Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat sich sehr vorsichtig zur Ausspähaffäre um die National Security Agency geäußert. "Hat die NSA einen bedauerlichen Fehler gemacht? Es scheint mir, dass es vielleicht so war", sagte Clinton in einem Interview mit dem Technologiemagazin Wired.

In dem Interview, das Wired gemeinsam mit Microsoft-Gründer Bill Gates mit Clinton führte, ging es nur am Rande um Überwachung und NSA. Vor allem befragte das Magazin die beiden zu ihren Aktivitäten, die sich mit dem Kampf gegen Krankheiten beschäftigen. Gates und Clinton sind befreundet und haben beide mit viel Geld ausgestattete Stiftungen, die sich weltweit engagieren. Offensichtlich wollten die Interviewer aber die Chance nutzen, wenigstens eine Frage zu dem Thema zu stellen. 

In Clintons Amtszeiten waren Gesetze zur stärkeren Überwachung durch Geheimdienste erlassen worden. Vor allem kämpfte seine Regierung dafür, dass Verschlüsselungsmethoden als Waffen betrachtet werden, um eine Ausfuhr zu verbieten. Der Erfinder der Mailverschlüsselung PGP, Phil Zimmermann, wurde deswegen sogar angeklagt. Sie wollte außerdem erreichen, dass staatliche Dienste wie die NSA bei jeder Verschlüsselung eine Hintertür bekommen, um trotzdem alles lesen zu können.

Die Antworten Clintons waren daher verhalten. Die Balance zu finden zwischen notwendiger Überwachung und persönlicher Freiheit sei eine ständige Herausforderung, sagte Clinton. "Wenn wir durch Anrufe oder E-Mails erfahren können, dass terroristische Gruppen in Amerika operieren, dann möchte ich, dass jemand, der unsere Zukunft zu schützen versucht, davon weiß", sagte Clinton. "Ich möchte aber auch mit größerer Gewissheit als derzeit wissen, dass Telefonanrufe und andere Kommunikation von einfachen Bürgern nicht durchdrungen werden kann." Derzeit sei die Balance etwas verloren gegangen.  

Auch Gates äußerte sich zurückhaltend. Es gebe berechtigte Gründe für Regierungen, Informationen zu sammeln, sagte er. Es wäre gut, wenn ein Teil der Administration, dem die Bürger wirklich vertrauten, diese Aufgabe übernehme. "Es ist wohl gut, dass wir jetzt eine klare Diskussion darüber haben", sagte Gates.

Das Interview wurde am 23. September geführt, aber erst jetzt veröffentlicht.