Medienpreis : #aufschrei für Grimme Online Award nominiert

Das Kürzel #aufschrei trug den Unmut über sexuelle Belästigung und fehlenden Anstand ins Netz. Erstmals könnte nun ein Hashtag einen Preis erhalten.
Anne Wizorek, Initiatorin von #aufschrei, in der ARD-Talkreihe Günther Jauch © Paul Zinken/dpa

Die Nominierungskommission des Grimme Instituts in Marl hat 27 Webportale und das Hashtag #aufschrei auf ihre Liste für den Grimme Online Award 2013 gesetzt. Erstmals ist damit ein Twitter-Kürzel nominiert.

#aufschrei geht auf eine Initiative der freien Onlineredakteurin und PR-Managerin Anne Wizorek zurück. Eine Redakteurin des Stern hatte in einem Porträt des FDP-Politikers Rainer Brüderle öffentlich gemacht, dass er sich im Gespräch mit ihr anzüglich äußerte. 

In der einsetzenden Debatte über Anstand und sexuelle Belästigung twitterte Wizorek, Betroffene sollten ihre Erfahrungen mit dem Hashtag #aufschrei versehen. Bis heute läuft die Diskussion auf Twitter, mittlerweile aber auch an anderen Stellen, etwa auf dem Portal alltagssexismus.     

Das Hashtag ist in der Kategorie Spezial nominiert. In der Gruppe Information wählte die Kommission neben der Website des Satireportals Der Postillion und publikative.org vier weitere Portale. 

In der Kategorie Wissen und Bildung kamen elf Sites auf die Liste, darunter das Snowfall-Pendant der Neuen Zürcher Zeitung zur Tsunami- und Atomkatastrophe in Fukushima  oder das Multimedia-Spezial Plan B der deutschen Welle. 

Unter der Rubrik Kultur und Unterhaltung schafften es der Sport-Liveticker 11Freunde auf die Liste, das Blog migrantenstadl oder WDR digit – eine Site, auf der Privatpersonen alte Fotos und Filme hochladen können. 

Mit dem Online Award zeichnet das Grimme Institut innovative, einzigartige Netzprojekte aus. Dabei berücksichtigen die Entscheider auch die Größe und Leistungsstärke der verschiedenen Medienmacher, sodass sich neben Projekten großer Verlagshäuser auch Blogs von Einzelpersonen behaupten können.

ZEIT ONLINE hatte den Preis 2011 in der Kategorie Spezial für das Datenjournalismus-Projekt "Verräterisches Handy: Was Vorratsdaten über uns verraten" erhalten.

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Kommentare

39 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Es ist halt immer etwas problematisch,

wenn aus individuellen Erfahrungen pauschale Be- oder Veruteilungen werden und dies dann noch quer Beet durch alle Kategorien erfolgt; angefangen beim "belächelten" Werzeugkasten für Mädchen bis hin zu Sexualdelikten.

Es fällt schwer darin nicht auch ein gerüttelt Maß Populismus zu sehen, so ernst das Problem im individuellen Fall auch zu nehmen ist.

Richtig, aber...

Ich unterschreibe Ihren Beitrag voll und ganz. Das ewige, substanzlose(!) Relativieren und Verharmlosen ist ziemlich traurig und stößt auch bei mir auf Unverständnis.

Gleichzeitig möchte ich ergänzend(!) wieder auf das hochinteressante Interview mit Robert Pfaller verweisen, in dem dieser absolut treffend formuliert, dass durch die Empörungskultur ("Tugendfuror" - Gauck) Männer und Frauen es verlernen, Rollen auch als Waffen bzw. Vorteil zu nutzen. Wo einem blöden Anmachspruch eben keine Feminismus-Diskussion oder Empörtheit folgt, sondern der altbekannte backhand slap. :D

http://www.faz.net/aktuel...

Da stimme ich Ihnen zu

Eine differenzierte Auseinandersetzung kann im Rahmen einer Twitter-Meldung nicht stattfinden.
Interessieren würde mich die Begründung des Grimme-Preis-Kommitees, sollte der Hashtag gewinnen. Ich finde es schon beachtlich, dass ein Wort so viele Menschen dazu bewegen kann, sich selbst zu Wort zu melden. Wenn das die Leistung ist, die prämiert wird, finde ich den Preis gerechtfertigt.

Zum Vergleich mit dem Autofahren:
Wenn Sie mit dem Finger auf eine bestimmte Frau zeigen, die offenkundig ihren wagen nicht einparken kann, und sie kommentieren, dann meinen sie ja lediglich diese eine Frau. Es ist klar, dass sie nicht meinen, weil sie es auch nicht so gesagt haben, Frauen könnten generell nicht einparken.

"Frau Wizorek bemühte ja auch die Vokabel des heterosexuellen, weissen Mannes um pseudopräziese zu werden. Es ist allerdings nichts anderes als eine pauschalisiernede, abwertend gemeinte Bezeichnung, deren Kriterien ich z.B. formal erfülle, mich insofern angesporchen und damit im Zusammenhang in unzulässiger Weise beurteilt sehe."
Das kann ich durchaus nachvollziehen!
Der preis ginge aber eben nicht an Frau Wizorek, sondern an einen Hashtag selbst. Und dieser hat, ganz unabhängig von Frau W., eine Eigendynamik entwickelt. Durch die Teilnahme tausender Menschen.
Dass es dabei eben nicht mehr um die kritikwürdigen Äußerungen Frau W.'s ging, sieht man doch schon daran, dass es längst nicht mehr um Brüderle ging.