re:publica 2013Jenseits des Internets

Trotz des Technologiebooms ist nicht ganz Afrika online. Al Banda aus Kamerun erzählt, warum deshalb Retro-Innovationen entstehen, die auch Europa gern haben will. von 

Warum bist du zurück nach Afrika gegangen? Das wurde der Kameruner Al Banda bis vor Kurzem dauernd gefragt. Er, der Diplomatensohn, der als Kind erst in den USA, dann in den Niederlanden und erst später in seinem Heimatland lebte. Statt im Ausland Karriere zu machen, wurde der 28-jährige Jurist Community Manager im kamerunischen Buea. Nicht für ein gut zahlendes Unternehmen, sondern für ActivSpaces, ein Zentrum für Technikinnovationen, das der örtlichen Bevölkerung den Zugang zu Informationen ermöglicht und Start-ups unterstützt.

Die Fragen haben aufgehört. Denn auf einmal ist es in Afrika schick, sich um moderne Technik zu kümmern, erzählt Al Banda auf der Netzkonferenz re:publica in Berlin. Was überrascht: Er meint damit nicht zwingend das Internet.

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"Wenn vom afrikanischen Innovationsboom die Rede ist, wird das Internet immer vorausgesetzt", sagt Al Banda. "Dabei haben wir in Kamerun ein Riesenproblem mit dem Internet!" Unterseekabel, die in Westafrika anlanden, sind zwar gelegt. Vereinzelt gibt es auch Verbindungen, die so schnell sind wie in Europa. Doch die meisten Kameruner können sich das nicht leisten. "Schuld ist die unfassbare Korruption", sagt Al Banda. Wer bei einem der beiden Provider des Landes einen Zugang bucht, zahlt dafür etwa ein Drittel seines Jahreseinkommens. Und das ist dann maximal eine Verbindung von 256 kbps – nichts, womit man auch nur ein Video ansehen könnte.

Eine mobile virtuelle Bibliothek

Deshalb haben die Technik-Begeisterten von ActivSpaces eine virtuelle Bibliothek entwickelt, die keinen Internetzugang braucht, genannt DataZone. Sie nutzt moderne Computer und Mobiltelefone, läuft aber unabhängig vom Internet. Etwa 1.000 Studenten an der Universität in Buea testen sie seit Januar.

DataZone besteht aus einem lokalen Server, auf dem das Material für die Studenten liegt – E-Books, Seminarunterlagen und Lehrmaterialien, die das Massachusetts Institute of Technology (MIT) aus Boston zur Verfügung gestellt hat. Die Studenten können auf die Inhalte über ein LAN-Netzwerk zugreifen. Das Material ist kostenlos nutzbar; finanziert wird der Dienst mit Entertainment: In der virtuellen Bibliothek finden sich auch Songs lokaler Musiker, die für wenig Geld heruntergeladen werden können.

DataZone kann auch jenseits der Uni eingesetzt werden, etwa um Bildung in ländliche Gegenden zu bringen, sagt Al Banda. Man kann einfach damit experimentieren, denn ein Server kostet nicht viel und ist gut transportabel. "Wenn es an einem Ort nicht klappt – oder die Leute das Angebot gar nicht haben wollen – kann man das Equipment einpacken und es anderswo ausprobieren", sagt er.

Leserkommentare
  1. "Wer bei einem der beiden Provider des Landes einen Zugang bucht, zahlt dafür etwa ein Drittel seines Jahreseinkommens. Und das ist dann maximal eine Verbindung von 256 kbps – nichts, womit man auch nur ein Video ansehen könnte."

    Heißen die beiden Provider vielleicht "Deutsche Telekom" und "Auch Deutsche Telekom"?

    4 Leserempfehlungen
    • kkkaaa
    • 13. Mai 2013 10:24 Uhr
    2. Videos

    "Und das ist dann maximal eine Verbindung von 256 kbps – nichts, womit man auch nur ein Video ansehen könnte"

    Warum nicht? Youtube in der qualitätseinstellung von 240p benötigt laut kurzer Google Recherche 281 kbps. Das bisschen was noch fehlt können Sie eben vorher laden lassen, aber das wird sicher kein Ding der Unmöglichkeit.

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  • Schlagworte Akku | App | Bibliothek | E-Book | Internet | MIT
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