ZEIT ONLINE: Sie machen das nicht allein, Team Black Sheep nennen Sie sich und Ihre Mitstreiter. Sind Sie schwarze Schafe?

Pirker: Ja, der Name ist bewusst gewählt. Wir brechen Tabus. Wir stellen Regeln infrage. Wir machen das, wovon andere Leute sagen: "Das darf man doch nicht!"

ZEIT ONLINE: Weil es illegal ist?

Pirker: Nein, weil es gegen Konventionen verstößt. Weil es ja gefährlich sein könnte. Weil Leute auf FPV aufmerksam werden könnten, die darauf nicht aufmerksam werden sollten. Eher aus diesen Gründen.

ZEIT ONLINE: Kam schon mal die Polizei während einer Ihrer Flüge?

Pirker: Schon mehrmals. Aber meistens waren sie einfach neugierig. Wollten alles wissen, wollten in die Videobrille schauen, wollten es für ihre Polizeistation haben… Hin und wieder mussten wir mit aufs Revier und Strafen bezahlen. In Giglio läuft ein Verfahren gegen uns, weil wir über der Costa Concordia geflogen sind. Der Vorwurf: Wir hätten gegen die dortigen Einschränkungen der Pressefreiheit verstoßen.

ZEIT ONLINE: Wird das, was Sie tun, und was andere inzwischen tun, dazu führen, dass alte – wie Sie sagen, unsinnige – Regeln abgeschafft werden? Oder werden die Gesetze nicht eher verschärft werden? Argumentiert wird ja oft mit der Privatsphäre: FPV-Flieger könnten in fremde Schlafzimmer schauen.

Pirker: Was die Privatsphäre angeht, braucht man keine neuen Gesetze. Es gibt sie schon. Wer heute via FPV eine fremde Wohnung filmt, verstößt gegen Gesetze. Um solche Dinge geht es uns auch gar nicht. Uns geht es darum, dass die Regeln für die Modellfliegerei der Realität angepasst werden. Da gibt es Ansätze zu einer Reform, aber das reicht nicht.

ZEIT ONLINE: Was denken Sie, wie wird der Gesetzgeber reagieren?

Pirker: Entweder FPV-Fliegen wird irgendwann einmal nur noch auf Lizenzbasis erlaubt sein. Man muss also einen Führerschein oder so etwas machen. Oder es kommt zu einer Art Prohibition, an die sich aber niemand hält. Es gibt nur diese zwei Szenarien. Effektiv verbieten wird man FPV nicht mehr können. Dafür sind schon zu viele mit diesen Dingern unterwegs.

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ZEIT ONLINE: Und in fünf Jahren fliegt dann jedes Kind damit durch die Gegend? Oder bleibt es eine Sache für Freaks?

Pirker: Das, was wir machen, also viele Kilometer weit weg fliegen, das wird immer komplex und teuer bleiben. Und damit nicht massentauglich sein.

ZEIT ONLINE: Aber es könnten sich etliche neue Berufe daraus entwickeln. Filmaufnahmen, Unterstützung bei Rettungsarbeiten. Was ist noch denkbar?

Pirker: Man kann Strommasten inspizieren, man kann Dinge transportieren, Seile und Kabel spannen. Es gibt unendliche viele Einsatzmöglichkeiten.