Spotify hat seine Datenschutzbestimmungen geändert und will deutlich mehr über seine Kunden wissen. © Lucy Nicholson/Reuters

Der Musikdienst Spotify räumt sich künftig das Recht ein, mehr über seine Nutzer zu erfahren. "Mit Ihrer Zustimmung erfassen wir Informationen, die Sie auf Ihrem Mobilgerät gespeichert haben. Dazu gehören Kontakte, Fotos oder Mediendateien", heißt es in einer neuen Fassung der Datenschutzbestimmungen, die diverse Änderungen im Vergleich zur früheren Version enthalten. Die Nutzer haben bis zum 19. September Zeit, den Änderungen zuzustimmen, wenn sie den Dienst weiterhin nutzen wollen.

Spotify sagt erwartungsgemäß nicht, welche persönlichen Daten es für welche Zwecke verwendet, also warum der Dienst auf die Adressbücher oder Fotos zugreifen möchte. Stattdessen weisen die Bestimmungen darauf hin, dass Gesetze in einigen Ländern möglicherweise verlangen, dass die Nutzer von allen ihren Kontakten die Erlaubnis einholen, dass ihre Daten mit Spotify geteilt werden – etwas, das in der Praxis wohl nur schwer umzusetzen ist.

An Ortungsdaten ist die schwedische Firma ebenso interessiert. Abhängig von den Einstellungen "können wir auch Informationen zu Ihrem Standort über beispielsweise die GPS-Daten Ihres Mobilfunkgeräts oder andere Formen der Lokalisierung mobiler Geräte (z.B. Bluetooth) erfassen". Andere Nutzer von Spotify-Diensten könnten über den Standort benachrichtigt werden. Erfasst werden auch Informationen von Sensoren – etwa "Daten über die Geschwindigkeit Ihrer Bewegungen, beispielsweise, ob Sie laufen, gehen oder unterwegs sind".

Ortungsdaten für neue Features

Ähnliche Bestimmungen haben auch andere Apps und Dienste, die standortbasierte Funktionen enthalten: Spotify bietet inzwischen an, beim Joggen den Rhythmus der Musik an das Tempo des Läufers anzupassen. Und das geht nicht ohne Zugang zu Sensordaten. Prinzipiell können sich Nutzer davor schützen, indem sie die GPS-Funktion ihres Smartphones ausschalten oder in iOS der App gezielt den Zugriff entziehen. Unklar ist, ob die Ortungsdaten auch gesammelt werden, wenn die Spotify-App nicht aktiv ist.

Nicht zuletzt möchte Spotify noch besser mit Diensten Dritter, etwa Facebook, zusammenarbeiten. Wer dies erlaubt, macht es Spotify möglich, "ähnliche Informationen bezüglich Ihrer Interaktionen auf der Drittplattform sowie öffentlich zugängliche Informationen auf dieser Plattform" zu erhalten. Anders gesagt: Wer Spotify mit Facebook verknüpft, erlaubt dem Musikdienst, die öffentliche Timeline auszulesen. Diese Integration lässt sich in den Privatsphären-Einstellungen von Spotify noch nachträglich ändern.

Mehr Daten zu Werbezwecken

Die Frage ist: Wieso macht der schwedische Dienst das? Mit den neuen Daten solle der Service für die Nutzer verbessert und neue Angebote entwickelt werden, erklärte Spotify in einem Blogeintrag vor Einführung der neuen Bestimmungen. Die Personalisierung der Songauswahl gilt als der Schlüssel für den Erfolg künftiger Musikdienste. Die Vision ist, dass dem Nutzer aus Millionen Titeln die passende Musik zur aktuellen Tageszeit, Situation, Beschäftigung oder sogar Stimmung präsentiert werden kann. Dafür müssen die Anbieter zugleich viel über die Kunden wissen.

Gleichzeitig geht es aber nicht bloß um neue Features, sondern auch um bessere Werbemöglichkeiten. In den Bestimmungen ist unter Punkt 5.2.1 folglich auch die Rede davon, dass Spotify gegebenenfalls gesammelte Daten mit Werbepartnern teilt, um gezielt auf den Kunden zugeschnittene Produkte ausspielen zu können. Es ist aber ebenfalls die Rede davon, dass diese Daten nur "de-identifiziert" an Partner übermittelt werden, also keine persönliche Daten wie Namen oder Adressen enthalten.

Diese Praxis ist prinzipiell nicht unüblich, Dienste wie Facebook haben ähnliche oder teilweise noch viel weitreichendere Nutzungsbedingungen. Spotify hat nach eigenen Angaben 75 Millionen Nutzer, von denen 20 Millionen zahlende Abo-Kunden sind – der Rest nutzt die werbefinanzierte Gratis-Version. Um das Geschäft profitabel zu halten, versucht Spotify möglichst gezielte Werbung auszuspielen. Zumal die Konkurrenz für den aktuellen Marktführer größer wird: Ende Juni stieg auch Apple in das Geschäft ein und kam in der noch laufenden Gratis-Probezeit auf elf Millionen Nutzer binnen eines Monats.

Lässt sich die Datensammlung unterbinden?

Trotz der sehr invasiv klingenden neuen AGB können die Nutzer des Dienstes die Datensammlung möglicherweise aber individuell unterbinden: Spotify hatte bei der Ankündigung der Änderungen versichert, man werde für das Teilen von Orten, Fotos und Kontakten einzeln die Erlaubnis der Nutzer einholen – oder sie über Möglichkeiten informieren, dies abzustellen. Datenschutz und die Sicherheit der Daten hätten höchste Priorität.

Spotify-Gründer Daniel Ek betonte, auf solche Daten solle nur punktuell für einzelne Funktionen und jeweils mit Zustimmung der Nutzer zugegriffen werden. Fotos etwa solle der Nutzer selbst hochladen können, um das Aussehen von Playlisten zu personalisieren. Und der Zugriff auf das Adressbuch werde nur gebraucht, um Bekannte bei Spotify zu finden.