Überraschende TelefonkonferenzNSA gibt Fehler zu

Mit ungewohnter Offenheit versucht der Geheimdienst, das Misstrauen an seiner Arbeit zu zerstreuen. Die NSA mache Fehler, sagt ihr Direktor, doch nur aus Versehen.

Der US-Geheimdienst NSA hat angesichts der jüngsten Enthüllungen über tausendfache Datenschutzverstöße und illegale Abhörmaßnahmen Fehler eingeräumt. Die Bestimmungen seien aber nicht bewusst verletzt worden, die Mitarbeiter seien nicht böswillig und versuchten auch nicht, Gesetze zu brechen, sagte NSA-Direktor John DeLong bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten, zu der der Geheimdienst überraschend eingeladen hatte. 

"Niemand in der NSA ist der Meinung, dass Fehler okay sind", sagte DeLong. Pannen bei der Überwachung würden an Gerichte oder Regierungsstellen gemeldet. "Wir vertuschen diese Vorfälle nicht", sagte DeLong. Der Dienst habe rigorose interne Regeln. Es müsse vermieden werden, Daten von Amerikanern zu sammeln. Sollte dies doch geschehen, müssten die Daten zerstört werden.

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Mit der Telefonkonferenz reagierte die NSA (National Security Agency) auf einen Bericht der Washington Post. Die Zeitung hatte unter Berufung auf ein internes Gutachten und weitere geheime Unterlagen geschrieben, die NSA habe seit 2008 in Tausenden Fällen illegal auch US-Bürger und Einrichtungen in den USA abgehört. Die Dokumente hatte die Zeitung vom früheren NSA-Mitarbeiter Edward Snowden bekommen, den die USA per Haftbefehl suchen. Snowden hält sich in Russland auf, wo ihm Asyl gewährt wurde.

Die US-Regierung nahm den Bericht zum Anlass, um die angekündigte Transparenzoffensive von Präsident Barack Obama zu bekräftigen. Obama habe sich "schon lange für mehr Transparenz und eine stärkere Kontrolle eingesetzt". Ziel sei es, bei der Arbeit der Geheimdienste "das richtige Gleichgewicht" zwischen dem Schutz der nationalen Sicherheit und dem Schutz der Privatsphäre zu erreichen, teilte die Regierung mit.

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Leserkommentare
  1. War nur ein Versehen! Nein, wirklich! Wir würden ja NIE auch nur auf die Idee kommen, ABSICHTLICH etwas verbotenes zu tun. NIEMALS. Die Besten der Besten der bestesten. Das mit der Atombombe war ja auch nur ein Versehen. Genauso wie die Zwangsernährung in Guantanamo das längst hätte geschlossen sollen. Hätte NIE passieren dürfen. Übrigens erklärt Pofalla den Monat August für beendet und möchte jetzt Resturlaub.

    Wenn hier wirklich keiner merkt dass er hier von Grundauf hintergangen wird, der hat es nicht anders verdient. Wir sind Doofland!

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    Denn sie wissen nicht was sie tun.

    Hier bleibt die Frage:
    Liebe(r) ZEIT-JournalistIn,
    diese Fehler heißen,- wie übrigens auch jenes Treiben von Herrn Höneß oder das Verhalten der Justiz im Fall Mollath-, kriminelle Delikte, im Volksmund auch Verbrechen gebannt.

    • AvisFu
    • 17. August 2013 11:36 Uhr

    "Ups...ausversehen Polizeistaat"

    Wer gaubt denen bitte noch?

    • weholi
    • 17. August 2013 10:37 Uhr

    warum erinnert mich die NSA bloß immer an die Kaaba von Mekka??

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    >> warum erinnert mich die NSA bloß immer an die Kaaba von Mekka?? <<

    ... sollten alle mal hinpilgern?

  2. ...bestimmt. Nach der Erklärung kann man doch keine Zweifel mehr haben, wer denn die Guten sind.

    Das tausendfache Abhören von US-Bürgern ist also nur ein seltenes Versehen?
    Großartig. Es wird von Tag zu Tag lächerlicher, was diese Leute von sich geben. Selbst die Amis sind inzwischen nicht mehr so bescheuert, das einfach zu glauben.

    Das ist wie hier in Deutschland: Herr Friedrich erklärt alle Vorwürfe für ausgeräumt und Herr Pofalla beendet Dinge. Dabei hat keiner von den beiden in den letzten acht Wochen irgendwas Konkretes gesagt, geschweige denn, irgendwas getan. In der freien Wirtschaft hätte man beide Mitarbeiter wegen Unfähigkeit und Arbeitsverweigerung längst gefeuert, fristlos.

    Natürlich sind auftauchende Berichte von massiven Datensammlungen bestimmt total übertrieben und von irgendwelchen Unpatrioten in Umlauf gebracht worden. Alles bedauerliche Einzelfälle!

    Ist mal einem aufgefallen, daß es hier in Deutschland immer "bedauerliche Einzelfälle" sind und das dieser Ausdruck immer nur im Plural auftaucht?
    Das ist genau so glaubwürdig wie tausendfaches versehentliches Abhören.

    Im übrigen bin ich der Meinung, daß diese Bundesregierung abgewählt werden muß!

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    • Acamat
    • 17. August 2013 11:10 Uhr

    Eine große Bedrohung ist – zugegeben – groß, allerdings kenne ich zu wenig von der römischen Geschichte um zu beurteilen, ob gerade Cato als demokratisches Vorbild dienlich ist.

    << Im übrigen bin ich der Meinung, daß diese Bundesregierung abgewählt werden muß! <<

    Das nützt aber nichts, wenn die darauf folgende Regierung aus staatstragender "Verantwortung", aus Dummheit, Feigheit oder sonstigen niederen Antrieben, das gleiche macht...machen wird.
    Nehmt ihnen die Möglichkeit, nehmt ihnen Geheimdienste und Macht, nehmt ihnen die Legitimität, überhaupt die Komplettüberwachung der Bevölkerung anordnen zu können, aber bitte macht nicht den Fehler und wählt "kleinere Übel" die den Geheimdienst nur ein bisschen weniger missbrauchen als die schäbige Bande die gerade regiert.

    • AvisFu
    • 17. August 2013 11:51 Uhr

    censeo Carthaginem esse delendam.

    Was bringt eigentlich das Grundgesetz, wenn es von Politikern, Geheimdiensten und der Polizei regelmäßig überfahren, geschreddert, angesengt, verbogen und zerrissen wird?

    Wird vielleicht Zeit für den ultimativen Ansatz der FDP gegen den "bevormundenden Staat": Die Freiwillige Selbstverpflichtung jeden Bürgers nichts böses zu tun.

    http://www.der-postillon.com/2011/11/strafgesetzbuch-wird-durch-freiwill...

    Ist es nicht eine Unverschämtheit, dass mir so etwas wie dieser "Staat" Straßen baut, die ich nicht brauche und Schulen betreibt, auf denen ich nicht bin? Darum: Flächendeckenden Egoismus gesellschaftsfähig machen, dann gibts auch keine Staatsgesetze, gegen die irgendeiner unserer besten Freunde verstoßen könnte. Ich bitte Sie...

    Wenn mein Kumpel im Suff ganz klar mein Sofa aufschlitzt - ja, dann war es doch meine Schuld: Mein Sofa stand im Weg. Mein Sofa ist dem quasi ins Messer gesprungen

    Und wenn mein Kumpel es nötig hat Kameras in meinem Haus zu montieren, dann muss ich mich doch betroffen fühlen! Ich hätte ihm mehr privates erzähen müssen. Dann hätte er das gar nicht nötig gehabt.

    Im Übrigen bin ich schon jetzt der Meinung die uns Eric T. Hansen morgen/in einer Woche/sonst wann verklickern wird: Wir Deutschen sollten endlich aufhören mit unseren spießigen Gesetzen den Amerikanern im Weg rumzustehen.

    Zum Schluß: Ich sah übrigens schon viele Tiere

  3. Wer glaubt denn noch der NSA?

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  4. Das kann ich mir gut vorstellen. Die internen Lücken müssen unbedingt geschlossen werden, es war schon ein ungeheurer Fehler, den eigenen Mitarbeitern zu trauen.
    Ausserdem war es ein Fehler, Mr. S. einfach so entkommen zu lassen und ein weiterer Fehler war es, das überhaupt jemand weiss, dass es eine GEHEIME Organisation gibt.

    Absolute Nieten die Typen.

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    nicht so gefährlich.
    Lächerliche Erklärungen besagen ja nicht, dass sie nicht alles tun, was sie technisch tun können. Gesetze und Bürgerrechte stören da nur und werden bei Bedarf weg geräumt und wenn mal was ans Licht kommt, dann sind sie halt vergesslich, haben einen Fehler (ist ja nur menschlich) gemacht, haben was verwechselt oder es ist so gaaanz unabsichtlich passiert.

    • va
    • 17. August 2013 16:02 Uhr

    ... , dass eine Pressemitteilung die NSA plant, ihre Tätigkeiten weitgehend zu automatisieren. Fälle wie jüngst der Fall Snowden wären dann nicht mehr möglich. Die Frage ist nur wer diese automatisierte NSA kontrolliert!

    • DerGerd
    • 17. August 2013 10:51 Uhr

    Ich bezweifle, dass die "Fehler" auf das Konto der NSA gehen. Die technischen Möglichkeiten werden ausgeschöpft, Richtlinien und die Überwachung dieser ist Aufgabe der Politik. Wenn hier jemand primär deschludert hat, dann die Politik. Nicht die NSA ist hier an den Ohren zu packen sondern die Politik. Ansonsten stimme ich jhmischke (Kommentar 5) voll zu.
    DerGerd

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    Das eigentlich Brisante ist aber, dass diese Fehler (Datenschutzvergehen) nicht weitergemeldet wurden, wie das eigentlich vorgesehen ist.

    Wenn also DeLong sagt, dass diese Vorfälle nicht vertuscht würden, lügt der Kerl.

    Bei SZ.de ist das etwas genauer zu lesen:
    http://www.sueddeutsche.de/politik/spaehaffaere-geheimdienst-nsa-gesteht...

    Beispiel:
    "Das interne Gutachten vom Mai 2012 führe allein für die vorangegangenen zwölf Monate 2776 solcher Vorfälle auf. Dabei handle es sich um die "unerlaubte Sammlung und Speicherung von rechtlich geschützter Kommunikation, unerlaubten Zugriff darauf oder unerlaubte Weitergabe der Daten". Ein Dokument zeigt der Zeitung zufolge, dass die National Security Agency Mitarbeiter angewiesen habe, Berichte an das Justizministerium und das Büro des US-Geheimdienstkoordinators zu verändern. Konkrete Details seien darin durch allgemeine Aussagen ersetzt worden.

    In einem Fall habe der Geheimdienst die unabsichtliche Überwachung von US-Bürgern verschleiert. Im Jahr 2008 sei "eine große Zahl" von Anrufen aus der Hauptstadt Washington überwacht worden. Hintergrund sei ein Programmierfehler gewesen, wodurch die Vorwahl der Metropole - 202 - mit der internationalen Vorwahl für Ägypten - (00)20 - verwechselt worden sei. Den Aufsichtsbehörden sei dies nicht gemeldet worden."

  5. "Die NSA mache Fehler, sagt ihr Direktor, doch nur aus Versehen."
    http://www.youtube.com/watch?v=i95aSPVe-rM

  6. nicht so gefährlich.
    Lächerliche Erklärungen besagen ja nicht, dass sie nicht alles tun, was sie technisch tun können. Gesetze und Bürgerrechte stören da nur und werden bei Bedarf weg geräumt und wenn mal was ans Licht kommt, dann sind sie halt vergesslich, haben einen Fehler (ist ja nur menschlich) gemacht, haben was verwechselt oder es ist so gaaanz unabsichtlich passiert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, kp
  • Schlagworte Barack Obama | Edward Snowden | Asyl | Geheimdienst | Gericht | NSA
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