In seinen ersten Monaten als EU-Digitalkommissar hielt sich Günther Oettinger eher bedeckt, jetzt soll der digitale Wandel in Europa vorangehen: Das Konzept für einen einheitlichen Digitalmarkt in Europa solle im Mai präsentiert werden, sagte Oettinger auf der Internetkonferenz DLD in München. 

Europa müsse die Teilung in 28 nationale Märkte mit eigenen Regeln schnell überwinden, sagte Oettinger. "Heute ist der europäische Markt nicht besonders attraktiv für Start-ups, für Investoren." Ein Vorbild sei der riesige einheitliche amerikanische Markt. "Die USA sind der beste Partner, die Messlatte, und der Wettbewerber", sagte Oettinger.

Bis Ende des Jahres solle auch die schon seit Langem ausgearbeitete gemeinsame Datenschutz-Verordnung verabschiedet werden. Außerdem benötige Europa rasch ein "faires und ausgewogenes" neues Urheberrecht und ein koordiniertes Vorgehen zum Ausbau der digitalen Infrastruktur.

Netzneutralität für alle

"Wir brauchen die Netzneutralität", sagte Oettinger zur Frage nach einem gleichberechtigten Zugang zu Netzen. Es müsse für Zugänge zum Internet auf hohem Niveau für alle gesorgt werden. "Die Frage ist, was kann man darüber hinaus machen", sagte Oettinger. Es könne etwa im öffentlichen Interesse sein, wenn in einem Auto bei knapper Bandbreite der Fahrer einen schnelleren Zugriff auf Verkehrsinformationen bekommt als die Kinder auf dem Rücksitz zu Medieninhalten.

Das seit Jahren laufende Wettbewerbsverfahren gegen Google solle möglichst bis zum Sommer entschieden werden, sagte Oettinger. Dazu sei allerdings ein "überzeugendes Kompromissangebot" des Konzerns nötig. Die Google-Vorschläge von Februar – die den damaligen Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia zunächst zufriedenstellten – seien nicht ausreichend gewesen.

Google muss EU-Regeln akzeptieren

"Google muss unsere europäischen Regeln akzeptieren. Und wir brauchen eine klare Ansage, was die Regeln sind", sagte Oettinger. "Eine Plattform muss objektiv und neutral sein." Es gehe nicht darum, Google zu zerstören, sondern um Fairness. "Es ist keine Schlacht. Es geht um Wettbewerb und Kooperation."

"Europa hat den Wettlauf im IT-Bereich verloren", stellte Oettinger fest. Jetzt gehe es um die traditionellen Industrien, die digitalisiert würden. "Wir sind in einer Revolution. Die heutige Fabrik kann nicht überleben, wenn sie nicht Teil der Revolution wird", sagte der Digitalkommissar. Europäische Unternehmer fordern schon seit einiger Zeit mehr Freiräume zur Datenverarbeitung, um zum Beispiel Industriemaschinen im Betrieb betreuen zu können.