben sich mittlerweile auch die EU-Strafermittler in einem neuen Statement angeschlossen. Demzufolge habe Skype bereits im September 2006 an einem ersten strategischen Treffen zur Internet-Telefonie teilgenommen und eine Kooperation mit den Behörden vereinbart.
...eher Mumble, und als OS Linux nutzen! ;-)
...eher Mumble, und als OS Linux nutzen! ;-)
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