Der zweitgrößte US-Krankenversicherer Anthem ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Unbekannte hätten sich Zugang zu einer Datenbank mit persönlichen Informationen von rund 80 Millionen aktuellen und ehemaligen Kunden sowie von Anthem-Beschäftigten verschafft, teilte das Unternehmen in Indianapolis mit.

Bei dem Angriff seien wahrscheinlich "mehrere zehn Millionen" Datensätze gestohlen worden, sagte eine Anthem-Sprecherin laut US-Medien. Nach ersten Erkenntnissen kamen die Hacker an Namen, Geburtsdaten, Adressen, Sozialversicherungsnummern und Details zur Beschäftigung; medizinische Informationen oder Bankdaten seien nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht betroffen, teilte das Unternehmen mit. Derzeit gebe es auch keine Anzeichen, dass die Daten auf dem Schwarzmarkt gehandelt würden.

Anthem-Chef Joseph Swedish sprach von einem "sehr ausgeklügelten Cyberangriff". Das Unternehmen selbst bemerkte die Attacke bereits vorige Woche und schaltete daraufhin das FBI ein. Offen ist, woher die Attacke kam. Anthem kündigte an, alle Kunden, deren Informationen in der betroffenen Datenbank gespeichert waren, schriftlich zu informieren. Außerdem richtete der Krankenversicherer eine Info-Website ein.

Dass Anthem selbst die Attacke entdeckte, ist eher die Ausnahme. Experten zufolge wird in der Mehrzahl der Fälle das betroffene Unternehmen auf den Vorfall aufmerksam gemacht. Ein Sprecher des FBI lobte den Krankenversicherer: "Dass Anthem unmittelbar das FBI informiert hat, nachdem verdächtige Aktivitäten im Netzwerk beobachtet wurden, ist ein Vorbild für andere Unternehmen und Organisationen, die mit einem ähnlichen Fall konfrontiert sind." Bei Cyber-Angriffen sei Schnelligkeit entscheidend.

Der Hackerangriff ist vermutlich der bislang größte im Gesundheitssektor. Im vergangenen Jahr stahlen chinesische Hacker Namen, Adressen und Sozialversicherungsnummern von rund 4,5 Millionen Patienten der zweitgrößten privaten US-Krankenhauskette Community Health Systems.