Reddit-Mitgründer : 26-jähriger Online-Aktivist Aaron Swartz ist tot

Im Web wurde er als Pionier gefeiert, die Justiz verfolgte ihn wegen Datendiebstahls. Kurz vor Prozessbeginn hat sich Aaron Swartz das Leben genommen.
Aaron Swartz im Dezember 2008 © Fred Benenson/www.fredbenenson.com

Der Online-Aktivist Aaron Swartz ist tot. Der 26-Jährige sei am Freitagabend im New Yorker Stadtteil Brooklyn leblos gefunden worden, sagte eine Sprecherin von News Yorks Gerichtsmedizin. Die Studentenzeitung des Massachusetts Institute of Technology (MIT) The Tech meldete, er habe sich das Leben genommen. Das hätten Swartz' Onkel und auch sein Anwalt bestätigt.

Swartz galt als Wunderkind der Internetbranche. Mit 14 Jahren war er bereits Co-Autor der Spezifikation RSS 1.0, einem technischen Format für die einfache und strukturierte Veröffentlichung von Inhalten im Internet. Er gründete außerdem das Start-up Infogami mit, das später in der Social-News-Website Reddit aufging. Als Aktivist engagierte er sich vor allem für den freien Zugang zu Inhalten im Internet. 2010 gründete er die Organisation Demand in Progress, die sich unter anderem in den USA gegen die geplanten Gesetze Stop Online Piracy Act (Sopa) und Pipa einsetzte.

Im Februar sollte der Prozess gegen Swartz beginnen

2011 wurde Swartz in Boston wegen illegalen Herunterladens von Dokumenten festgenommen. Er soll sich durch einen Einbruch in den Keller des MIT unrechtmäßig Zugang zum Computernetz des Instituts verschafft und darüber Millionen wissenschaftliche und literarische Artikel aus dem Onlinearchiv Jstor heruntergeladen haben. Der Zugriff auf den Dienst ist kostenpflichtig.

Nach seiner Festnahme teilte Demand Progress mit, die Anklage ergebe keinen Sinn. Genauso gut könne die Justiz jemand ins Gefängnis stecken, der "angeblich zu viele Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen hat". Die zuständige Staatsanwältin Carmen Ortiz dagegen argumentierte, Diebstahl bleibe Diebstahl, ob er mit einem Computer oder einem Brecheisen begangen werde und ob er Dokumente, Daten oder Dollar betreffe.

Der Prozess gegen Swartz sollte in wenigen Wochen beginnen. Ihm drohten bei einer Verurteilung eine langjährige Haftstrafe und eine Geldbuße von 1 Million Dollar (753.000 Euro). Swartz' Familie gab der Staatsanwaltschaft und dem MIT eine Mitschuld an dem Suizid. "Aarons Tod ist nicht nur eine persönliche Tragödie. Es ist das Ergebnis eines kriminellen Justizsystems", teilte die Familie mit. Womöglich spielte auch eine depressive Erkrankung eine Rolle bei seinem Selbstmord. Swartz hatte bereits vor Jahren in einem Blogeintrag über Depressionen und Migräne berichtet.

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Kommentare

38 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Didaktik

Sie stehen mit dem Eindruck, die "Wissenschaft" sei nur Selbstzweck, sicherlich nicht alleine da.
Mal von aller Lizenzdebatte losgelöst (ich bin auch der Meinung, dass öffentlich geförderte Forschungsergebnisse Eigentum der Öffentlichkeit sind) ist allerdings die "Nähe zum Leben" schlicht und einfach nicht mehr gegeben.

Ohne Abwertung: Jemand, der nicht in einem Fach ausgebildet ist, kann die neuste Forschung auf diesem Gebiet nicht verstehen.
Der "Normalo", der vielleicht noch ein bisschen Schulwissen im Kopf hat, kann ein Paper der mordernen Physik nicht lesen, genauso der Chemie, Biologie, etc. Das heißt aber nicht, dass die Geschichte für ihn uninteressant ist.

Beispiel:
Man könnte sich auf den Standpunkt stellen, dass der Aufbau der Materie bis zu einem gewissen Grad interessant ist, aber was genau im Atom passiert ja pures akademisches Interesse sei.
Allerdings hätten Sie dann kein MRT, PET und ähnliches, ohne dass die Medizin heute kaum mehr auskommt.
Das allerdings konnte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts niemand ahnen.

Wissenschaft wird ja grade deswegen betrieben, weil man nicht weiß, was bei rauskommt. Allerdings ist die Dividende doch extrem positiv.

Das Problem bleibt aber: Die Zeit, als anschauliche Erkenntnis "auf der Straße lag", ist vorbei. Genauso wie er sich darauf verlassen muss, was sein Artzt oder Anwalt sagt, muss sich ein nicht fachlich Ausgebildeter auf den Fachwissenschaftler verlassen. Anders geht es leider nicht.

@ Herr Augustin, 5

"Oder sind die Dokumente seitdem etwa nicht mehr auf Jstor verfügbar?"

Schön gefragt.

Bei uns wär das nur "Ausspähen von Daten" nach § 202a StGB; Strafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe.

Und Hausfriedensbruch nach § 123 StGB; Strafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.

Aus beiden Strafen würde eine Gesamtstrafe gebildet, die die Summe der Einzelstrafen nicht erreichen darf; §§ 53, 54 StGB.