Computerspiele sind in den Augen vieler Eltern kein sinnvolles Hobby für ihre Kinder. Wüssten sie mehr darüber, wären sie anderer Meinung, schreibt Leser Roman Herbig.
Viele Eltern kennen das: Das Kind sitzt wieder stundenlang am PC, reagiert gereizt, wenn man es anspricht, oder ignoriert einen gleich ganz. Es vergeudet lieber seine Zeit mit Computerspielen als sinnvolle Dinge zu tun.
Welches Spiel spielt Ihr Kind? Seit wann? Mit wem? Wie gut ist es darin? Diese vier trivialen Fragen können Eltern oft nicht beantworten. Sie sind zwar stolz auf die sportlichen oder musischen Aktivitäten ihrer Kinder. Sie wissen, dass ihr Kind Kapitän der Fußballmannschaft ist oder gerade Beethovens Mondscheinsonate am Klavier lernt. Über die Computerspiele ihres Sohnes oder ihrer Tochter aber wissen sie nicht Bescheid. Der Computer ist schließlich unwichtig, geradezu böse.
Ein Gedankenspiel: Einmal hat ihr Kind ein Fußballspiel, das andere Mal ein virtuelles Match gegen andere Computerspieler. Nun stellen Sie fest, dass ihr Kind noch etwas erledigen muss. Laufen Sie zum Sportplatz und erinnern ihn daran? Wohl kaum. Warum holen Sie ihn aber vom PC weg?
Um bei dem Gedankenexperiment zu bleiben: Bei einem Fußballspiel tolerieren oder wünschen Sie sich, dass Ihr Kind sich über einen Fehlpass ärgert, denn er zeigt Emotionen, will sich verbessern und aus Fehlern lernen. Warum finden sie den gleichen Wutausbruch bedenklich, wenn er vor dem Monitor stattfindet? Und nach einem Fußballspiel informieren Sie sich, wie das Spiel ausgegangen ist. Warum nicht nach einem Computerspiel?
- Leserartikel auf ZEIT ONLINE
ZEIT ONLINE präsentiert regelmäßig ausgewählte Leserartikel, die unsere eigenen Inhalte um zusätzliche Meinungen, Erfahrungsberichte und Sichtweisen bereichern. Vor der Veröffentlichung nehmen wir mit den Autoren Kontakt auf und sprechen über den Text, anschließend wird der Leserartikel von uns redigiert und bebildert. Auch bei Leserartikeln, die unter Pseudonym veröffentlicht wurden, kennt die Redaktion Namen und Anschrift des Autors. Alle weiteren Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.
- Leserartikel schreiben
-
Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Was freut, ärgert oder verwundert Sie? Welches Buch, welche Musik oder welchen Film würden Sie gerne einmal auf ZEIT ONLINE rezensieren? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihren Leserartikel. In unseren Leserartikel-FAQ finden Sie alle wichtigen Hinweise, wie Sie beim Verfassen Ihres eigenen Artikels für ZEIT ONLINE vorgehen sollten.
- Der ZEIT-ONLINE-Wald
-
© BeneA / photocase.comAls symbolisches Dankeschön pflanzen wir für jeden Leserartikel, den wir veröffentlichen, einen Baum. Dabei arbeiten wir mit iplantatree.org zusammen. Zum Start des neuen Leserartikel-Projekts haben wir schon 1000 Bäume in Berlin Friedrichshagen gepflanzt und hoffen, dass daraus im Lauf der Jahre ein ganzer ZEIT-ONLINE-Wald wird. Mehr Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.
Computerspiele sind nicht zwangsläufig eine Beschäftigung, um Zeit tot zu schlagen. Es gibt professionelle Ligen: In Korea etwa sind Profis an der Maus quasi Popstars. Auf der ESWC, der Weltmeisterschaft im eSport, ging es 2012 um insgesamt 215.000 Dollar in zehn Sparten. Die besten Spieler verdienen längst als sogenannte Pro-Gamer ihr Gehalt. Oft stehen sie in Teams fest unter Vertrag, besitzen also ein ähnliches Arbeitsverhältnis wie Fußballprofis.
Spiele fordern und fördern das Gehirn, sofern sie richtig eingesetzt werden. Die Geschwindigkeit moderner Ego-Shooter verbessert das Reaktionsvermögen, Rollenspiele erfordern komplexe soziale Interaktionen, Denk- und Strategiespiele verlangen Voraussicht sowie die Fähigkeit, spontan und flexibel Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Sie glauben das nicht? Informieren Sie sich bei Ihrem Kind, was es am Computer macht. Und spielen Sie selbst!









... bis auf den 4. Punkt.Natürlich besteht ein Unterschied zwischen Bälle treten und virtuelle Menschen abschießen. Wenn das aber in irgendeinerweise als Gegenargument gewertet werden kann müssen sie natürlich auch erklären, was daran so schlimm sein soll.
Ansonsten besagt der Artikel doch nicht, daß man eher Videospiele als Fußball zocken soll. Man soll doch lediglich als Eltern mehr Verständnis für die Hobbies seiner Kinder entwickeln. Ich hätte mir das von meinen Eltern einst gewünscht. Die haben aber sowohl meine Leidenschaft für Fußball wie auch für Videospiele immer bekämpft. Trotzdem spiele ich beides heute noch gerne. Hätte man mich mehr unterstützt, dann wäre eine dieser Leidenschaften vielleicht sogar zu meinem Beruf geworden.
Nun bin ich dank der Fehleinschätzung meiner Eltern nur ein Webdesigner. Gutes Geld, aber es langweilt mich.
und dem Artikel recht geben.
Ich spielte auch Jahre lang am PC oder an den Konsolen Spiele, war aber nebenbei noch in nem Fußball und nem Leichtathletikverein taetig.
Als ich die Vereine spaeter verließ habe ich bis heute Hobbymaeßig weitergemacht, spaeter noch kampfsport fuer den geistigen Ausgleich im Alltag gemacht. Habe uebrigens seit ichs tudiere viel mehr am PC zu sitzen oder ueberhaupt zu sitzen als frueher , wo ich mehr gezockt habe, und meine Wirbelsaeule hat eine perfekte Form laut einem Arzt neulich. Auch verspuerte ich nie Lust andere zu verpruegeln oder abzuknallen aufgrund von Spielen, als Junge macht man das auch ohne, als ich Kampfsort machte wurde meine Aggression geringer, auch nach ner Runde zocken, sei es strategei oder shooter, hat einen wieder beruhigt und ausgeglichen)
Was ich eigentlich sagen will zum Artikel, seit mein Vater fuer sich entdeckt hat am PC zu spielen, hat er auch mehr verstaendnis fuer diese Materie, man unterhaelt sich sogar ab und an ueber diverse Spiele, sei es Anno oder eine der Total War Reihe (er hats mit Strategiespielen, er liebt halt auch Schach), man quatscht darueber tauscht sich aus, gelegentlich verpaßt man sich auch mal ne Abreibung :D, shooter sind nicht so seins, under hat mir sogar frueher bei dem einen oder anderen RPG zugeschaut und mitgefiebert. Also ich kann nur sagen, wenn die Eltern dies akzeptieren und sich informieren, ist das angenehmer als wenn se staendig dagegen halten ;)
Ich habe Verständnis dafür, dass mein Sohn zockt, und meistens weiß ich, was er tut. Andererseits hat er Verständnis dafür, dass das Leben auch noch anderes Aspekte zu bieten hat, und schaltet den Rechner aus, wenn ich sage, es reicht.
Miteinander reden und die Welt aus den Augen des anderen betrachten hilft im Eltern-Kind-Verhältnis immer - beiden Seiten.
Ich bin mittlerweile 23 Jahre alt und hab in meiner Jugendzeit sozusagen in einem semiprofessionellen Rahmen WoW gezockt. Ich gebe zu, dass ich es in der ein oder anderen Situation übertrieben hab, kann aber die im Artikel geschilderte Reaktion absolut bestätigen. Meine Eltern haben damals zu keiner Zeit das Spiel als Hobby für mich anerkannt sondern stets nur als Suchtgefahr gesehen. Das Fußballbeispiel hatte daran auch nichts geändert...
Um hier diversen Vorurteilen entgegenzuwirken:
ja, gerade Online-Spiele können ein gewisses Suchtpotenzial entfalten und dieses ist in keinster Weise zu unterschätzen. Statt aber nur ablehnend zu reagieren sollte man als Elternteil versuchen zu verstehen, wofür die Zeit benutzt wird. Beispielsweise ist es in WoW notwendig sich mit anderen Spielern mehrmals wöchentlich für mehrere Stunden zu treffen um im Spiel voran zu kommen.
Und dementsprechend sind PC-Spiele auf jeden Fall auch interaktiv. Die Spiele können dabei mitunter sehr komplex sein. Wer wirklich gut sein will muss sich meist tiefgreifend mit der Materie (z.B. mit der hinter dem Spiel stehenden Mathematik) beschäftigen. Strategien insbesondere in großen Gruppen(in WoW bis zu 25 Spieler) erfordern mitunter ein hohes Maß an Koordination und Konzentration, was nach mehreren Stunden auch genau wie ein Fußballspiel ziemlich anstrengend werden kann.
Ich bin etwas erstaunt ob des Grundtenors des Artikels sowie der ganzen Diskussion. Im Endeffekt wird überall suggeriert, dass die Beschäftigung mit Computerspielen, besonders seitens Erwachsener/Eltern, rein instrumentell gedeutet wird. Also: Ich spiele, um
- meine Kinder besser zu verstehen bzw. Ihnen Medienkompetenz zu vermitteln
- um eventuell gewisse Fähigkeiten zu trainieren (wie Reaktionsfähigkeit etc.)
- um Zeit "totzuschlagen"
Interessanterweise ist selten die Rede davon, dass man tatsächlich - auch Eltern! - aus genuinem Interesse an Computerspielen spielen könnte. Ist es nicht denkbar, dass es auch Eltern gibt, die nicht nur spielen im Sinne einer pädagogischen Maßnahme für die Kinder, sondern weil sie sich an und für sich, aus intrinsischer Motivation, bspw. für science-fiction oder fantasy interessieren? Weil dies eventuell einen wichtigen Part in deren Leben einnimmt? Ich selbst bin Vater von 2 Kindern und spiele leidenschaftlich gern - aber gewiß nicht wegen der Kinder, denn diese sind mit 2 bzw. 3 Jahren viel zu jung. Sondern sich spiele, weil ich, schlicht und einfach gesagt, den ein oder anderen Ausflug in "fremde Welten" liebe und dieser mich auch mental und seelisch bereichert. Ich habe allerdings das Gefühl, dass wir in der allgemeinen Diskussion noch lange nicht soweit sind, auch diese Einstellung als "legitim" zu betrachten.
Naja, das sind aus meiner Erfahrung heraus doch meist die Menschen, die nicht einmal in der Lage sind sich einen Computer zusammen zu bauen, geschweige denn ein Windows 7 zu Installieren ;-).
Es geht hier doch nicht darum Spiele zum obersten Kulturgut zu erheben, sondern darum sie von ignoranten Eltern nicht zum niedersten Kulturgut abzustempeln. Es geht darum sie als Freizeitbeschäftigung auf eine Ebene mit Fußball, Lesen oder womit sich die Eltern in ihrer Jugend beschäftigt haben zu heben.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren