Was wusste das Bundeskanzleramt wann über die Spionage der NSA in Deutschland? Jahrelang hat der Bundesnachrichtendienst am Frankfurter Internetknoten Daten abgefangen und an den US-Geheimdienst NSA weitergegeben. Operation Eikonal hieß dieser Deal, dessen Zusammenhänge und Auswirkungen seit Monaten der NSA-Untersuchungsausschuss im Bundestag ermittelt. Bislang äußert sich das Bundeskanzleramt nicht dazu, wer den Datendeal erlaubte. Darüber sei Ex-Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier seit 2003 "inhaltlich unterrichtet" gewesen, sagte Ernst Uhrlau, damals Leiter der für Geheimdienstkoordination zuständigen Abteilung VI im Kanzleramt, der ZEIT. 

Die Telekom als Betreiberin des Netzes habe rechtliche Bedenken gegen die Operation Eikonal erhoben, berichtete Uhrlau. Er habe der Telekom daraufhin im Dezember 2003 einen Brief geschrieben mit der Auskunft, das Kanzleramt halte die Maßnahme für rechtlich zulässig. Steinmeier habe gewusst, "dass es ein Schreiben an die Telekom gegeben hat", so Uhrlau.

Der Operation Eikonal liegt ein Memorandum of Agreement zugrunde. Der Vertrag wurde 2002 zwischen Deutschland und den USA vereinbart. Unterschrieben hatten ihn NSA-Chef Michael Hayden und der damalige BND-Präsident August Hanning, jedoch kein Vertreter der Bundesregierung.  

Der NSA-Untersuchungsausschuss hat in weiten Teilen zur Aufklärung der Operation Eikonal beigetragen. Dennoch sind weiterhin viele Fragen offen. Unter anderem, wer im Bundeskanzleramt davon erfuhr und die Operation billigte. Die Aussagen Uhrlaus belasten Steinmeier daher schwer.

Für Konstantin von Notz, Obmann der Grünen im NSA-Untersuchungsausschuss, ist das damalige Schreiben des Kanzleramts ein "Megaskandal".