Geräte, auf denen Windows 8 läuft – schon bald sollen neue hinzukommen. © Lucas Jackson/Reuters

Es sind harte Zeiten für Microsoft. Das Unternehmen kassiert reichlich Prügel für sein neues Betriebssystem Windows 8. In den Foren lästern viele Nutzer über die Bedienung mit Wischgesten und unterstellen der Windows Company eine kundenunfreundliche Haltung. Gar als Kassengift bezeichnet es ein Marktforscher. Und auch einige Gerätehersteller – eigentlich Partner – kritisieren es als zu kompliziert.

Doch trotz der harschen Kritik: Die Geldmaschine Microsoft läuft wie geschmiert. Von Januar bis März konnte der Software-Konzern seinen Umsatz um 18 Prozent auf 20,5 Milliarden Dollar steigern. Der Gewinn verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf unterm Strich annähernd 6,1 Milliarden Dollar (4,7 Mrd. Euro) oder 72 US-Cent je Aktie, wie das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Und das trotz der gewaltigen Werbeausgaben für Windows 8 und einer saftigen Buße der EU-Kartellwächter.

Microsoft übertraf beim Gewinn im dritten Geschäftsquartal die Erwartungen der Analysten. Sie hatten laut Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg im Schnitt mit nur 68 US-Cent Gewinn pro Anteilsschein gerechnet. Beim Umsatz hingegen lag der Software-Konzern im Rahmen der Prognosen. Die Aktie stieg nachbörslich um 2 Prozent.

Der Druck auf den Erfolg des Bertriebssystems zeigte sich am Donnerstag jedoch in einem weiteren Personalentscheid: Mit Finanzchef Peter Klein feuert Microsoft einen weiteren Top-Manager wie schon eine ganze Reihe vor ihm.

Etliche Fehler

"Die Hetze gegen Microsoft ist nicht gerechtfertigt", sagt Axel Oppermann, Analyst beim Beratungsunternehmen Experton. Dass der PC-Markt schrumpfe, liege nicht an Windows 8, sondern den vielen Alternativen zum Notebook oder Desktop. Dennoch habe der Konzern etliche Fehler bei der Einführung gemacht. Woran hakt es also?

Microsoft brauchte ein leistungsfähiges Betriebssystem für Smartphones und Tablet-Computer. Dringend. Denn das Geschäft mit klassischen PCs schrumpft, weil mobile Geräte viele Aufgaben übernehmen. Nicht nur bei Privatnutzern, die sich damit auf langen Bahnfahrten vergnügen oder zu Hause ihre Mails checken, sondern immer mehr auch in Unternehmen. Windows 8 soll Microsoft helfen, in dieser neuen Welt relevant zu bleiben.

Dafür vereinte der Software-Riese zwei Dinge, die bislang nicht zusammengehörten: ein klassisches Betriebssystem und eine Oberfläche für Tablet-Computer und Smartphones. Diese Kombination ermöglich neue Bauformen – vom klassischen PC übers Notebook mit Touchscreen und Hybrid-Geräte bis hin zu flachen Tablets.

"One size fits all"-Ansatz

Doch der US-Konzern verfährt nach dem Motto "One size fits all": Alle Nutzer müssen das neue Kachel-Design verwenden – ob sie ein Gerät mit Touchscreen haben oder nicht. Der Startknopf, an den sich die Nutzer seit Windows 95 gewöhnt haben, ist verschwunden. Der klassische Desktop auf den ersten Blick auch, er ist aber über eine Kachel zu erreichen.

"Ich will auf meinem Notebook keine Wischtechnik und auf meinem Großdisplay sowieso nicht", bringt ein Handelsblatt-Online-Leser den Eindruck vieler Nutzer auf den Punkt. Nicht jeder sei dazu bereit, "ein paar Spielwochen" zu verbringen, bis er alle bereits bekannten Funktionen wieder erlernt habe, schreibt ein anderer.