Der Computerwissenschaftler Eben Upton war Doktorand an der Cambridge University, als er eine Beobachtung machte : Der Großteil der jungen Informatikstudenten wusste gar nicht, wie ein Computer eigentlich funktioniert. Den Grund hatte er schnell ausgemacht. Viele Kinder und Jugendliche lernen zwar den Umgang mit Software, aber kaum jemand zeigt ihnen den Aufbau der dazugehörenden Geräte. Eine Lösung musste her und Upton und seine Kollegen wollten sie finden. Einen preiswerten Computer, der klein und robust genug ist, um ihn täglich im Rucksack zu transportieren, und der gleichzeitig viele Möglichkeiten bietet. Das war 2006. Die Idee des Raspberry Pi war geboren.

Seit Beginn dieses Jahres ist das Raspberry Pi erhältlich . Dabei handelt es sich um einen sogenannten Einplatinen-Computer. Alle für den Betrieb erforderlichen Komponenten befinden sich auf einer einzigen Leiterplatte. Das spart vor allem Platz. Das Raspberry Pi ist gerade einmal so groß wie eine Kreditkarte und bietet doch zahlreiche Anschlussmöglichkeiten. Das neuere B-Modell besitzt einen Audio- und zwei Videoausgänge, einen Slot für SD-Speicherkarten, einen Netzwerkanschluss sowie zwei USB-Anschlüsse. Die zentrale Schaltstelle ist ein Chip auf Basis der ARM-Architektur , die auch in Smartphones vorkommt. Das Raspberry Pi ist zudem sehr günstig: Knapp 30 Euro kostet das System.

Da das Raspberry Pi keine Festplatte besitzt, muss das Betriebssystem vorher auf einer SD-Karte installiert werden. Zurzeit unterstützt das System vor allem diverse Linux-Distributionen. Es gibt aber bereits Portierungen von mobilen Betriebssystemen wie Android oder ChromeOS, was ganz im Sinne der Erfinder liegt: Denn das Raspberry Pi soll nicht nur das Interesse von Hobby-Entwicklern wecken, sondern ganz nebenbei eine neue Kultur in der Hardwareentwicklung vorantreiben.

Open-Source-Hardware

Den nächsten Schritt auf diesem Weg hat das Team jetzt im offiziellen Blog vorgestellt . Als letztes fehlendes Puzzlestück hat der Chiphersteller Broadcom, dessen Technik im Raspberry Pi steckt, den Grafiktreiber als Open Source veröffentlicht. Der Vorteil quelloffener Treiber ist, dass sie die Verwendung der Hardware mit neuen Betriebssystemen erleichtern. Treiber können angepasst werden, ohne sie vorher mühsam nachkonstruieren zu müssen, oder sich eine meist beschränkte Erlaubnis der Hersteller zu besorgen. Entsprechend euphorisch geben sich die Raspberry-Pi-Macher im Blog.

Nicht ganz so überzeugt sind dagegen die Nutzer. Bereits kurz nach der Ankündigung bemängelten einige , dass allenfalls die Hälfte des Grafiktreibers quelloffen ist. Die andere Hälfte, die Firmware, werde weiterhin automatisch beim Systemstart geladen und sei deshalb vor neugierigen Einblicken geschützt. Das Lob an Broadcom, wo Eben Upton nicht ganz zufällig inzwischen arbeitet, sei deshalb zu positiv ausgefallen. Andere Nutzer sehen in der Entscheidung dagegen einen guten Kompromiss zwischen den Ansprüchen von Herstellern und Entwicklern.

Das Team des Raspberry Pi versucht sich derweil als Schlichter: Broadcom habe genau die Teile als Open Source veröffentlicht, die für die Portierung auf andere Systeme erforderlich seien und sei damit der erste Hersteller von ARM-Chips, der das tut.