Der Chef des Online-Netzwerks Google+ verlässt den Internet-Konzern. Vic Gundotra, einer der prominentesten Google-Manager, sagte nichts über Gründe oder künftige Pläne. "Nun ist die Zeit gekommen für eine neue Reise [...] Ich freue mich auf das, was als nächstes kommt. Aber heute ist nicht der Tag, um darüber zu sprechen", schrieb er nur bei Google+. Hintergrund für sein Ausscheiden könnte ein weitreichender Umbau sein, der laut Financial Times und dem Technikblog TechCrunch ansteht.

Die Leitung solle nun der bisherige Technikchef David Besbris übernehmen, berichtete Recode. Er habe das Rennen gegen den einflussreichen Googleplus-Produktchef Bradley Horowitz gemacht, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.  

Gundotra war acht Jahre bei Google. Vor Google+ verantwortete er unter anderem die mobilen Produkte des Internetkonzerns. Zuvor war er 15 Jahre bei Microsoft gewesen.  

Google+ bald weniger eigenständig?

Google+ ist als Plattform konzipiert, die verschiedene Angebote des Internet-Konzerns miteinander verbindet. Google baute unter anderem die Funktionen zum Speichern und Bearbeiten von Fotos stark aus. Zudem wurde Google+ in alle möglichen Produkte von YouTube bis hin zu GMail eingebunden. Damit stieg die offizielle Nutzerzahl der Facebook-Konkurrenz Google+ aus dem Stand auf mehrere Hundert Millionen hoch. Mit zuletzt knapp 1,3 Milliarden Nutzern ist Facebook immer noch sehr viel größer.

Laut Financial Times solle Google+ nun weniger als eigenständiges Online-Netzwerk vermarktet werden. Bei TechCrunch heißt es, Google+ werde auf die Plattform-Rolle reduziert. Rund 1.000 Software-Entwickler würden anderen Bereichen zugeteilt. So werde etwa das Team für die Hangout-Videochats zum Android-Betriebssystem umziehen. Google-Produkte müssten zudem künftig nicht mehr zwingend mit Google+ verzahnt werden.

"Offiziell" sei Google+ nicht tot, schreibt TechCrunch, "eher ein lebender Toter". Es werde "reichlich Arbeit brauchen, um das Netzwerk zu entzombifizieren, falls das überhaupt möglich ist."