Der US-Geheimdienst NSA späht laut einem Bericht von Le Monde massiv die Telefonate französischer Bürger aus. Die französische Tageszeitung beruft sich dabei auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Demnach seien allein innerhalb eines Monats – zwischen Anfang Dezember 2012 und Anfang Januar 2013 – 70,3 Millionen Telefonverbindungen aufgezeichnet worden.

An einem einzigen Tag seien es fast sieben Millionen Telefondaten gewesen. Bei der Verwendung bestimmter Telefonnummern würden die Gespräche automatisch aufgezeichnet. Auch würden SMS und ihre Inhalte aufgrund bestimmter Schlüsselwörter abgefangen.

Das Ausspionieren der Telefonate laufe unter einem Programm mit dem Namen "US-985D". Wofür dieser Code stehe, sei unklar. Für das Abfangen von Telefondaten aus Deutschland gebe es Programme mit den Namen "US-987LA" und "US-987LB". 

Nicht nur Terrorverdächtige im Visier

Ziel seien laut den Snowden-Dokumenten nicht nur Terrorverdächtige. Es seien auch die Telefondaten von Franzosen abgefangen worden, die offenbar nur wegen ihrer Geschäftstätigkeit oder der Mitarbeit in der Regierung oder bei Behörden für die NSA interessant waren.

Zudem habe sich der US-Geheimdienst im Januar besonders interessiert für E-Mail-Konten des französischen Internetanbieters wanadoo.fr, der rund 4,5 Millionen Nutzer hat, und E-Mail-Konten des US-französischen Telekommunikationsausrüsters Alcatel-Lucent. 

Weitere Enthüllungen angekündigt

Die Zeitung gibt an, die Snowden-Dokumente von dem Journalisten Glenn Greenwald erhalten zu haben, der eng mit Snowden zusammenarbeitet und seine Enthüllungen in der britischen Zeitung The Guardian veröffentlichte. Le Monde plant in den kommenden Tagen weitere Veröffentlichungen.

Die französische Regierung hat auf den Bericht reagiert und den US-Botschafter "umgehend" einbestellt. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte: "Diese Praktiken, die das Privatleben verletzen, sind zwischen Partnern vollkommen inakzeptabel." Frankreich wolle daher eine schnelle Versicherung, dass diese Methoden nicht mehr angewandt würden.