Die Gründer der Instant-Messsaging-App Snapchat haben laut Medienberichten ein Kaufangebot von Facebook in Höhe von drei Milliarden Dollar abgelehnt. Das weltgrößte Online-Netzwerk habe den Dienst wiederholt kaufen wollen, berichteten das Wall Street Journal und Bloomberg. Zuvor wurde bereits von einem Angebot über eine Milliarde Dollar berichtet.

Über Snapchat lassen sich Fotos und Videos ("Snaps") verschicken. Sie sind maximal zehn Sekunden lang zu sehen. Eine sogenannte Snapchat-Story aus mehreren Snaps bleibt 24 Stunden bestehen. Der Dienst ist besonders bei Jugendlichen beliebt – und gilt in dieser Altersklasse als Konkurrenz zu Facebook. Bei Snapchat wurden zuletzt 350 Millionen Bilder pro Tag verschickt, im Juni waren es 200 Millionen. 

Snapchat-Chef Evan Spiegel hat das Angebot von Facebook angeblich abgelehnt, weil er vor einem Verkauf oder einer Beteiligung neuer Investoren die Zahl der Nutzer steigern und so einen noch besseren Preis erzielen will. Angebote von konkurrierenden Investoren bewerteten Snapchat laut Wall Street Journal bereits heute mit vier Milliarden Dollar. Offiziell bestätigt ist dies nicht.

Nutzer sollten übrigens nicht davon ausgehen, dass ihre Snaps wirklich so kurzlebig sind. Zwar wird man informiert, wenn der Empfänger einer Nachricht einen Screenshot anlegt, um einen "Snap" zu speichern. Doch es gibt Apps wie Snap Hack oder Snap Save, die das umgehen und heimliche Screenshots ermöglichen. IT-Forensiker können zudem selbst gelöschte Snaps wiederherstellen.

Zusammenarbeit mit Strafverfolgern

Außerdem hat Snapchat eingeräumt, Snaps an US-Behörden geben zu müssen, wenn die einen entsprechenden Durchsuchungsbefehl vorlegen. Nach Angaben des Unternehmens geht das aber nur mit ungeöffneten Nachrichten. Hat der eigentliche Empfänger eine Nachricht geöffnet, werde sie von den Snapchat-Servern gelöscht.

Die App hat den Ruf, vor allem von Teenagern für das sogenannte Sexting, also das Versenden zum Beispiel von Nacktfotos verwendet zu werden. Andere sagen, die Popularität von Snapchat deute auf einen Bewusstseinswandel bei jungen Nutzern zu etwas mehr Datenschutz hin. Egal, welche Theorie stimmt: Snapchat ist kein sicheres Kommunikationswerkzeug, die versendeten Dateien sind nicht so flüchtig, wie es den Anschein haben mag.

Snapchat abweisend wegen Instagram

Dennoch erfreut sich die Möglichkeit, (vermeintlich) kurzlebige Nachrichten zu verschicken, großer Beliebtheit. Nach der Gründung von Snapchat 2011 versuchte Facebook deshalb bereits, eine eigene Plattform für von selbst verschwindende Fotos mit der App Poke aufzubauen. Es gibt aber keine Angaben darüber, wie rege sie genutzt wird.

Snapchat könnte der bislang größte Zukauf von Facebook werden. Bisher war der Fotodienst Instagram die teuerste Übernahme. Facebook hatte für die Foto- und Video-App im vergangenen Jahr etwa eine Milliarde Dollar in Bar und eigenen Aktien gezahlt. Dieses Geschäft soll laut New York Times auch ein Grund für die ablehnende Haltung von Snapchat sein. Einer der Snapchat-Investoren, die Finanzfirma Benchmark, war auch bei Instagram dabei. Sie sei enttäuscht gewesen von der Entscheidung der Gründer, schon bei einer Milliarde Dollar zu verkaufen.

Als weiteren potenziellen Snapchat-Geldgeber nennt das Wall Street Journal die chinesische Internet-Firma Tencent. Sie betreibt den Messagingdienst WeChat.