MicrosoftWas mit Windows 8 falsch läuft

Microsoft verdiente im vergangenen Quartal prächtig, muss für sein Betriebssystem Windows 8 aber harsche Kritik einstecken. Was läuft da falsch? von Christoph Kerkmann

Windows 8

Geräte, auf denen Windows 8 läuft – schon bald sollen neue hinzukommen.  |  © Lucas Jackson/Reuters

Es sind harte Zeiten für Microsoft. Das Unternehmen kassiert reichlich Prügel für sein neues Betriebssystem Windows 8. In den Foren lästern viele Nutzer über die Bedienung mit Wischgesten und unterstellen der Windows Company eine kundenunfreundliche Haltung. Gar als Kassengift bezeichnet es ein Marktforscher. Und auch einige Gerätehersteller – eigentlich Partner – kritisieren es als zu kompliziert.

Doch trotz der harschen Kritik: Die Geldmaschine Microsoft läuft wie geschmiert. Von Januar bis März konnte der Software-Konzern seinen Umsatz um 18 Prozent auf 20,5 Milliarden Dollar steigern. Der Gewinn verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf unterm Strich annähernd 6,1 Milliarden Dollar (4,7 Mrd. Euro) oder 72 US-Cent je Aktie, wie das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Und das trotz der gewaltigen Werbeausgaben für Windows 8 und einer saftigen Buße der EU-Kartellwächter.

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Microsoft übertraf beim Gewinn im dritten Geschäftsquartal die Erwartungen der Analysten. Sie hatten laut Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg im Schnitt mit nur 68 US-Cent Gewinn pro Anteilsschein gerechnet. Beim Umsatz hingegen lag der Software-Konzern im Rahmen der Prognosen. Die Aktie stieg nachbörslich um 2 Prozent.

Der Druck auf den Erfolg des Bertriebssystems zeigte sich am Donnerstag jedoch in einem weiteren Personalentscheid: Mit Finanzchef Peter Klein feuert Microsoft einen weiteren Top-Manager wie schon eine ganze Reihe vor ihm.

Etliche Fehler

"Die Hetze gegen Microsoft ist nicht gerechtfertigt", sagt Axel Oppermann, Analyst beim Beratungsunternehmen Experton. Dass der PC-Markt schrumpfe, liege nicht an Windows 8, sondern den vielen Alternativen zum Notebook oder Desktop. Dennoch habe der Konzern etliche Fehler bei der Einführung gemacht. Woran hakt es also?

Microsoft brauchte ein leistungsfähiges Betriebssystem für Smartphones und Tablet-Computer. Dringend. Denn das Geschäft mit klassischen PCs schrumpft, weil mobile Geräte viele Aufgaben übernehmen. Nicht nur bei Privatnutzern, die sich damit auf langen Bahnfahrten vergnügen oder zu Hause ihre Mails checken, sondern immer mehr auch in Unternehmen. Windows 8 soll Microsoft helfen, in dieser neuen Welt relevant zu bleiben.

Dafür vereinte der Software-Riese zwei Dinge, die bislang nicht zusammengehörten: ein klassisches Betriebssystem und eine Oberfläche für Tablet-Computer und Smartphones. Diese Kombination ermöglich neue Bauformen – vom klassischen PC übers Notebook mit Touchscreen und Hybrid-Geräte bis hin zu flachen Tablets.

"One size fits all"-Ansatz

Doch der US-Konzern verfährt nach dem Motto "One size fits all": Alle Nutzer müssen das neue Kachel-Design verwenden – ob sie ein Gerät mit Touchscreen haben oder nicht. Der Startknopf, an den sich die Nutzer seit Windows 95 gewöhnt haben, ist verschwunden. Der klassische Desktop auf den ersten Blick auch, er ist aber über eine Kachel zu erreichen.

"Ich will auf meinem Notebook keine Wischtechnik und auf meinem Großdisplay sowieso nicht", bringt ein Handelsblatt-Online-Leser den Eindruck vieler Nutzer auf den Punkt. Nicht jeder sei dazu bereit, "ein paar Spielwochen" zu verbringen, bis er alle bereits bekannten Funktionen wieder erlernt habe, schreibt ein anderer.

Leserkommentare
    • deDude
    • 19. April 2013 12:46 Uhr

    Mein PC ist kein Mobiltelefon auf dem ich lustige Apps installiere sondern ein Arbeits- UND Entertainmentgerät.

    Alleine für die Idee den konventionellen Desktop durch Kacheln zu ersetzen hat müsste man den Redmondern eigentlich jegliche Kompetenz absprechen.
    Auch wenn man die herkömmliche Ansicht schnell per Patch nachgeliefert hat, ich bleibe nach dem Wechsel von XP auf Win7 erstmal auf dem "letzten Stand".

    Windows 8 ist für mich sozusagen "Windows Vista 2.0". Kann getrost im Regal stehenbleiben, auch wenn's preislich gesehen im Vergleich zu älteren versionen recht (wenn nicht gar extrem) günstig ist.

    21 Leserempfehlungen
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    "auf dem ich lustige Apps installiere"

    MUSS man Apps installieren oder gibt es nur die Möglichkeit, dies zu tun?
    Win 7 fand ich schon klasse, aber Win 8 ist so schlecht auch wieder nicht, es läuft sogar um einiges performanter als der Vorgänger. Modern UI ist zwar nicht jedermanns Sache, aber man muss sie ja auch nicht zwangsläufig nutzen. Ich starte direkt im "alten" Desktop.

    "Alleine für die Idee den konventionellen Desktop durch Kacheln zu ersetzen hat müsste man den Redmondern eigentlich jegliche Kompetenz absprechen."

    Wenn es so wäre, sollte man das tun.
    Es ist aber nicht so.
    Im Gegenteil spreche ich Ihnen jedwede Kompetenz ab, da Sie ganz offensichtlich noch nie mit Windows 8 gearbeitet haben, sondern Ihre, na ja, Kritik, irgendwo aufgeschnappt und dann gemeint haben, sie verbreiten zu müssen.

    Kurzum: was Sie schreiben, ist komplett falsch.

    Nicht nur Microsoft ist von der Idee zu neuen und "besseren" Benutzeroberflächen besessen.

    Auch Canonical hat in neueren Ubuntu Linux-Versionen "Ubuntu Unity" als Benutzeroberfläche eingeführt, welche nett gesagt unbenutzbar ist. Die "alten", bewährten und sehr durchdachten Oberflächen Gnome und KDE lassen sich zwar nachinstallieren, was aber mit erheblichem Aufwand verbunden ist.

    Ich bleibe daher bei Ubuntu Quantal Quetzal mit Gnome-Oberfläche und Windows 7. Alles andere eliminiert die Möglichkeit zur effektiven Benutzung meines Notebooks.

  1. Ich stehe Apple mittlerweile sehr kritisch gegenüber, aber was Betriebssysteme für "normale" und mobile Computer betrifft, ist OS X imme rnoch die Referenz.

    Bei Windows hackt es da auch im Jahr 2013 an zu vielen, zu wichtigen Stellen.
    Von der Stringenz der GUI abgesehen ein Beispiel:

    Wenn ich mir einen neuen Computer kaufe, habe ich bei Macs seit Jahren (!) die zuverlässige und sehr, sehr leicht zu verwendende Möglichkeit der Datenmigration.
    Alle Einstellungen, Daten, Programme, alle allles außer dem System wird übertragen. Oder nur Teile davon, wenn ich möchte.
    Windows?
    Fehlanzeige. "Windwos Easy Transfer" exisitiert, ist aber viel komplizierter in der Anwendung (der alte PC muss noch laufen, nur Festplatte reicht nicht) und funktioniert - wenn überhaupt - nicht zuverlässig.

    Zu allem Überdruss: ein Mac kann sogar Daten von einem Windows-PC importieren!

    Windows:
    Neu-Installation, dann erstmal Recovery-DVD brennen, dann alles per Hand neu einrichten, alle Programme neu installieren...

    Nein danke.

    5 Leserempfehlungen
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    Bei mobilen Betriebssystemen ist Apple schon lange nicht mehr Referenz, Android und Windows sind in Sachen Funktionalität und Bedienung um längen besser imho. Sogar Symbian ist da innovativer :D

    ZITAT
    ein Mac kann sogar Daten von einem Windows-PC importieren

    Is nich war ! : -o
    Das kann Linux auch, ohne die astronomischen Apple-Preise ; -)

    Was machen Sie denn mit Ihrem Mac, wenn dieser komplett abgestürzt ist (ja, das gibt es, habe ich auf allen Macs erlebt, die ich hatte) und Sie eine Neuinstallation benoetigen?

    Da müssen Sie auch ggf. erst eine ältere Version OS-X installieren, dann den App-Store und dann auf Mountain-Lion upgraden. Oder, Sie fertigen einen boot-faehigen USB Drive an, der dann als Recovery DVD fungiert. Und wo ist da jetzt der Unterschied zu MS-Win8?

    Win8 upgrades kann man wenigstens auf DVD kaufen, OS-X nicht.

    Viele Menschen, die mich als Informatiker fragen, wie dies oder das bei ihrem Windows funktioniert, denken sie seien zu dumm für diese Technik.

    In Wahrheit ist der Ansatz von Windows für sie ein falscher. Sie brauchen ein Werkzeug, welches einfach und intuitiv zu bedienen ist und die drei einhalb Funktionen zugänglich macht, die sie täglich benutzen.
    Sie erhalten aber eine eierlegende Wollmilchsau, denn Windows ist ein Werkzeug VON Technikern FÜR Techniker; ganz einfach, weil es sich an der Maschine und deren Möglichkeiten orientiert.

    Bei Apple ist es umgekehrt: Es steht konzeptionell der Mensch im Fokus und danach richteten sich Hard- und Software aus. Und deshalb ist Apple (insbesondere auch mit iOS) so erfolgreich, nicht, weil es zudem auch noch gut aussieht ...

    Windows 8 funktioniert flüssig, intuitiv, attraktiv.

    Man fragt sich aber, weshalb Verlage - auch DIE ZEIT - nur im Apple-Shop verkaufen, anstelle dem Leser eine App die WindowsRT-APP anzubieten.

    Als hätte G+J ein Handelsembargo über einzelne Zeitungskioske verhängt. Warum nur?

    Anmerkung: Fragen zum digitalen Abo der ZEIT richten Sie bitte an digitalabo@zeit.de. Danke, die Redaktion/jk

  2. "Und Microsoft arbeitet offenbar schon an einem Windows-8-Nachfolger (Codename: Windows Blue), der einige Schwächen ausbessern soll und damit vielleicht auch bessere Schlagzeilen macht."

    Genau deshalb verzichte ich auf Windows 8.
    Ich habe Windows Vista "mitgemacht" und das hat viel Geduld und Kraft gekostet. Dabei war das Programm wirklich eine Erneuerung die vieles besser gemacht hat aber das sah man erst bei Windows 7.
    So wirds auch bei Windows 8 sein, das viele einfach nicht brauchen oder eben nicht trauen und auf die nächste, bessere Version warten.

    Das Windows 8 am Fall der Verkaufszahlen von Desktops schuld sein soll halte ich für Blödsinn.
    Die Zeit in der man seinen PC aufrüsten sind viel länger geworden als vor 10 oder gar 20 Jahren.
    Mein PC ist 5 Jahre alt und ich habe kein Problem damit die neueste Software, Spiele, Internet, etc.zu verwenden.
    Es tut sich nicht viel neues im Hardwarebereich das für den Durchschnittsbenutzer notwendig ist.
    Das hat durchaus seine guten Seiten wie man z.B. am Indie-Spieleboom sehen kann.

    6 Leserempfehlungen
  3. "auf dem ich lustige Apps installiere"

    MUSS man Apps installieren oder gibt es nur die Möglichkeit, dies zu tun?
    Win 7 fand ich schon klasse, aber Win 8 ist so schlecht auch wieder nicht, es läuft sogar um einiges performanter als der Vorgänger. Modern UI ist zwar nicht jedermanns Sache, aber man muss sie ja auch nicht zwangsläufig nutzen. Ich starte direkt im "alten" Desktop.

    2 Leserempfehlungen
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    APP braucht man nur für Modern UI, (kacheldesgin), im Classic-mode ( Standard-Desktop) könn alle Programm wie gehabt installiert werden, fast alles was Win7 kompatible ist is auch unter Win8 lauf fähig.

    APPs gibs für den normal User nur mit WinID(MSN/hotmail/Win Live!/outlook.com Account) und nur über den Windows App Store als Quelle, nur Unternehmen können eigene AppStors aufsetzen.

    Ja man MUSS !
    Sonst kann man mit dem BS doch nichst anfangen !!

    Immer hin hat es 20 Jahre gedauert bis mal endlich ein funktionierender Firewall und ein brauchbarer Virenscanner von Haus aus mit an Bord waren.
    Was den MS-Preisen schön ziemlich arm ist.

    Eigentlich sollten bei den Preisen auch ein Office und ein Grafikprogramm mit an Bord sein. Sind sie meines Wissens aber nicht.

    • mgutt
    • 19. April 2013 13:24 Uhr

    Ich denke schon, dass sich einiges tut, aber nichts was den Kauf eines neuen Rechners rechtfertigt. Fakt ist ja, dass W8 auf einem alten Rechner (minimal) schneller bootet als W7 und sonst keine (signifikant) bessere Hardware benötigt. Und wer seinen W7 Rechner mit einer SSD aufrüstet, der denkt er hätte einen nagelneuen Rechner.

    2 Leserempfehlungen
  4. "Meist sind die Nörgler jene, die noch ein seit 5 Jahren nicht mehr aktualisiertes XP nutzen" da sitzt aber einer hoch zu ross...

    das man metro programme schließt indem man mit der MAUS den oberen, nicht zu sehenden rand greift und nach unten zieht, das man die charms bar an der rechten seite nur sieht wenn man mit der maus oben rechts in die ecke geht,...diesews OS ist so dermaßen schelcht durchdacht das man es mit der maus einfach nicht nutzen kann. sie haben sicher die videos gesehn von leute die nichtmal den lockscreen wegbekommen haben, es ist einfach so schlecht designed das man es nicht nutzen kann. kopiert vlt schneller aber das ist eben nur ein sehr sehr kleiner teil des pakets.

    7 Leserempfehlungen
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    Ich denke, dass es zu 99% eine Frage der Gewohnheit ist und es nicht "dumm" oder "nicht dumm" gibt.
    Genauso könnte ich es als "dumm" bezeichnen", dass ich bei XP und 7 auf einen "Startknopf" klicken und mich dann durch eine Struktur durchhangeln muss, um an das gewünschte Programm zu kommen und, in der Tat, ein paar Buchstaben auf dem Startscreen von WINDOWS 8 einzugeben ist wesentlich einfacher.
    Nur muss man es wenigstens ein paar Tage ausprobieren, bevor man sich irgendwelche hirnrissigen Tools installiert, mit deren Hilfe die alte Startknopf Struktur zurückkommt. Sonst weiss man auch nicht, wie das Programm funktioniert.

    • Sven88
    • 19. April 2013 13:52 Uhr

    Drücken Sie mal [windows]+[c].

    Ich bin der Meinung, die Leute, die sich über die neue Steuerung aufregen haben einfach keine [windows]-Taste in der Tastatur.

    "es ist einfach so schlecht designed das man es nicht nutzen kann."

    Sie kennen es also nicht.
    Was Sie schreiben, entbehrt jeglicher Grundlage.

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