Das Bundeskanzleramt ist laut einem Zeitungsbericht Opfer eines Hackerangriffs geworden. Auf dem Computer einer Mitarbeiterin sei vor einigen Wochen die Spionagesoftware Regin entdeckt worden, die vermutlich vom britischen und amerikanischen Geheimdienst mitentwickelt wurde, berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise. Demnach gelangte der Spionage-Trojaner über einen USB-Speicherstick von dem privaten Laptop einer Referentin der Abteilung für Europapolitik auf ihren Dienstcomputer, wo er von einem Virenscanner bemerkt wurde.

Die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz wollte den Vorfall am Montag nicht bestätigen. Sie betonte nur, das IT-System des Kanzleramts sei nicht infiziert worden.

Regin soll ebenfalls bei einer umfassenden Cyberattacke auf die EU-Kommission 2011 eine Rolle gespielt haben, wie das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) dem Spiegel bestätigte.

Laut dem Zeitungsbericht hatte die enge Mitarbeiterin von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an einem Redemanuskript gearbeitet, das sie nach Dienstschluss nach Hause mitnahm und dort auf ihrem privaten Laptop weiterbearbeitete. Anschließend speicherte sie das Dokument wieder auf ihrem privaten USB-Stick und brachte es damit zurück auf ihren Dienstlaptop. Als der Virenscanner Alarm schlug, wurde festgestellt, dass der USB-Stick mit der Spionagesoftware Regin verseucht war. Eine Überprüfung aller Hochsicherheitslaptops im Kanzleramt habe aber keine weiteren Viren offenbart.

Die IT-Sicherheitsfirma Symantec hatte Ende November erstmals über den hochkomplexen Trojaner berichtet. Demnach kann Regin auf infizierten Rechnern Screenshots machen, den Mauszeiger steuern, Passwörter stehlen, den Datenverkehr überwachen und gelöschte Dateien wiederherstellen. 

Laut der US-Nachrichtenseite The Intercept wird Regin seit 2008 eingesetzt, um Informationen von Regierungen, Firmen und Forschungsinstituten zu stehlen. Demnach waren der britische Geheimdienst GCHQ und der US-Geheimdienst NSA an seiner Entwicklung beteiligt.