EnthüllungsplattformWikiLeaks kündigt neue Veröffentlichungen an

Fleißarbeit von Julian Assange und seinen Getreuen: WikiLeaks will 1,7 Millionen Depeschen veröffentlichen. Allerdings stammen diese aus den Siebzigern und aus US-Archiven.

WikiLeaks-Gründer Assange in der Londoner Botschaft von Ecuador im Dezember 2012

WikiLeaks-Gründer Assange in der Londoner Botschaft von Ecuador im Dezember 2012  |  © Leon Neal/AFP/Getty Images

Die Enthüllungswebsite WikiLeaks will weitere Depeschen der US-Diplomatie und des US-Geheimdienstes veröffentlichen. Nach Angaben des Gründers Julian Assange sollen mehr als 1,7 Millionen Dokumente aus den Jahren 1973 bis 1976 ins Internet gestellt werden. Sie zeigten "das enorme Ausmaß und die enorme Bandbreite" des US-Einflusses in der Welt.

Die Unterlagen wurden der Plattform diesmal allerdings nicht geheim durch einen Informanten zugespielt, sondern stammen aus US-Archiven, wo sie eingesehen werden können. Die neue Depeschen-Datenbank ist deshalb kein "Leak", sondern eine Fleißarbeit. Assange betonte jedoch, die komplexen und ausufernden Daten seien jetzt besser zu durchsuchen und zu lesen als vorher.

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Die Dokumente stammen aus den Archiven der National Archives and Record Administration (NARA) und sollen mit einer eigens entwickelten Suchmaschine nutzerfreundlich aufbereitet werden. Ziel sei es, die Depeschen in ihrer nicht-redigierten Fassung der Öffentlichkeit vorzuhalten, sagte WikiLeaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson, denn "man kann der Regierung im Umgang mit den eigenen Archiven nicht vertrauen". So habe es bereits mehrere Versuche etwa von der CIA gegeben, einige der Dokumente erneut unter Geheimhaltungsstufen zu stellen.

Die Aktion von WikiLeaks trägt den Namen Public Library of United States Diplomacy – oder kurz “Plus D”. In der Datenbank stecken nach Angaben von WikiLeaks zahlreiche Botschaften und Hinweise auf die Haltung der US-Regierung zu verschiedenen lateinamerikanischen Diktatoren, zum Franco-Regime und den griechischen Obristen. Auch diplomatische Berichte über den Jom-Kippur-Krieg seien enthalten.

WikiLeaks spricht von Kissinger Cables

Auf der Enthüllungsplattform firmieren die Depeschen unter dem Titel The Kissinger Cables, da es sich vor allem um diplomatische und Geheimdienst-Berichte von oder für den damaligen US-Außenminister Henry Kissinger handelt. Unter anderem wird Kissinger zitiert, wie er in Gesprächen zum Konflikt zwischen Zypern und der Türkei sagt: "Das Illegale machen wir sofort, das, was gegen die Verfassung geht, dauert ein bisschen länger."

Von seinem Asyl in der Botschaft Ecuadors in London hat Assange nach eigenen Angaben auch selbst bei der Zusammenstellung der Dokumente mitgewirkt. Der 41-Jährige sitzt seit nunmehr neun Monaten dort fest. Die britischen Behörden wollen den Australier nach Schweden ausliefern, wo er zu Vorwürfen wegen sexueller Vergehen vernommen werden soll. Assange befürchtet jedoch nach eigenen Angaben, von Schweden an die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm ein Prozess wegen Spionage und Geheimnisverrat drohen könnte.

WikiLeaks hatte durch die Veröffentlichung geheimer Informationen zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan sowie von rund 250.000 vertraulichen US-Diplomatendepeschen den Zorn der US-Regierung auf sich gezogen. Die Dokumente waren den Betreibern der Website von dem US-Soldaten Bradley Manning zugespielt worden, der sich deshalb derzeit in seiner Heimat vor einem Militärgericht verantworten muss. Er hatte die geheimen Daten während seiner Stationierung im Irak vor drei Jahren von Militärrechnern heruntergeladen.

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Leserkommentare
    • idua
    • 08. April 2013 9:13 Uhr
    1. 9/11?

    Wie mich die "Depeschen" zu 9/11 interessieren würden...und wohl nicht nur mich.

    6 Leserempfehlungen
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    "1. 9/11?
    Wie mich die "Depeschen" zu 9/11 interessieren würden...und wohl nicht nur mich."

    Ist Ihr Leben derart langweilig, dass Sie sich Verschwörungstheorien hingeben müssen?

    Ein paar Terroristen sind in zwei Hochhäuser geflogen. Punkt! Alles andere ist pure Verschwörung von ein paar gelangweilten Internetnerds, die aus allem eine Verschwörung machen.

    Das haben Verschwörungen so an sich. Lady Di stirbt in einem Autounfall? Kann nicht sein. Eine Prinzessin stirbt nicht in einem schnöden Autounfall.

    Terroristen kapern Flugzeuge und fliegen in die "Schaltzentrale westlicher Dekadenz"? Kann nicht sein. Da muss mehr dahinter sein.

    Marilyn Monroe stirbt an einer Überdosis Tabletten? Kann nicht sein, da muss mehr dahinter stecken.

    Wie langweilig muss ein Leben sein, dass man sich mit so etwas beschäftigt? Was ändert sich für mich, sollte es anders gewesen sein? Nichts!

    sieben mal nicht auf dem Mond gelandet ist. Schicken Sie mir eine Kopie?

  1. Ich weiss nicht wie Dokumente aus den 70ern helfen sollen, "das enorme Ausmaß und die enorme Bandbreite" des US-Einflusses in der Welt zu zeigen, zumindest aber nicht das aktuelle Ausmaß.

    Auch finde ich keine Leak-Leistung darin, Dokumente aus einsehbaren Archiven zu sammeln und bereitzustellen. Das hätte auch jeder andere Journalist geschafft, sofern er dies denn wollte...

    Klingt eher nach einer verzeweifelten Tat um in den Schlagzeilen zu bleiben.

    7 Leserempfehlungen
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    Wenn nichtmal die letzten Leaks viel Empörung Ausgelöst haben, obwohl da wirklich unglaubliches Zeug dabei gewesen ist, wird sowas sicher nichtmal ansatzweise Ignoranz brechen.

  2. "1. 9/11?
    Wie mich die "Depeschen" zu 9/11 interessieren würden...und wohl nicht nur mich."

    Ist Ihr Leben derart langweilig, dass Sie sich Verschwörungstheorien hingeben müssen?

    Ein paar Terroristen sind in zwei Hochhäuser geflogen. Punkt! Alles andere ist pure Verschwörung von ein paar gelangweilten Internetnerds, die aus allem eine Verschwörung machen.

    Das haben Verschwörungen so an sich. Lady Di stirbt in einem Autounfall? Kann nicht sein. Eine Prinzessin stirbt nicht in einem schnöden Autounfall.

    Terroristen kapern Flugzeuge und fliegen in die "Schaltzentrale westlicher Dekadenz"? Kann nicht sein. Da muss mehr dahinter sein.

    Marilyn Monroe stirbt an einer Überdosis Tabletten? Kann nicht sein, da muss mehr dahinter stecken.

    Wie langweilig muss ein Leben sein, dass man sich mit so etwas beschäftigt? Was ändert sich für mich, sollte es anders gewesen sein? Nichts!

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "9/11?"
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    Bei 9/11 sind aber drei Hochhäuser zusammengefallen wie Kartenhäuser, bei maximal zwei Flugzeugen. Abgesehen davon, dass ein Flugzeug bei derart geringer Geschwindigkeit gar nicht in ein solches Hochhaus hineinfliegen kann, da dazu eine ziemlich dicke Stahlkonstruktion durchtrennt werden müsste.
    Was sich dadurch ändert? Es führt zur Unwählbarkeit aller deutschen Parteien, die US-geführten Kriegen zustimmen. Als Mindestreaktion.
    Weiterhin eventuell zur persönlichen Unterstützung von Organisationen wie wikileaks. Wobei ich vermute, dass zu 9/11 keine "Depeschen" mehr existieren.

    Ich für meinen Teil stecke nicht so tief in der Materie drin, als dass ich andere Hintergründe dieser Tat sofort ausschließen könnte.

    Man muss ja nicht an die nicht offizielle Version glauben. Aber nur Wiederkäuen was andere dazu meinen ist ja auch irgendwie einfältig oder? Warten wir doch einfach ein paar Jahre ab.

    • idua
    • 08. April 2013 12:12 Uhr

    Sie haben wohl in der Schule nicht verstanden, was Interpretation bedeutet.
    Welch Infamie...

    • Robo T
    • 08. April 2013 13:14 Uhr

    ...weil sie der Bush administration alles glauben?

    zu 9/11:
    sie fanden es also nicht zweifelhaft, dass man innerhalb von 24h bereits die angeblichen täter zuordnen konnte, dass ein gebäude (wtc7) stunden später aufgrund von brand praktisch im freien fall in sich zusammenfällt, .....?

  3. Will keiner mehr was "heißes" leaken oder trauen Sie sich selbst nicht mehr an die heißen Eisen ran? So oder so, das Vorgehen der USA scheint erfolgreich gewesen zu sein... schade!!!

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    ...die US-Themen an die man sich abreiten kann, sind ja allesamt schon ausgelutscht; die USA hinreichend diskreditiert und viel Stoff für neue Schlagzeiten bieten die ja im Moment auch nicht.
    Wirklich interessanter wären Depeschen aus China und Russland.... Stille Wasser sind ja bekanntlich tief; aber da scheint sich niemand wirklich ranzutrauen.

  4. ...die US-Themen an die man sich abreiten kann, sind ja allesamt schon ausgelutscht; die USA hinreichend diskreditiert und viel Stoff für neue Schlagzeiten bieten die ja im Moment auch nicht.
    Wirklich interessanter wären Depeschen aus China und Russland.... Stille Wasser sind ja bekanntlich tief; aber da scheint sich niemand wirklich ranzutrauen.

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    nach der Affinität die die russischen Geheimdienste scheinbar für radioaktive Stoffe hegen, würde ich mich da auch nicht aus dem Fenster lehnen...

    • TDU
    • 08. April 2013 9:33 Uhr

    Viel interessanter als die Informationen, die zur Beurteilung der USA in den 1970iger Jahren obsolet sind, wären Einschätzungen der anderen Weltmächte und damit Gedanken darüber, wie die Welt aufzuteilen wäre. Z. B. die Verhandlungen über die deutsche Einheit, Strategiepapiere und Gesprächsprotokolle und nicht Einschätzungen von Haarfarbe und Temperamenten.

    Alles zeigt, dass der Herr Assange von Politik keine Ahnung hat bzw. ein wirkliches Interesse an Aufklärung oder politischen Prozessen nicht vorhanden ist.

    Er spielt das Spiel von Skandalisierung mit selektiven Informationen einfach nur mit, und es bleibt nichts als bald abebbende Empörung. Er ist nicht mehr als ein z. B. ein Tasten- oder Saitenkünstler, der mit Musik an sich nichts am Hut hat. Ein Salonlöwe modernen Zuschnitts.

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  5. sieben mal nicht auf dem Mond gelandet ist. Schicken Sie mir eine Kopie?

    Antwort auf "9/11?"
    • UPA
    • 08. April 2013 9:36 Uhr

    Der Typ ist langweilig. Wenn er anständig und mutig wäre, müsste er sich nicht in einer Botschaft verstecken. Er soll jetzt endlich nach Schweden, und dich dem Prozess unterziehen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, kg
  • Schlagworte Henry Kissinger | Spionage | Suchmaschine | US-Geheimdienst | US-Regierung | WikiLeaks
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