Mondgestein in der Steiermark: Am Erzberg in Österreich, einem jahrhundertealten Abbaugebiet für Eisenerz, testeten die Tüftler des Projektes "Part-Time Scientists" ihren Mondrover namens Asimov. © Boehme/Part-Time Scientists

Wir schreiben das Jahr 2013. Die US-Armee schießt Drohnen mit Laserkanonen vom Himmel. Schusswaffen werden einfach ausgedruckt. Und ein atomgetriebener Roboter teilt uns über Twitter mit, wie es ihm so auf dem Mars ergeht. Der Plan einiger selbsternannter Teilzeitwissenschaftler aus Deutschland, ein selbst gebautes Fahrzeug auf den Mond zu schießen, damit es dort herumfährt, klingt angesichts dessen auch nicht verrückter.

Ganz neu ist die Idee aber nicht. Schon vor gut zwei Jahren hatten Robert Böhme und Karsten Becker von den Part-Time Scientists in der ZEIT angekündigt, im Jahr 2013 startklar zu sein. Sie wollten den Google Lunar X Prize gewinnen – 30 Millionen US-Dollar, von Google gestiftet. Die bekommt das Team, das als erstes einen selbstgebauten Rover auf dem Mond fahren lässt. Wie das Gefährt dahin kommt, bleibt den Tüftlern überlassen. Etwa zwei Dutzend Mannschaften sind noch im Rennen, die Part-Time Scientists sind eine von ihnen.

Heute, auf der Netzkonferenz re:publica, müssen Böhme und Becker zugeben, dass es wohl noch einmal zwei Jahre dauern wird, bis ihr Rover startklar ist. Mindestens. Aber die beiden machen nicht den Eindruck, als würde sie das besonders stören. Im Gegenteil. Sie denken in ganz eigenen Maßstäben.

Robert Böhme und Karsten Becker von den Part-Time Scientists stellten ihre Mondrover-Pläne auf der re:publica 2013 in Berlin vor. © Patrick Beuth

Teamgründer Böhme, Regierungsberater für IT-Sicherheit, und Becker, Doktorand an der TU Hamburg, ist die grenzenlose Begeisterung für ihr Projekt und die private Raumfahrt im Allgemeinen in jeder Sekunde anzumerken. Ein Stichwort reicht, und es sprudelt nur so aus den beiden heraus: "Es geht nicht darum, nur zu zeigen, dass es möglich ist, einen Roboter auf den Mond zu bringen. Das hat die Menschheit schon bewiesen", sagt Böhme im Gespräch.

Es solle auch keine einmalige Showeinlage werden wie Felix Baumgartners Rekordfallschirmsprung. "Wir wollen Technik ins All bringen, auf der andere aufbauen können." Denn, so sagt der 27-Jährige: "Irgendwann müssen wir ins All, weil die Ressourcen der Erde verbraucht sein werden."

Raketenantrieb aus Mondstaub als alternative Energie?

Das ist keine rosige Zukunftsaussicht, aber es ist eine erfrischend radikale, weil sie keinen Platz lässt für Kleinklein und Bedenken. Böhme und Becker reden zum Beispiel, ohne mit der Wimper zu zucken, von der Raketentreibstoffgewinnung aus Mondstaub – derart Visionäres hat Seltenheitswert auf der re:publica.

Auch ihre finanziellen Maßstäbe sprengen die Summen, über die sonst auf der Konferenz geredet wird. "Es braucht nicht viel, um ein Mondfahrzeug zu bauen", sagt der 31-jährige Becker. Das ganze Projekt inklusive der Rakete, die sie kaufen müssen, würde nur 50 Millionen Euro kosten, sagen die beiden Raketenwissenschaftler. Die große Frage sei nur: Woher soll das Geld kommen? Von der Regierung, Mäzenen und Sponsoren, oder doch über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter? Eine Antwort haben die beiden noch nicht. Aber sie schimpfen über zaghafte Investoren, die keinen Mut für Projekte wie ihres aufbrächten.

"Die Menschen haben 2,7 Milliarden US-Dollar an den Kinokassen ausgegeben, um Schauspieler auf einem virtuellen Planeten zu sehen – im Film Avatar", sagt Becker. "Den Rover Curiosity auf den Mars zu bringen, hat nur 2,5 Milliarden gekostet." Verständnis hat er dafür nicht. Auch nicht für Milliardeninvestitionen in Waffen und Banken. "Hier auf der re:publica sind Menschen, die verstehen, dass das, was wir tun, einen Wert hat", hofft er.

In Berlin suchen er und sein Mitstreiter den Kontakt zu den Fans – allein bei Facebook haben sie 170.000 davon. Und die beiden suchen Antworten: Welche Raumfahrt wollen die Menschen haben? Eine staatlich organisierte, so wie bisher? Stunts wie die von Baumgartner? Weltraumtourismus? Gar keine Raumfahrt?

Diese letzte Antwort, gar keine Raumfahrt, wollen sie nicht akzeptieren. Sie sind auch auf der re:publica, um Begeisterung zu wecken und andere zu inspirieren, so wie es die Landung von Curiosity auf dem Mars geschafft hat. Becker sagt: "Jeder, den wir von einem BWL-Studium abhalten und für Informatik oder Raumfahrttechnologie begeistern, ist ein Gewinn für die Menschheit."