Gleich mehrere deutsche Internetseiten sind offenbar in den vergangenen Tagen Opfer von Cyber-Attacken geworden, bei denen die Angreifer Werbebotschaften der islamistischen Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) verbreitet haben. Unter anderem sei die Seite einer Lübecker Firma betroffen gewesen, berichteten die Lübecker Nachrichten unter Berufung auf das zuständige Landeskriminalamt. Auch die Seite eines Unternehmens aus Kiel sei am Dienstag gehackt worden. Die Seiten seien jedoch kurz darauf vom Netz genommen und repariert worden, zitiert die Zeitung einen Polizeisprecher.

Wer genau hinter den Attacken steckt, ist bislang nicht klar. Die Angreifer sollen sich in einen Server gehackt haben, auf dem die beiden Websites gespeichert waren. Nach Angaben der Beamten seien die Unternehmen vermutlich zufällig Opfer des Angriffs geworden. Beide Seiten basierten offenbar auf der Weblog-Software Wordpress. 

"Diese Vorgehensweise wird durch politisch motiviert agierende Gruppen gern genutzt, um einen wirksamen Weg in die Öffentlichkeit zu finden. Dies geht in die Richtung digitale Propaganda", hieß es vom LKA. Angriffsziele seien vor allem Websites mit vielen Nutzern und einem hohen Verbreitungsgrad.

Facebook-Posts zeigten Screenshots der gehackten Seiten

Unklar ist demnach bislang auch, ob bei der Attacke tatsächlich politische Botschaften verbreitet werden sollten, oder ob es sich lediglich um eine Provokation handelte. Techniker überprüften derzeit die IP-Adressen, von denen die Angriffe ausgingen, schrieb das Blatt. Auch die Seite SHZ.de hatte am Donnerstagabend von den Attacken berichtet.

"Hacked by Team System Dz" habe vorübergehend auf den Internetseiten der betroffenen Firmen gestanden, hieß es in dem Bericht. Außerdem seien Parolen wie "Es gibt keinen Gott außer Allah" und "Der islamische Staat befindet sich auf dem Wege Allahs" gepostet worden, schrieb die Nachrichtenseite mit Verweis auf eine Islamwissenschaftlerin der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Die Gruppe betreibe einen Blog in arabischer Sprache und veröffentliche arabische Tweets. Wie die Seite weiter schreibt, prangerten die Täter unter anderem das israelische Vorgehen im Gaza-Streifen an. Auf einer Faceboook-Seite sollen sie Bilder der gehackten Websites gepostet haben. Inzwischen ist die Seite gelöscht.  

Parallelen zur Islamic Hacker Union soll es nach ersten Erkenntnissen nicht geben. Die Gruppe war unter anderem von dem Islam-Konvertiten Harry M. aus Neumünster gegründet worden. Anders als im aktuellen Fall habe diese ihre Botschaften jedoch auf den eigenen Seiten verbreitet und keine Fremdseiten gehackt. 

Neben den beiden Unternehmen in Norddeutschland hatten auch ein Hotel in Berchtesgaden sowie die Firma Swype gemeldet, Opfer der Cyber-Attacke geworden zu sein. Das kanadische Blog The Cryptosphere hatte geschrieben, seit vergangenen Freitag seien mehr als 200 Internetseiten attackiert worden. Offenbar suche sich die Gruppe immer neue Länder für ihre Angriffe aus. Auch Websites in den Niederlanden seien bereits Opfer der Attacken geworden.