Die Entscheidung der Filmproduktionsfirma Sony, wegen mysteriöser Terrordrohungen die Nordkorea-Satire The Interview zurückzuziehen, hat in den USA Diskussionen ausgelöst. US-Präsident Barack Obama halte die Drohungen für eine "ernste Angelegenheit der nationalen Sicherheit", sagte sein Sprecher Josh Earnest. Es werde eine "angemessene Reaktion" der US-Regierung geben. Berichte, denen nach Nordkorea für die Attacke verantwortlich ist, bestätigte er nicht.

Aus der US-Politik kam aber auch Kritik an Sony. US-Senator John McCain sagte, die Entscheidung schaffe einen "beunruhigenden Präzedenzfall", der die Täter nur stärke und dazu ermutige, künftig die Cyber-Waffe noch aggressiver einzusetzen. McCains republikanischer Parteikollege Newt Gingrich sprach auf Twitter von einer sehr gefährlichen Entwicklung. "Diese Woche haben die USA ihren ersten Cyber-Krieg verloren."

Eine Gruppe mit dem Namen Guardians of Peace (GOP) hatte laut mehreren Berichten Ende November einen Hackerangriff auf Sony gestartet und Interna veröffentlicht, darunter Inhalte aus dem Film. Vor einigen Tagen sprach sie wegen des Werks The Interview Drohungen aus und erinnerte an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Sony zog den Film, in dem es um ein fiktives Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un geht, schließlich zurück. Er sollte kommende Woche in die Kinos kommen. 

US-Medien zufolge verdächtigen die Sicherheitsbehörden der USA eine auf Cyber-Attacken spezialisierte nordkoreanische Eliteeinheit, für den Hack verantwortlich zu sein. Regierungssprecher Earnest sagte, besorgniserregend sei, dass ein "fähiger Akteur" die Attacke ausgeführt habe. Die Beweislage dafür ist trotz neuer Indizien aber weiterhin schwach.

Wie CNN in der Nacht berichtete, stießen die Ermittler inzwischen auf Beweise dafür, dass die Passwörter eines führenden System-Administrators bei Sony entwendet worden seien. Damit hätten die Hacker praktisch "die Schlüssel zum gesamten Gebäude" gehabt.

Sony selbst sagte über den Verdacht, die Regierung in Pjöngjang sei für den Hack verantwortlich: "Wir wissen es nicht, aber es scheint so zu sein." Die Firma verteidigte zudem ihre Entscheidung. "Das hier ist sehr viel größer als wir", hieß es aus Unternehmenskreisen. Es handle sich um einen "Terrorakt" und der werde nicht auf die leichte Schulter genommen. Die Kriegsführung habe sich ins Internet verlagert.

Paulo Coelho bietet 100.000 Dollar für die Filmrechte

Unverständnis darüber, klein beizugeben, zeigte auch der brasilianische Autor Coelho. Via Twitter bot er Sony 100.000 Dollar für die Filmrechte an und erklärte, er wolle The Interview gratis in seinem Blog veröffentlichen. Coelho bat die brasilianische Vertretung von Sony darum, mit ihm in Kontakt zu treten und stellte für sein Angebot eine Frist bis Freitagmittag. Der Zeitung O Globo sagte der Erfolgsautor, das Einlenken von Sony bedeute, "dass die Terroristen gewonnen haben".