StreitwocheIst das Netz ein Streitbeschleuniger?

Streiten per Facebook, E-Mail oder SMS folgt eigenen Regeln: Antworten kommen zeitversetzt, Mimik und Stimme fehlen. Wie verändert das den Streit? Diskutieren Sie mit! von 

Vor der Erfindung des Telefons, der SMS und der E-Mail mussten alle viel Geduld haben, die sich streiten wollten, aber fern voneinander wohnten. Der Streiter schrieb einen Brief, der konnte einige Tage unterwegs sein. Bis dann die Antwort da war, dauerte es noch einmal so lange. Genug Zeit, um sich abzuregen. Das ist vorbei. Doch wie verändern digitale Kommunikationsformen eigentlich Streiten?

Endlich richtig streiten - die Themenwoche

Wir müssen dringend wieder streiten – auch laut und heftig. Denn ohne solche Konflikte gehen gehen unsere Beziehungen kaputt, unsere Identität – und am Ende unsere Demokratie. ZEIT ONLINE will in einer Themenwoche zeigen, wie man sich konstruktiv und erfolgreich auseinandersetzen kann: in der Partnerschaft und der Familie, am Arbeitsplatz und in der Schule, unter Bürgern und im Bundestag, sogar im Internet und in der Religion.

Die Folgen der Serie

Streitkultur: Streitet euch! Ein Essay

Sexualität: Streiten öffnet das Herz und andere Teile der Anatomie

Familie: Wenn Eltern "Ich will" sagen

Schule: Ohne Streit kein Unterricht

Internet: Ist das Netz ein Streitbeschleuniger? Eine Leserdebatte

Arbeit: Lass uns streiten, Chef

Unternehmen: Die Wohlfühl-Lüge

Politik: Geistige Terroristen sind ausgestorben

Wutbürger: Wir lassen Euch nie mehr in Ruhe

Religion: Elefanten-Gott trifft Lamm

ALS E-BOOK

Die Serie Endlich richtig streiten gibt es unter dem Titel Streiten hilft auch als E-Book. Jetzt für Ihren eReader in einer hochwertig aufbereiteten Fassung. Unser E-Book steht Ihnen dabei als EPUB-Version für Ihren eReader, sowie als MOBI-Version für Ihr Kindle Lesegerät von Amazon zur Verfügung.

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Häufig wird die Diskussion dieser Frage auf öffentliche Foren reduziert. Zum digitalen Streiten gehören aber mehr Teilnehmer als nur Trolle: Arbeitskollegen, die sich per E-Mail miteinander anlegen; Schulfreunde, die sich in Facebook-Gruppen in die Haare kriegen; Beziehungspartner, die vorwurfsvolle SMS austauschen.

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Wird ein Streit konstruktiver, wenn er per E-Mail, SMS oder Facebook-Nachricht stattfindet? Dafür spricht, dass die Streitenden kurz innehalten können, bevor sie ihre Antwort tippen und auf Enter drücken, statt ihre Wut gleich herauszubrüllen. Apropos brüllen: Wie stimmgewaltig jemand ist, spielt keine Rolle, nur das geschriebene Wort zählt. Und wer möchte, kann sich für einige Zeit oder auch für immer aus dem Konflikt zurückziehen, indem er einfach nicht mehr antwortet oder den anderen blockt oder entfolgt.

Oder verschärfen digitale Kommunikationsformen vielmehr den Streit? Weil jede Aussage dokumentiert wird, kann ein Konflikt immer wieder hochkochen. Jeder unüberlegte Wutausbruch kann später hervorgeholt werden. Missverständnisse sind wahrscheinlicher, wenn nur ein Text eine Meinung übermitteln soll. Mimik und Stimme fehlen. Ein persönlicher Streit kann im Netz schnell außer Kontrolle geraten, zum Beispiel wenn Leute auf Twitter öffentlich diskutieren und sich andere in den Konflikt einmischen. Und ganz so leicht lässt sich einen digitaler Streit auch wieder nicht ignorieren: SMS, E-Mails und Facebook-Nachrichten werden weitergeschrieben, auch wenn eine Seite nicht mehr antwortet.

Was meinen Sie? Streiten wir konstruktiver, wenn wir unsere Botschaften per Handy und Computer übermitteln? Oder macht das alles nur schlimmer? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

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Leserkommentare
  1. Solange ich als Waggeldaggel schreibe ist es mir schnurz, dass die ganze Welt mitlesen kann.
    Grundsätzlich versuche ich, eine Sperrung zu umgehen, indem ich moderat antworte - klappt nicht immer.

    Aber die Frage:

    >>Wie verändert es den Streit, wenn die Streitenden wissen, dass die ganze Welt mitlesen kann?<<

    würde ich gerne zurückgeben. Reizt es Sie nicht, ein "Bewertungssystem" aufzubauen, das Waggeldaggel nicht nur als jemanden ausweist, der 4711 08/15-Beiträge abgesondert hat, sondern hie und da auch Qualität?

    So ein gewichtetes Mittel aus Leser-, Redaktionsempfehlungen und Hey-da-hat-jemand-eine-Quelle-angegeben-Lob?

    Ich wär so gerne ein Level-Drei-Diskussionsteilnehmer ;-)!

    Antwort auf "Mit Publikum und ohne"
  2. Ich bin bin Teil einer Gruppe von seinerzeit 50 Leuten, die einem gemeinsamen Hobby nachgeht. Da wir über Deutschland verteilt wohnen, hatten wir ein gemeinsames Forum, über das wir uns austauschen.

    Wenn wir uns auf Treffen und Veranstaltungen gesehen haben, gab es da auch immer Unstimmigkeiten, aber soziale Konventionen haben verhindert dass diese aufgebrochen sind.

    Online allerdings wurde der Ton immer rauer, bis schließlich die Gruppe in 2 Teile zerbrach. Ein anschließendes Live-Treffen konnte es nicht mehr richten, durch den Online-Streit waren die Gräben zu tief.

    Ich kann daher die Erfahrung bestätigen dass Online manchmal Dinge hochkommen die es vorher schon gab, die aber "live" unter dem Deckel geblieben wären. Die 2 Teile in die die Gruppe zerbrach waren aber die die sich auch "offline" schon gezeigt hatten. Man stritt also nicht entlang von Argumentationslinien, sondern entlang von informellen Gruppenzugehörigkeiten "(Wir gegen Die)"

    Was das "alle können mitlesen" angeht, führte es dazu dass viele Teilnehmer ihre Posts so formulierten dass möglichst viele Leute ihnen zustimmten. Also mehr Büttenrede, mehr "Puns" , Sprüche und Spitzen austeilten um ihren Posts Unterhaltungswert zu geben. Das spitzte den Streit aber nur noch mehr zu, weil man sich nun übereinander lustig machte.

    Ärgerlich war auch das Ungleichgewicht, weil manche Teilnehmer (die Forenadmins) mehr Macht hatten und gesagtes löschen konnten. Der Rest musste mit seinen Postings leben.

  3. ll*(

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    hehe ... danke.

    Mal sehen, ob es das nächste Mal hilft. ;)

  4. streiten in der digitalen kultur ist etwas, das wir alle immer noch lernen müssen. es ist ein aspekt der sozialen interaktion, die sich ja insgesamt mit dem einzug des internets in unseren alltag verändert hat.

    ich glaube, dass das digitale und das analoge nicht mehr wirklich zu trennen sind. die alltägliche mediennutzung - von twitter,fb, diaspora, tumblr ... über werkzeuge wie email oder skype - haben bereits die art und weise verändert wie wir miteinander kommunizieren und daher auch wie wir miteinander streiten.

    trolle und shitstorms gehören da ebenso dazu (wenn auch nicht besonders schön) wie spam. das ist eben eher die dunkle seite der netzkultur.

    dem streit geht aber doch erst einmal die möglichkeit der kollaboration und des austausches voraus. ein spannendes experiment für einen solchen transmedialen und translokalen austausch war: http://www.electrosmogfestival.net/
    in der dokumentation wird deutlich, wie schwierig die zusammenarbeit und wie groß die inkompatibilitäten sind.
    es wird aber auch deutlich, wie fruchtbar es sein kann dem unbekannten und fremden zu begegnen, das meine eigenen konventionen, kommunikations- und handlungsweisen herausfordert. das macht den guten dialog aus, und manchmal ist das dann eben ein streit.

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  • Serie Endlich richtig streiten
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeitskollege | Botschaft | Brief | Computer | Erfindung | Forum
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