Seit Monaten weigert sich die Bundesregierung, dem NSA-Untersuchungsausschuss die Liste jener Selektoren vorzulegen, die tiefere Einblicke geben kann in die systematische Spionage von BND und NSA in Europa. Bislang hat die Bundesregierung erklärt, man könne der Forderung nicht nachkommen, weil dafür die Zustimmung der US-Regierung notwendig sei. Doch Mitarbeiter von US-Präsident Barack Obama widersprechen dieser Aussage nun in der ZEIT. 

Das Weiße Haus habe zwar Bedenken geäußert, doch sei der Bundesregierung nicht untersagt worden, den Geheimdienstausschüssen des Bundestags die Liste zur Einsicht vorzulegen. Die letzte Entscheidung über eine Freigabe sei der Bundesregierung überlassen worden. Auch sei es eine "absolute Mär", dass die US-Regierung mit einer Einschränkung der Geheimdienstkooperation gedroht habe, sollte die Liste öffentlich werden.

Eine längere Analyse über die Verbindungen zwischen BND und NSA lesen Sie in der aktuellen ZEIT.

Gleichzeitig sei das alte Misstrauen gegenüber dem Politikbetrieb in Berlin geblieben: "Könnten wir davon ausgehen, dass alles, was geheim bleiben soll, auch geheim bleibt", so ein Obama-Berater, "dann hätten wir weniger Bedenken". Die Erfahrung lehre, "dass bei Euch am nächsten Tag alles in der Zeitung steht".

Auf der Selektorenliste stehen etwa 40.000 vom Geheimdienst NSA übermittelte Suchbegriffe, die der BND als unzulässig aussortiert hat. In der Abhöranlage im bayerischen Bad Aibling fängt der deutsche Nachrichtendienst auch für die NSA per Satellit übertragene Signale ab. Mehrmals pro Tag schicken die Amerikaner den Deutschen neue Suchbegriffe, sogenannte Selektoren. Im Frühjahr 2015 kam heraus, dass der BND für die NSA wohl jahrelang auch europäische Ziele ausspioniert hat.

Unter anderem möchte die G10-Kommission des Bundestags die Selektorenliste einsehen, was die Bundesregierung mit dem Argument verweigerte, die Offenlegung sei ohne Zustimmung der USA ein Verstoß gegen das Völkerrecht.