Facebooks neue App "Paper" © ZEIT ONLINE

Facebook hat eine neue App vorgestellt – sie heißt Paper und soll die eigentliche Facebook-App für Smartphones und Tablets ergänzen. Langfristig könnte Paper sie aber sogar ersetzen. Um "Geschichten aus Facebook" soll es in Paper gehen, präsentiert in gefälliger Form. Mit Geschichten sind weniger Statusupdates und Bildergalerien von Facebook-Freunden gemeint, denn Nachrichten und Beiträge von bekannten Onlinemedien und "aufstrebenden Stimmen".

Facebook hat erkannt: Die eigenen Freunde sind oft miese Content-Kuratoren. Standen beim erfolglosen Facebook Home noch Menschen im Vordergrund, regiert jetzt der Inhalt – und zwar redaktioneller. Beim ersten Start der App kann man auswählen, welche Rubriken – "Sections" – man mitverfolgen will, etwa "Tech", "Pop Life", "Cute" oder "LOL". Dahinter verbergen sich Newsfeeds, gefüllt von bisher etwa 40 Partnern, die Seiten bei Facebook unterhalten. Die Bandbreite reicht von der New York Times über das TIME Magazine und Popular Mechanics in der "Ideas"-Rubrik bis zu College Humor und Best Vines unter "Comedy." Der traditionelle Newsfeed mit Statusupdates ist noch da, aber er ist nur eine Nachrichtenquelle unter vielen.

Paper ist eine schnelle und modern designte App, sie reduziert die traditionelle Facebook-Oberfläche auf das mobile Minimum. Nutzer bekommen Benachrichtigungen, können private Nachrichten verfassen und auf Freundschaftsanfragen reagieren. Auch das eigene Profil sowie die Profile der Freunde können sie aufrufen, etwas versteckt ist nur der Link zu den Gruppen. Einen Zugriff auf Events oder die Verwaltung von Facebook-Apps gibt es nicht. 

Die Steuerung ist weitgehend gestenbasiert, man wischt zwischen den Rubriken hin und her, ruft einzelne Posts auf und wechselt schließlich auf die Websites der Onlinemedien. Das Interface erinnert an Flipboard, die Navigationsgesten sind jedoch komplizierter, sagen die ersten Kritiker.

Qualität vor Katzenbildern

Wie bei Flipboard stehen die Inhalte im Vordergrund. Mit Paper macht Facebook das Versprechen wahr, vermeintliche Qualitätsinhalte stärker zu gewichten als kursierende Meme-Bildchen. Das Design der App macht die Botschaft klar: kommerzielle Content-Lieferanten werden hier gegenüber normalen Nutzern bevorzugt. Das freut die Onlinemedien, wird doch für viele Websites Facebook als Traffic-Quelle immer wichtiger

Wenn man in Paper auf einen Link klickt, verschwindet die Grenze zwischen der Facebook-App und der verlinkten Geschichte. Das althergebrachte blaue Facebook-Interface ist nicht zu sehen, die Nutzer sehen das, was sie aus der Sicht von New York Times oder The Verge sehen sollen. Dazu gehört natürlich auch Werbung, die in der App an sich fehlt – jedenfalls im Moment. Dennoch verlassen die Paper-Nutzer die App nicht, wenn sie einen Text lesen. Es sieht nur so aus. Mit einem Wisch sind sie wieder zurück auf der Paper-Oberfläche.

Facebook wählt die Inhalte selbst aus

Paper unterstützt auch Lese-Apps wie Instapaper oder Pocket. Redaktionelle Inhalte, die Nutzer auf Facebook entdecken, können sie in Lese-Apps ihrer Wahl importieren, um sie später abzurufen. 

Bei aller vorgeblichen Offenheit bleibt Paper aber ein geschlossenes System. Die Themenkanäle bestückt ausschließlich Facebook selbst, dafür gibt es eine eigene Redaktion im Haus. Eigene Nachrichtenquellen können die Nutzer bislang nicht hinzufügen.

Für Unmut sorgt die Tatsache, dass Facebook mit Paper eine Marke benutzt, die bisher der gleichnamigen iPad-Zeichen-App  vorbehalten war. Der Hersteller Fifty Three forderte Facebook auf, die App umzubenennen, eine offizielle Reaktion steht noch aus.

Bisher ist die App nur für iOS-Nutzer mit einem US-Konto bei iTunes erhältlich. Wer sie testen möchte, findet hier eine Anleitung.

Bei US-Nutzern kommt sie gut an. Manche sehen in Paper sogar schon die bessere Facebook-App, die eines Tages die bisherige ersetzen könnte.