RechteverwertungClubbesitzer protestieren gegen die Gema

Die Gema versucht, den Protest gegen ihre geplante Tarifreform mit Zahlen zu entkräften. Die Reformgegner, allen voran die Betreiber von Clubs und Discos, halten dagegen. von Sophie Schimansky

In elf deutschen Städten haben Clubbesitzer, Veranstalter und Musikfans gegen die Tarifreformen der Verwertungsgesellschaft Gema protestiert. Allein in Berlin gingen einige Hundert Menschen auf die Straße. Auf der Facebook-Seite des Club- und Veranstaltungs-Netzwerks FairPlay äußerten Kritiker der Reformpläne ihre Empörung. Die Gema sei "überflüssig", "arrogant", "ungerecht". Selbst die Abschaffung der Einrichtung wurde gefordert.

"Die Reformen der Gema zerstören weiträumig Kultur", sagte dazu Organisatorin Sabine Hoffman-Acheampong von FairPlay. Durch die Tarifänderungen würden Preissteigerungen von bis zu 1.000 Prozent auf die Veranstalter zukommen.

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Wenige Stunden vor den Protesten gab die Gema eine Pressekonferenz in Berlin. Darin bekräftigte sie ihre Haltung zu den Reformen, die nächsten April in Kraft treten sollen. Bereits am Montag hatte die Gema ihre Mitglieder mit einer E-Mail auf die Proteste zum heutigen Aktionstag vorbereitet. Der Inhalt der E-Mail taucht wenige Stunden später im Internet auf. So schrieb die Gema, sie sei rechtlich nicht in der Lage, die Proteste zu verbieten. Gema-Kritiker interpretierten den Satz so, als würde die Gema den Protest aber am liebsten verbieten lassen.

Auf der heutigen Pressekonferenz zeigte sich Gema-Sprecherin Ursula Goebel aber verständnisvoll. "Ich verstehe, dass es gerade für viele schwierig ist", sagte sie.

Problem der Gleichstellung aller Clubs und Diskotheken

Aus einem Statement der Direktion in München geht gar hervor, die Gema begrüße die Demonstrationen, da so der Stellenwert der Musik innerhalb der Gesellschaft deutlich würde.

Am Dienstag hatten zwei Gema-Mitglieder, die Berliner DJs Andi und Hannes Teichmann, öffentlich auf die E-Mail reagiert und damit für Aufsehen gesorgt. "Ja, ich bin selber Urheber, fühle mich aber in vielen Punkten von der Gema eher schlecht vertreten" schrieb Hannes Teichmann auf seiner Facebook-Seite. Es könne keine Gleichstellung von anspruchsvollen Musik-Clubs und Diskotheken im klassischen Sinne geben.

Leserkommentare
  1. Die Aussage von Frau Goebel wird im Artikel wiedergegeben mit:
    "Auch bei der veranschlagten Abgabe von 10 Prozent des Umsatzes habe es Missverständnisse gegeben. Dieser Anteil, den die Veranstalter von ihren Einnahmen aus den Eintrittsgeldern an die Gema zahlen müssen, sei bereits inklusive diverser Zeitzuschläge."

    Im Tarif M-V heißt es im Rahmen der Härtefallnachlassregelung auf die sich Frau Goebel bezieht:
    "Die Vergütung kann die Mindestvergütung der Vergütungssätze II., ggfs. zuzüglich Zeitzuschläge und Zuschläge aus weiteren genutzten Urheberrechten, nicht unterschreiten."

    Nach unten hin sind die Härtefallbeträge mit den Mindestvergütungen ZUZÜGLICH von Zeitzuschlägen und weiteren Zuschlägen gedeckelt, weitere Nachlässe werden nicht gewährt.
    Darüber hinaus ist zu bemerken dass die GEMA die Mindestvergütungssätze, welche hier zum Tragen kommen, um bis zu 76% erhöht hat.

    Auch sind fast alle kostenlose Veranstaltungen von dieser Erhöhung der Mindestvergütungssätze betroffen und werden zukünftig stärker zur Kasse gebeten.

    Mit freundlcihen Grüßen
    Jens Fiala
    (Kultur-retten.de)

    6 Leserempfehlungen
    • raabbel
    • 06. September 2012 20:29 Uhr

    das bild stammt aus dresden ;)

    zwecks der internen gema mail http://www.golem.de/news/...

  2. Interessante Passage aus dem wikipedia-Artikel zur GEMA:

    "De facto wurde jedoch bislang jeder Versuch der Gründung einer Konkurrenzinstitution zur GEMA vom Deutschen Patentamt verhindert und die Eigenvertretung der Rechtsansprüche ist für einen einzelnen Künstler kaum zu bewerkstelligen".

    Vielleicht finden sich in der neuen Situation ja genügend Anbieter und Abnehmer, um eine Art Indy-GEMA mit innovativem Konzept zu gründen und dies durchzupauken. Konkurrenz belebt das Geschäft. Und was am Geschäftsmodell der GEMA so patentwürdig sein soll, erschließt sich mir nicht ohne weiteres.

    Kann sich da die FDP nicht ein bisschen profilieren, als liberale Partei mit Fokus auf der freien Marktwirtschaft? Für die Fünfprozenthürde sollte sie jede Stimme mitnehmen.

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    • JAM030
    • 06. September 2012 21:49 Uhr

    Tatsächlich wird kein Künstler gezwungen, in die GEMA einzutreten und kann seine Rechte auch selbst verwerten. Dafür wären dann Verwertungsverträge mit jedem Nutzer der Musik notwendig - wenn der Künstler Geld für seine Arbeit sehen will.

    • JAM030
    • 06. September 2012 21:42 Uhr

    Die Haltung der Clubs ist vermessen. Jedes Unternehmen muss für genutzte Ressourcen bezahlen. Wenn die Ressource ein Softgood wie Musik ist, kostet das. Es protestiert ja auch keiner dagegen, dass eine Brauerei Geld für Bierlieferungen an die Clubs haben will.

    Proteste gegen die Gema sind versteckte Proteste gegen Künstler, die für ihre Werke Geld haben wollen. Um das weiter zu verschleiern, bezeichnen sich Club-Betreiber dann auch mal gern als "Kreative". Ein echter Witz!

    Ich finde es gut, wenn die Gema als von Musikern beauftragte Verwertungsgesellschaft sich hier durchsetzt. Niemand sollte zum wirtschaftlichen Vorteil anderer so ausgenutzt werden, wie es die Clubs bislang getan haben.

    3 Leserempfehlungen
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    Wenn ich ein besonderes Bier aus einer kleinen Microbrewery trinke, möchte ich auch nicht, dass von den dafür bezahlten 4 EUR der Großteil an Warsteiner oder Beck's transferiert werden, weil sie als Massenproduzent bei einer "Bierabrechnungsgesellschaft" an der gedeckten Tafel sitzen und der Kleinbrauer nur am Katzentisch.

    Der folgende Artikel aus der FR beleuchtet die problematische Struktur der GEMA:
    http://www.fr-online.de/k...

    Sie können gerne weiterhin behaupten, dass Gegner dieses Geschäftsmodells ausschließlich Schnorrer und Piraten sind.

    als wollten die Diskothekenbesitzer überhaupt nichts mehr zahlen. Dies ist aber nicht das Anliegen der Betreiber. Fänden Sie es nicht auch etwas dreist, wenn ein Clubbesitzer, der bisher jährlich eine Pauschale von etwa 7000 Euro jährlich zahlen musste, auf einmal 35 000 blechen müsste (abgeleitet aus dem Umsatz; Quelle: Bayern 3 Nachrichten der vergangenen Nacht)?

    Der Unterschied hinsichtlich der zu entrichtenden Zahlungen ist meiner Ansicht nach beträchtlich und das schwarze Banner mit der Kuh treffend!

    das Argument.

    damit wir mal eines immer noch festhalten:
    Die GEMA hat zwischen 12-15 % Verwaltungskosten und 12-15 % von Y ist mehr als 12-15 % von X (Y > X), also verdient die die GEMA erstmal massig mit.
    Dann gibt es nocht die "Premium-Klasse" der GEMA die dann auch noch richtig absahnen.
    Siehe dazu PRO-Modell.

    Also erstmal überlegen, dann mit den "Besitzstandssprüchen2 kommen.

    • JAM030
    • 06. September 2012 21:49 Uhr

    Tatsächlich wird kein Künstler gezwungen, in die GEMA einzutreten und kann seine Rechte auch selbst verwerten. Dafür wären dann Verwertungsverträge mit jedem Nutzer der Musik notwendig - wenn der Künstler Geld für seine Arbeit sehen will.

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    Es stand auch in der zitierten Passage, dass kaum ein Urheber in der Lage wäre, selbst die Früchte seiner Arbeit einzutreiben.
    Eine konkurrierende Organisation könnte das durchaus. Es dürfte einige Musiker geben, die mit der GEMA unzufrieden sind und sich gerne von jemand anderem vermarklten lassen würden.

    wäre da nicht die GEMA-Vermutung.

    Selbst ohne dass man irgendetwas mit der GEMA zu tun hat, wird man gezwungen erst einen Beweis zu erbringen, das man nicht dort ist oder man muss eben trotzdem bezahlen.. Siehe Rechtsstreit mit den Musikpiraten

  3. Es stand auch in der zitierten Passage, dass kaum ein Urheber in der Lage wäre, selbst die Früchte seiner Arbeit einzutreiben.
    Eine konkurrierende Organisation könnte das durchaus. Es dürfte einige Musiker geben, die mit der GEMA unzufrieden sind und sich gerne von jemand anderem vermarklten lassen würden.

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  4. Wenn ich ein besonderes Bier aus einer kleinen Microbrewery trinke, möchte ich auch nicht, dass von den dafür bezahlten 4 EUR der Großteil an Warsteiner oder Beck's transferiert werden, weil sie als Massenproduzent bei einer "Bierabrechnungsgesellschaft" an der gedeckten Tafel sitzen und der Kleinbrauer nur am Katzentisch.

    Der folgende Artikel aus der FR beleuchtet die problematische Struktur der GEMA:
    http://www.fr-online.de/k...

    Sie können gerne weiterhin behaupten, dass Gegner dieses Geschäftsmodells ausschließlich Schnorrer und Piraten sind.

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  5. wäre da nicht die GEMA-Vermutung.

    Selbst ohne dass man irgendetwas mit der GEMA zu tun hat, wird man gezwungen erst einen Beweis zu erbringen, das man nicht dort ist oder man muss eben trotzdem bezahlen.. Siehe Rechtsstreit mit den Musikpiraten

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  • Schlagworte Gema | Gleichstellung | Protest | Reform | Studie | Umsatz
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