Demonstranten halten leere Schilder in die Luft, sie protestieren gegen geplante Netzsperren in den USA. © Stan Honda/AFP/Getty Images

Der erste Internet-Streik  gegen die umstrittenen US-Gesetzesinitiativen  SOPA (Stop Online Piracy Act) und PIPA (Protect IP Act) zeigt Wirkung. Mehrere US-Senatoren beider Parteien überdenken ihre bisherige Unterstützung für die Gesetze. Sechs Republikaner baten den demokratischen Mehrheitsführer in der Kongresskammer, Harry Reid , den Gesetzgebungsprozess zu verlangsamen, um den Entwurf zu überarbeiten, wie die Washington Post berichtete .

"Wir hören immer deutlicher von Wählern und Betroffenen, dass sie sich große Sorgen über unbeabsichtigte Konsequenzen machen", schrieben die Senatoren. Die Gesetze sehen im Kampf gegen Raubkopien im Internet drastische Maßnahmen wie Netzsperren vor . Der republikanische Senator Marco Rubio, der unter den Initiatoren der PIPA-Gesetzgebung war, zog seine Unterstützung nach den Protesten zurück.

Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg äußerte sich : "Wir dürfen nicht zulassen, dass sich schlecht durchdachte Gesetze der Entwicklung des Internets in den Weg stellen." Das Online-Netzwerk ist mit seinen 800 Millionen Nutzern ein Schwergewicht der Internet-Branche. Binnen weniger Stunden klickten 455.000 Nutzer bei Zuckerbergs Facebook-Eintrag auf die Schaltfläche "Gefällt mir".

Der Autor des SOPA-Gesetzes, der republikanische Abgeordnete Lamar Smith, bekräftigte allerdings, er wolle sein Vorhaben weiter vorantreiben .

Wikipedia wieder online

Das Online-Lexikon Wikipedia ist inzwischen wieder erreichbar, aus Protest waren die englischsprachigen Artikel der Online-Enzyklopädie am Mittwoch für 24 Stunden nicht erreichbar. Stattdessen war auf der Website eine Protestnote vor schwarzem Hintergrund zu sehen. Nach Angaben von Wikipedia sahen dies mehr als 162 Millionen Menschen. Mehr als 12.000 Nutzer kommentierten die Aktion und eine Mehrheit unterstützte sie, teilte Wikipedia mit. Zudem hätten mehr als acht Millionen Nutzer die Kontaktdaten ihres Abgeordneten abgerufen. Wikipedia hatte ein entsprechendes Tool bereitgestellt und dazu aufgerufen, Druck auf die Abgeordneten auszuüben. Die Betreiber von Wikipedia riefen in ihrer Mitteilung zu weiterem Kampf gegen die Gesetze auf.

Auch viele andere Webseiten wie Google hatten sich am Mittwoch am Protest beteiligt, auch wenn nur wenige ihre Online-Dienste komplett sperrten. Google rief auf seiner Startseite zur Unterzeichnung einer Petition gegen die Gesetzesvorschläge auf. Nach Angaben von Google unterzeichneten 4,5 Millionen Menschen die Petition bis zum Mittwochnachmittag.

Einen koordinierten Widerstand in dieser Größenordnung hat es im Internet noch nie gegeben. Die Kritiker der Gesetzesinitiativen argumentieren, dass SOPA im Repräsentantenhaus und PIPA im Senat die offene Struktur des Internets gefährden. Mit der geplanten Infrastruktur könnten missliebige Inhalte zensiert und Internet-Anwender gegängelt werden, lautet der Vorwurf.