NetzfreiheitBlogger werden zunehmend geblockt

Zensur, Netzausfall, Verhaftungen und Mord – auch 2012 ist die Vorstellung vom freien Internet in vielen Ländern eine Utopie. Das zeigt der "Freedom of the Net"-Bericht. von 

Internetcafe in New Delhi, Indien

Internetcafe in New Delhi, Indien  |  © Tsering Topgyal/AP Photo

Uneingeschränkter Zugang zu Informationen, freie Rede und ein ungehemmter Meinungsaustausch mit anderen Usern im Internet – das ist auch im Jahr 2012 in weiten Teilen der Welt nur ein Ideal. Die US-Nichtregierungsorganisation Freedom House kommt in ihrem Bericht Freedom of the Net 2012 zu dem Schluss, dass Regulierung und Zensur im Internet zunimmt und dass das Vorgehen von Regierungen gegen Blogger, Journalisten und Aktivisten immer brutaler wird.

47 Länder hat Freedom House von Januar 2011 bis Mai 2012 untersucht. Dafür ließ die Organisation neue Gesetze analysieren sowie Interviews und Stichproben durchführen. So wurde etwa getestet, ob ausgewählte Websites zu bestimmten Zeitpunkten in einem Land erreichbar waren.

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Das Ergebnis: In 20 Staaten haben sich die Restriktionen verschärft, darunter am stärksten in Pakistan , Bahrain und Äthiopien. In Ägypten , Jordanien und Bahrain ließen die Regierungen vermehrt Inhalte zensieren und Menschen verhaften, nachdem die Forderungen nach politischen und wirtschaftlichen Reformen lauter geworden waren. Auch habe die Gewalt in diesen Ländern zugenommen.

Zensiert, bedroht, getötet

Sowohl die Zahl technischer als auch die physischer Attacken gegen Onlinejournalisten, Blogger und andere Internetnutzer ist gestiegen. Vor allem Onlinejournalisten sind demnach stärker in den Fokus der Regimes gerückt. Gleichzeitig werden die physischen Angriffe brutaler. So wurde etwa in Aserbaidschan ein bekannter Journalist und Mitarbeiter mehrerer Online-Nachrichtenseiten von Unbekannten niedergestochen. In Mexiko wurden mehrere Menschen getötet , die im Internet Informationen über das organisierte Verbrechen und die Korruption ausgetauscht hatten.

Um freie Rede und Online-Aktivismus im Keim zu ersticken, werden kritische Inhalte von Regierungen häufig gefiltert und blockiert. Vermehrt ließen sie auch das gesamte Netz oder bestimmte Telefonnetze sperren. Etwa wenn Massenproteste stattfanden oder sich ankündigten sowie in Zeiten bestimmter politischer Ereignisse.

Das Regime von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi ließ das Internet im März 2011 landesweit sperren. In weiten Teilen des Landes war es bis August 2011 nicht mehr verfügbar. In Syrien sind solche Ausfälle seit Ausbruch des Bürgerkriegs regelmäßig festzustellen . In Bahrain und China sind solche Fälle beispielsweise zu beobachten, wenn Proteste gegen die Regierung angekündigt wurden.

Die Kontrollmethoden von Regierungen werden dabei immer effektiver. Was vor einigen Jahren nur in China und Russland beobachtet werden konnte, wird nun Methode: In fast einem Viertel der untersuchten Länder engagierten die Regimes im großen Stil Blogger, die in ihrem Sinne Inhalte verbreiteten und Meinung machten. Allein in Bahrain wurden Hunderte solcher Trolle angestellt, die nationale und internationale Seiten auf regierungskritische Inhalte scannten und gegebenenfalls kommentierten.

Leserkommentare
  1. 8 Leserempfehlungen
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    • Isi 1st
    • 25. September 2012 14:00 Uhr

    *
    In Europa können solche Filter gar nicht eingesetzt werden. Die EU ist für die Menschen, die in ihr Leben da...
    Europa ist eine Demokratie, gegründet auf vielen Demokratien!
    Hier gibt es keine bösen Menschen.
    Wir sind die Guten!

    http://fm4.orf.at/stories...
    *
    ;-)

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

    6 Leserempfehlungen
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    • Isi 1st
    • 25. September 2012 14:11 Uhr

    ...und somit wäre die These, die hier zu lesen war, bewiesen... ;-)

    da es (irgendwie gefühlt) die Obrigkeit kritisiert.

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    • Isi 1st
    • 25. September 2012 14:00 Uhr

    *
    In Europa können solche Filter gar nicht eingesetzt werden. Die EU ist für die Menschen, die in ihr Leben da...
    Europa ist eine Demokratie, gegründet auf vielen Demokratien!
    Hier gibt es keine bösen Menschen.
    Wir sind die Guten!

    http://fm4.orf.at/stories...
    *
    ;-)

    7 Leserempfehlungen
    • Isi 1st
    • 25. September 2012 14:11 Uhr

    ...und somit wäre die These, die hier zu lesen war, bewiesen... ;-)

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
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    Differenzieren könnte man noch zwischen Faktenzensur und Meinungs- oder Gesinnungszensur.
    Wessen Meinung oder Auffassung ich nicht teile, wird gelöscht. Auch in D.

  3. da es (irgendwie gefühlt) die Obrigkeit kritisiert.

    11 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  4. Wenn an meiner Haustür Schäuble mit seinen "Jungs" wegen einer
    Rasterfahndung klingelt, vertraue ich dem Verfassungsschutz, weil er
    mich nach dem BGB behandelt. Auch wenn sie mich an den BND weiterleiten, fühle ich mich sicher, da das BNDG ja nicht viel anders sein kann als das BGB. Nun sitze ich im Flieger, ka wohin.... Nehme an, es handelt sich um Amerikaner. Bei der Ankuft bin ich mir sicher, das ich auf einer Insel sein muss. Vllt Kuba? Gratis Urlaub, und das ganz ohne Visum, Reisepass oder Reisebüro. Vllt wache ich auf, da es ein Traum sein muss...

    4 Leserempfehlungen
  5. Wenn Großkonzerne wie Google, Apple, Facebook, Amazon etc. immer mehr die Kommunikation der Menschen kontrollieren, dann entfernen wir uns zusehend von der demokratischen Idee. Die Bewohner von Terra sollten sich keine Zensur gefallen lassen. Wir benötigen für eine bessere Zukunft ein globales TV-Netz und ein "Gobal-Human-Forum" in dem unzensiert kommuniziert werden kann und in dem es möglich ist, strittige Fragen zu klären und Argumente und Gegenargumente klar und mit der ganzen Verästelung aller Argumente gegenüberzustellen.

    Das Internet ist eine Art Großhirn der Menschheit und es sollte vorwiegend nicht hierarchisch von oben nach unten, sondern von unten nach oben organisiert werden (Bottom-up).

    Im Kommunikationszeitalter sollte ein satellitengestüztes Kommunikationsnetz mit billigen Sat-Smartphones und Tarifen als sende/empfang Webzugangsmöglichkeit von jedem Punkt der Erde (unabhängig jeder Zensur) eingerichtet werden, statt aus militärischen Gründen das 3. oder 4. GPS System doppelt zu mobbeln. Anstatt der blockierten UNO sollte ein "United World Project" so etwas organisieret. Ein Mega Projekt für Crowdfunding Plattformen wie kickstarter.com ?

    Es wäre möglich in einer künftigen Funktion von Smartphones, sich via verbesserter WLAN Funktion als Netz von Gerät zu Gerät zu verbinden. Wenn dies gelingen würde (incl. Solarzellen als Smartphone-Rückseite) dann wäre die Kommunikation zwischen den Menschen nicht mehr abschaltbar, dann noch eine "Liquid Democracy App"...

    2 Leserempfehlungen
  6. Ich behaupte das Inet hatte immer zum Ziel die Menschheit zu kontrollieren und zwar so indem man deren Gedanken und Beweggründe zu jeder Zeit kennt und bewerten und zurückverfolgen kann. Das Inet ist doch der Traum eines jeden Überwachungsstaates alle Daten im Inet sind mitlesbar wenn das jemand möchte der an der Quelle sitzt. Die Quellen sind die Router durch die der Datenverkehr geht da kann man sich reinhängen und mitlesen und wer diktiert das Inet das ist die USA denn dort sind die Hauptrouter.

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  • Schlagworte Blogger | Internet | Island | Muammar al-Gaddafi | Zensur | Birma
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