Der Online-Aktivist Aaron Swartz ist tot. Der 26-Jährige sei am Freitagabend im New Yorker Stadtteil Brooklyn leblos gefunden worden, sagte eine Sprecherin von News Yorks Gerichtsmedizin. Die Studentenzeitung des Massachusetts Institute of Technology (MIT) The Tech meldete, er habe sich das Leben genommen. Das hätten Swartz' Onkel und auch sein Anwalt bestätigt.

Swartz galt als Wunderkind der Internetbranche. Mit 14 Jahren war er bereits Co-Autor der Spezifikation RSS 1.0, einem technischen Format für die einfache und strukturierte Veröffentlichung von Inhalten im Internet. Er gründete außerdem das Start-up Infogami mit, das später in der Social-News-Website Reddit aufging. Als Aktivist engagierte er sich vor allem für den freien Zugang zu Inhalten im Internet. 2010 gründete er die Organisation Demand in Progress, die sich unter anderem in den USA gegen die geplanten Gesetze Stop Online Piracy Act (Sopa) und Pipa einsetzte.

Im Februar sollte der Prozess gegen Swartz beginnen

2011 wurde Swartz in Boston wegen illegalen Herunterladens von Dokumenten festgenommen. Er soll sich durch einen Einbruch in den Keller des MIT unrechtmäßig Zugang zum Computernetz des Instituts verschafft und darüber Millionen wissenschaftliche und literarische Artikel aus dem Onlinearchiv Jstor heruntergeladen haben. Der Zugriff auf den Dienst ist kostenpflichtig.

Nach seiner Festnahme teilte Demand Progress mit, die Anklage ergebe keinen Sinn. Genauso gut könne die Justiz jemand ins Gefängnis stecken, der "angeblich zu viele Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen hat". Die zuständige Staatsanwältin Carmen Ortiz dagegen argumentierte, Diebstahl bleibe Diebstahl, ob er mit einem Computer oder einem Brecheisen begangen werde und ob er Dokumente, Daten oder Dollar betreffe.

Der Prozess gegen Swartz sollte in wenigen Wochen beginnen. Ihm drohten bei einer Verurteilung eine langjährige Haftstrafe und eine Geldbuße von 1 Million Dollar (753.000 Euro). Swartz' Familie gab der Staatsanwaltschaft und dem MIT eine Mitschuld an dem Suizid. "Aarons Tod ist nicht nur eine persönliche Tragödie. Es ist das Ergebnis eines kriminellen Justizsystems", teilte die Familie mit. Womöglich spielte auch eine depressive Erkrankung eine Rolle bei seinem Selbstmord. Swartz hatte bereits vor Jahren in einem Blogeintrag über Depressionen und Migräne berichtet.