Angriff : Hacker knacken Datensätze von US-Sicherheitsunternehmen

Hacker sind unter dem Namen Anonymous in zentrale Datensätze des Sicherheitsunternehmens Stratfor eingedrungen. Zu dessen Kunden gehört das Pentagon.

Aktivisten haben unter dem Namen Anonymous einen Internet-Link per Twitter veröffentlicht, über den Interessenten Zugang zur Kundenliste von Strategic Forecasting (Stratfor) haben. Unter diesen Kunden sind den Angaben zufolge das US-Verteidigungsministerium, die US-Armee, die US-Luftwaffe und Technologie-Giganten wie Apple und Microsoft. Die Firma Stratfor berät ihre Kunden in wirtschaftlichen, sicherheitsrelevanten und weltpolitischen Fragen.

Die Aktivisten teilten unter dem Deckmantel Anonymous mit, sie hätten 4.000 Datensätze mit Kreditkarteninformationen, Passwörtern und Privatadressen erbeutet. Einer der Hacker meldete über den Kurznachrichtendienst Twitter, die Zugangsdaten für 90.000 Kreditkarten seien geknackt worden. Damit sei es möglich gewesen, von diesen Karten unfreiwillige Spenden im Gesamtumfang von mehr als einer Million Dollar abzubuchen.

Unter den genannten Beispielen war eine 494-Dollar-Spende an die Wohltätigkeitsorganisation CARE von Seiten des US-Verteidigungsministeriums und eine 180-Dollar-Spende vom Heimatschutz-Ministerium an das Rote Kreuz in den USA. Die Stratfor-Daten waren den Angaben zufolge leicht zugänglich, weil sie nicht verschlüsselt waren.

Der Nachrichtensender BBC und die Washington Post zitierten ein Anonymous-Mitglied, Ziel sei es, "mehr als eine Million Dollar" als Weihnachtsspenden umzuverteilen. Opfer hätten bereits von nicht genehmigten Überweisungen berichtet.

Später gab es ein weiteres Statement, in dem Aktivisten, die sich ebenfalls zur Anonymous-Bewegung zählen, behaupteten, das Ganze sei keine Anonymous-Aktion. Das Problem: Anonymous ist keine echte, nachvollziehbare Organisation. Daher ist es schwierig, Aussagen aus ihrem Umfeld zu verifizieren. Es ist möglich, dass nicht alle, die sich Anonymous zugehörig fühlen, einheitlich handeln.

Stratfor teilte mit, die Server und E-Mail-Accounts seien blockiert worden. Man arbeite mit den zuständigen Behörden zusammen, um die Verantwortlichen dingfest zu machen, erklärte Unternehmenschef George Friedman.

Die lose Bewegung Anonymous wurde bekannt, als sie die Webseiten von Firmen angriff, die gegen das Enthüllungsportal WikiLeaks vorgegangen waren. Eine der Gründe für den aktuellen Hackerangriff ist laut einem Bekennerschreiben, die mutmaßliche WikiLeaks-Quelle Bradley Manning frei zu bekommen – wenigstens für eine kurze Zeit. "Wir wollen, dass Bradley Manning an diesem Lulzxmas (Lulz bedeutet wie Lol: laugh out loud, d. Red.) ein köstliches Essen bekommt. Wir wollen, dass der draußen in einem schicken Restaurant seiner Wahl essen gehen kann, und wir wollen, dass dieses innerhalb von fünf Stunden passiert."

Gegen den US-Soldaten Manning läuft ein Verfahren, in dem entschieden wird, ob er vor ein Kriegsgericht kommen wird, weil er geheime Videos und Berichte über den Einsatz im Irak an WikiLeaks weitergegeben haben soll.

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Kommentare

42 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

we are legion

So langsam merkt Anonymous auch das Problem an einer strukturlosen Gruppierung. Jeder der will kann Mist bauen und sich dann Anonymous nennen. Zu jeder zweiten Aktion von Anonymous liest man ein Dementierungsschreiben von Anonymous, dass sie mit der Aktion nichts zu tun hätten. Den namen Anonymous zu diskreditieren ist unglaublich einfach. Bei einem Großteil der Bevölkerung wird der Name Anonymous bald nurnoch für Kriminelle im Internet stehen, und nicht wie angestrebt für die Robin Hoods oder Batmans des Internets.

Das ist nicht das gleiche:

Sie machen einen Fehler.

Wenn man den Artikel liest, so wurden Firmenkreditkarten (!!) benutzt - das ist nicht das gleiche wie eine Privatperson.
Dazu ist das Pentagon ja auch noch ein staatliches schwarzes Loch für Geld...

Aber nehmen wir auch einmal an es befänden sich Individuen unter den "Kunden" der Firma. Wer für solche "Experten" (die oft glauben mehr zu wissen als sie tatsächlich wissen) zahlt ist im allgemeinen gut betucht.

Mit ihrem Vorschlag "jedem Deutschen 100€ zu stehlen" ist dies darum nicht vergleichbar.